Schlagwort-Archiv: Bilderbuch

Klara Gluck

 

 

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Emma Levey, Klara Gluck, Orell Füssli 2015, ISBN 978-3-280-03489-7

 

Dieses schöne Bilderbuch der Engländerin Emma Levey, das Seraina Maria Sievi ins Deutsche übertragen hat, erzählt vom dem Bedürfnis und dem Glück, eine Mutter zu sein und von den Anstrengungen und Abenteuern, die ein Huhn namens Klara unternimmt, ein solche zu werden.

Denn nachdem sie einmal ein Ei gelegt hatte, aber daraus kein Küken geschlüpft war, reist Klara Gluck auf der Suche nach Eiern durch die halbe Welt. Auf abenteuerlichen Routen, durch Wasser und Luft und über die Kontinente ist sie auf der Suche.

Und sie wird fündig. Unterschiedlich groß, unterschiedlich gefärbt – es ist eine große Vielfalt an Eiern, die sie da zusammensammelt. Und irgendwann entscheidet sie, die vielen Eier nach Hause zu bringen.

Dort angekommen, beginnt sie mit dem Ausbrüten.  Glücklich und mit großer Ausdauer und Geduld wartet sie, bis nach Wochen das große Schlüpfen beginnt…

Ganz erstaunt und zufrieden ist sie, als sie zusammen mit den Kindern auf der letzten Seite sieht, wie vielen schönen unterschiedlichen Lebewesen sie aus ihren Eiern das Leben geschenkt hat…

Ein schönes Bilderbuch über das Geschenk des Lebens und seine Vielfalt. Und dass es behütet werden muss, bei jedem einzelnen Lebewesen.

 

 

 

Lass mich frei!

 

 

 

 

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Patrick George, Lass mich frei, Moritz Verlag 2016, ISBN 978-3-89565-311-7

Zum wiederholten Mal verblüfft der englische Grafiker und Illustrator Patrick George in einem Bilderbuch, das ohne Worte auskommt, seine kleinen und großen Betrachter mit seiner Folientechnik.

Mit einzelnen Bildelementen bedruckte Klarsichtfolien verwandeln beim Umdrehen das linksseitige und entsprechend auch das rechtsseitige Bild in eine andere Aussage und vervollständigen es.

Waren es im letzten Buch noch die Gegensätze, die es ihm angetan hatten, vermittelt das hier vorliegende Bilderbuch eine andere Botschaft. Es geht um Tiere, die frei sein wollen. Elchköpfe an der Wand, Tigerfelle als Teppiche, Elefanten im Zirkus, Hühner auf engstem Raum, Bären im Zoo, Füchse um Damenhälse – es gibt viele Möglichkeiten, Tiere zu missbrauchen oder zu benutzen.

Durch ein einfaches Umblättern der Klarsichtfolie können die Kinder die Tiere wieder in ihre natürliche Umgebung zurückversetzen. Weil alle Kinder Tiere lieben und sie wollen, dass es ihnen gut geht, werden sie an diesem schönen Buch über Freiheit und Unfreiheit ihre helle Freude haben.

Das Buch über uns

 

 

 

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Mo Willems, Das Buch über uns, Klett Kinderbuch Verlag 2015, ISBN 9783-95470-126-1

 

Schweinchen und Elefant Gerald machen eine spektakuläre Entdeckung. Vor ihren Buchseiten, die die beiden bewohnen, ist jemand: Ein Leser. Der erweckt sie zum Leben indem er liest. Aber auch die beiden Figuren können ihn manipulieren; z.B. wenn sie etwas sagen, das der Vorleser dann ja auch sprechen muss. Der Spaß ist groß und die Freude auch, bis Gerald die Schattenseite des Bilderbuchheldendaseins erkennt – das Buch endet. Bei aller Panik fällt den beiden dann aber doch noch eine gute Lösung ein, bevor das Buch zu Ende ist. Das muss man aber selbst herausfinden.

Der amerikanische Bilderbuchmacher Mo Willems zeigt in diesem Buch sein ganzes Können. Minimalistisch, und dennoch mit durchschlagender Wirkung inszeniert er eine herrlich skurrile Episode. Viele grundlegende Vorstellungen von Fiktionalität werden hier auf den Kopf gestellt; dabei aber mit großem Spaß und in einem Format, das typisch für Bücher für kleine Kinder ist.

Viele Hinweise im Buch erschließen sich erst beim mehrmaligen Lesen. Das Buch verführt zum eigenen Manipulieren und Verändern. Ein großer, literarischer Spaß, der nur auf den ersten Blick ganz unbedarft wirkt.

Sieh mal an, was der rote Faden kann

 

 

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Sabine Lohf, Sieh mal an, was der rote Faden kann, Gerstenberg 2015, ISBN 978-3-9369-5812-7

Ein roter Faden zieht sich durch alle Seiten dieses schönen kleinen Bilderbuchs von Sabine Lohf, das Yvonne Hergane mit kleinen, knappen und lustigen Reimen versehen hat.

