{"id":1120,"date":"2016-01-26T10:23:39","date_gmt":"2016-01-26T08:23:39","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=1120"},"modified":"2016-01-26T10:23:39","modified_gmt":"2016-01-26T08:23:39","slug":"zwei-herren-am-strand","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=1120","title":{"rendered":"Zwei Herren am Strand"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/42639678z.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-1121\" src=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/42639678z-188x300.jpg\" alt=\"42639678z\" width=\"188\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/42639678z-188x300.jpg 188w, https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/42639678z.jpg 298w\" sizes=\"auto, (max-width: 188px) 100vw, 188px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Michael K\u00f6hlmeier, Zwei Herren am Strand, DTV 2016, ISBN 978-3-423-14468-1<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&#8222;Mein Vater war als Kind Chaplin und Churchill begegnet, beiden in unserer kleinen Stadt, beiden zur gleichen Zeit; sie waren auf ihn aufmerksam geworden, hatten sich mit ihm abgegeben und hatten ihn gelobt.\u201c<\/p>\n<p>Sein ganzes Leben lang wird der Vater von Michael K\u00f6hlmeier sein Interesse und seine Begeisterung f\u00fcr Winston Churchill nicht verlieren. Er wird Englisch lernen um Churchills Biografie des 1. Duke of Marlborough zu lesen, f\u00fcr die dieser den Nobelpries f\u00fcr Literatur erhielt.<br \/>\nUnd irgendwann wird er, fr\u00fch verwitwet, eine eigene Biographie \u00fcber Winston Churchill zu schreiben beginnen. Als K\u00f6hlmeiers Vater 1974 an einem Symposion zum 100 Geburtstag Churchill teilnimmt, lernt er William Knott kennen \u2013 \u201eThe very private Private Secretary to a very prime Prime Minister\u201c- und beginnt in der Folge mit Knott eine zehn Jahre anhaltende Brieffreundschaft, die bis zum Tod Knotts hielt und insgesamt \u00fcber 1000 Seiten umfasst.<\/p>\n<p>Selbst lange Jahre als Clown neben seinem fr\u00fcheren Hauptberuf als Lehrer in einem Gymnasium insbesondere an Wochenenden t\u00e4tig, entwickelte Michael K\u00f6hlmeier ein intensives Interesse an der Person und der Arbeit Charlie Chaplins und durch die Arbeit seines Vaters auch an dessen ungew\u00f6hnlicher Freundschaft zu Winston Churchill.<br \/>\nIch nehme an, dass der nun vorliegende Roman \u00fcber diese Freundschaft zweier ber\u00fchmter M\u00e4nner im Kopf von K\u00f6hlmeier schon in dem Augenblick Gestalt annahm, als er die gesammelte Dokumente der Brieffreundschaft seines Vaters mit William Knott gelesen hatte, nachdem sie ihm nach dessen Tod in die H\u00e4nde gefallen waren<\/p>\n<p>Nun, 2014, hat er die Idee umgesetzt und einen faszinierenden Roman geschrieben. Zwei ber\u00fchmte M\u00e4nner, wie sie unterschiedlicher kaum sein k\u00f6nnten, freunden sich an und versprechen sich bei einem langen Spaziergang am Strand, immer f\u00fcr einander da zu sein, wenn der schwarze Hund nach ihnen schnappt. Den schwarzen Hund kannten sie beide. Immer wieder hatte sowohl Chaplin als auch Churchill mit Phasen schlimmer Melancholie und Depression zu k\u00e4mpfen.<\/p>\n<p>Michael K\u00f6hlmeier beschreibt in seinem Roman nicht nur die Phasen dieser Freundschaft bis zu ihrem H\u00f6hepunkt, als Chaplin in London an seinem Film \u201eDer gro\u00dfe Diktator\u201c zu verzweifeln droht, Churchills mutiger Kampf gegen Hitler durch eine schwere Depression bedroht ist, und sie beide sich zum wiederholten Mal gegenseitig vom schwarzen Hund retten.<\/p>\n<p>Nein, er schildert auch das Leben und das Schaffen beider M\u00e4nner von den zwanziger Jahren bis zum H\u00f6hepunkt des Zweiten Weltkriegs. Mit einer wunderbaren und mit viel Phantasie ausgestatteten Sprache spannt K\u00f6hlmeier einen Bogen \u00fcber das 20. Jahrhundert. In der Geschichte des ungleichen Paares Chaplin und Churchill und ihrer immer wieder bedrohten Freundschaft entwickelt er die Geschichte des 20.Jahrhunderts zwischen Kunst und Politik, zwischen genialer Komik und schrecklichem Ernst.<\/p>\n<p>Es ist ein Roman, den man nicht mehr aus der Hand legen m\u00f6chte, ein Roman, der handelt von zwei M\u00e4nnern, deren Gr\u00f6\u00dfe und Tatkraft, deren Mut und Durchhalteverm\u00f6gen, deren Kreativit\u00e4t und Hybris (ja, die kommt auch nicht zu kurz) man erst sp\u00e4t zu w\u00fcrdigen wusste. Er ist eine gelungene Mischung zwischen einer Doppelbiografie, einer Filmgeschichte und einer literarischen Dokumentation einer der zentralen Phasen des 20.Jahrhunderts. Zwei M\u00e4nner, der K\u00fcnstler und der Politiker, k\u00e4mpfen mit ihren je eigenen Mitteln ihren Kampf gegen den inneren schwarzen Hund und gegen den \u00e4u\u00dferen Feind Hitler.<\/p>\n<p>Das Buch hat zu Recht die Nominierung f\u00fcr den Deutschen Buchpreis 2014 verdient.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; &nbsp; &nbsp; Michael K\u00f6hlmeier, Zwei Herren am Strand, DTV 2016, ISBN 978-3-423-14468-1 &nbsp; &#8222;Mein Vater war als Kind Chaplin und Churchill begegnet, beiden in unserer kleinen Stadt, beiden zur gleichen Zeit; sie waren auf ihn aufmerksam geworden, hatten sich mit ihm abgegeben und hatten ihn gelobt.\u201c Sein ganzes Leben lang wird der Vater von &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=1120\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Zwei Herren am Strand<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":6,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-1120","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1120","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/6"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1120"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1120\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1122,"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1120\/revisions\/1122"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1120"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1120"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1120"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}