Schöne und phantasievolle Bastelcollagen zeigen, wie der rote Faden die Kinder mitnimmt auf eine spannende Entdeckungsreise. Ganz viele Formen kann  er annehmen. Er ist das Schnurrhaar einer Katze und ein Springseil. Dann wird er plötzlich zur Schlange und dann zum Haus vom Nikolaus.

Das Buch lädt ein, mit einem eigenen Faden die Figuren nachzulegen, und die Reime nachzusprechen. Vielleicht erfinden Eltern und Kinder zusammen auch neue?

Kuckuck

 

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Guiliano Ferri, Kuckuck, Minedition 2015, ISBN 978-3-86566-278-1

 

Schon ganz kleine Babys lieben ein Spiel, das alle Erwachsenen selbst gerne gespielt haben und das sie deshalb schon nach wenigen Minuten, wenn sie einem kleinen Kind begegnen anfangen zu spielen: Kuckuck.

Das Verstecken und Wiederauftauchen lässt Kinder lachen und jauchzen, sie üben sich darin ihre eigene Identität zu finden.

In diesem schönen Bilderbuch von Guiliano Ferri wollen zunächst verschiedene Tier entdeckt und benannt werden, bevor es auf der letzten Seite mit einem Spiegel um das eigene Selbst geht.

Ein Buch, das neugierig macht und zum Entdecken einlädt.

Haus

 

 

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Felicitas Horstschäfer, Johannes Vogt, Haus, Gerstenberg 2015, ISBN 978-3-8369-5802-8

 

Menschen wohnen in Häusern, seit langen Zeiten schon. Aber es gibt sehr viele unterschiedliche Häuser. Es gibt normale Einfamilienhäuser, große Wohnblocks in der Stadt. Es gibt Häuser im Wald, Zelte und Iglus.

Es gibt Höhlen in der Erde, Baumhäuser für Kinder; Schiffe als Wohnungen für Piraten und Burgen für Ritter.

Es gibt verschiedene Häuser für Gott, Kirchen und Moscheen. Und es gibt Hausboote und Wohnwagen.

All das will in diesem schönen Bilderbuch von Kindern entdeckt werden. Vielleicht können sie ja zu jedem dieser Häuser eine Geschichte erfinden oder malen über die Menschen, die darin wohnen, bzw. sich zeitweise darin aufhalten.

Prinz Bummelletzter

 

 

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Sybille Hein, Prinz Bummelletzter, Hanser 2016, ISBN 978-3-446-24751-2

 

Eine schöne Geschichte erzählt Sybille Hein wieder in ihrem neuen Bilderbuch. Eine Geschichte, so richtig geeignet für all die Kinder im Kindergartenalter und deren genervte Eltern, die, aus welchem Grund auch immer, es jeden Tag schaffen, zu spät in den Kindergarten zu kommen. Für alle, die vor lauter Träumen vergessen zu frühstücken, und die immer den Eindruck haben, wenn sie kommen, ist der Markt schon gelaufen.

So geht es auch dem kleinen Trödler Prinz Willibald, dessen Brüder, natürlich alle von der schnellen und handgreiflichen Truppe, ihm die übelsten Schimpfwörter an den Kopf werfen, ihn Kriechgurke, Lahmschnecke, Trödel-Dödel und Trantüte nennen und ihm den Spitznamen Prinz Bummelletzter gegeben haben.

In seiner Phantasie hat Willibald ganz konkrete auch zeitlich durchstrukturierte Pläne. Er will erst Räuber jagen, dann eine Stunde später Riesen fangen und wieder nach einer Stunde einen Drachen schleudern.

Als er eines Morgens beim Frühstück, zu dem er natürlich viel zu spät kommt, einen Zettel seiner schon verschwundenen Brüder findet, auf dem sie mitteilen, sie seien zum Mittagessen zurück, müssten nur vorher noch schnell Prinzessin Fritza vor dem Drachen retten, da denkt sich Willibald: „Eine Prinzessin retten, das könnte mir auch gefallen.“

Doch bis er soweit ist, alles Nötige gepackt und sich auf den Weg gemacht hat, ist alles schon vorbei. Der Drache hat die Brüder besiegt und von der Prinzessin keine Spur. Doch dann kommt Willibalds Auftritt, sachte und bedacht. Und nachdem der vom Kampf erschöpfte Drache ins Gras gesunken ist, taucht auch die Prinzessin auf.

Natürlich verlieben sie sich ineinander, doch sie nehmen sich dafür genauso viel Zeit, wie für die Rückkehr. „Und wie sie gebummelt haben.“

Fazit: Für jeden Topf gibt es einen passenden Deckel. Und: manchmal erreicht man mehr, wenn man nicht der erste ist, sondern sich Zeit und alle ruhig auf sich zukommen lässt. Wunderbar!

 

 

Der größte Schatz der Welt

 

 

 

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Andrea Schütze, Der größte Schatz der Welt, Ravensburger Verlag 2016, ISBN 978-3-473-44674-2

 

Der Affe Momo sitzt bei seiner Mutter unter dem Baum im Urwald. Er langweilt sich. Nach verschiedenen vergeblichen Vorschlägen, sagt seine geduldige Mama: „Sing mir doch was Tolles, mein Schatz!“

Doch der kleine Momo hat verstanden: „Bring mir einen Goldschatz!“

Und so macht sich der kleine Affe auf die Suche quer durch den Urwald. Mit ihm begegnen die Kinder, denen das Buch vorgelesen wird (es ist durchaus auch als Gute-Nacht-Geschichte geeignet) vielen unterschiedlichen Tieren, die Momo befragt und die jeder eine anderen Vorstellung davon haben, was ein Schatz ist oder sein könnte.

Abends kommt Momo sehr enttäuscht mit leeren Händen nach Hause. Doch seine Mutter hält ihm den Spiegel vor das Gesicht und sagt freudestrahlend: „Aber ich hab doch schon einen Schatz!“

Humorvolle Szenen und die unterschiedliche Sprachweisen der verschiedenen Tiere, die Momo auf seiner Suche trifft, machen beim Vorlesen viel Spaß und sorgen für Heiterkeit.

Die Botschaft selbst kann indes nicht oft genug von Eltern an ihre Kinder vermittelt werden: Du bist der größte Schatz der Welt.

 

 

Eltern richtig erziehen

 

 

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Katharina Grossmann-Hensel, Eltern erziehen, Annette Betz Verlag 2016, ISBN 978-3-219-11670-0

 

Dieses originelle Bilderbuch von Katharina Grossmann-Hensel ist ein wahrer Spaß für kleine und auch schon etwas größere Kinder und für ihre Eltern eher ein Spiegel, in dem sie ihre eigene Erziehungsmethoden und pädagogischen Lehrsätze hoffentlich mit Humor auf den Prüfstand legen können.

In diesem Buch wird der Spieß umgedreht und auf eine witzige Weise gezeigt, wie das Kind ab dem Babyalter die Eltern erzieht. Die können sich auf den Seiten dieses herrlich schrägen Bilderbuches immer wieder selbst erkennen und ihre vergangenen oder aktuellen Machtkämpfe und Erziehungsbemühungen reflektieren.

Die Kinder ab dem Vorschulalter etwa werden ihren Spaß haben, und vielleicht bewirkt die gemeinsame Lektüre und das Gespräch darüber eine etwas entspanntere Haltung von Eltern, die angesichts eine überflutenden Erziehungsliteratur auf das Wichtigste nicht mehr vertrauen: ihre eigene Erfahrung und ihre natürliche Erziehungskompetenz und auf die Kompetenz, Lernfähigkeit und Selbststeuerung ihrer Kinder.

 

Otto findet was

 

 

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Fred Paronuzzi, Andree Prigent, Otto findet was, NordSüd 2016, ISBN 978-3-314-10333-9

 

Kinder lieben Bilderbücher wie dieses schöne Exemplar, das 2014 schon in Frankreich erschienen ist. Da wird erzählt von einem ungewöhnlichen Fund, der langen, liebevollen Suche nach einer Lösung des Rätsels und dann von einem überraschenden und lustigen Ende.

Ein sympathischer kleiner Mistkäfer namens Otto findet eines Tages, als er gerade eine prachtvolle Mistkugel vor sich her schiebt, etwas, das gerade mit einem „Bumm!“ neben ihm gelandet ist und wie ein Ei aussieht. Es hat seltsame Dellen und ist rund.

Otto ist mutig und hat auch ein großes Herz. Denn er will, dass die Eltern von diesem Ei es wieder bekommen, damit sie es ausbrüten und Leben schenken können. Und er macht sich auf die Suche. Die Eier des Straußes, den er zuerst trifft, sind viel größer. Selbst der Kuckuck, der ja nun wahrlich viele unterschiedliche Eier kennt, kann damit nichts anfangen. Auch der Frosch und die Schlangen am Fluss können ihm nicht weiterhelfen. Da erinnert sich eine Schlange, einmal ein solches Ei verschluckt zu haben. Es sei von der Wiese dort drüben gekommen.

Und als Otto, mutig wie er ist, sich an den Rand dieser Wiese begibt, sieht er haufenweise Eier wie das seine. Und er sieht Menschen, mit langen Stöcken bewaffnet, die auf diese Eier einschlagen, bis sie am Schluss in irgendwelche Köcher fallen. „Was für ein fürchterlicher Anblick!“

Otto macht sich aus dem Staub. „Und im Grunde seines Käferherzens ist er glücklich. Denn jetzt kann er das Ei behalten, das er eigentlich schon lange, lange nicht mehr hergeben wollte!“

Bei der Unmenge an Golfplätzen im Land werden die Kinder, denen dieses Buch vorgelesen wird, nicht lange brauchen, das angeblich Ei zu identifizieren.

Eine schöne, ausgefallene Bilderbuchidee mit beeindruckenden Illustrationen.