{"id":1228,"date":"2016-02-05T12:49:37","date_gmt":"2016-02-05T10:49:37","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=1228"},"modified":"2016-02-05T12:49:37","modified_gmt":"2016-02-05T10:49:37","slug":"exodus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=1228","title":{"rendered":"Exodus"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/44125008z.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-1229\" src=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/44125008z-187x300.jpg\" alt=\"44125008z\" width=\"187\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/44125008z-187x300.jpg 187w, https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/44125008z.jpg 263w\" sizes=\"auto, (max-width: 187px) 100vw, 187px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Paul Collier, Exodus. Warum wir die Einwanderung neu regeln m\u00fcssen, Pantheon 2016 ISBN 978-3-570-55287-2<\/p>\n<p>Kurz nach Erscheinen der Hardcoverausgabe dieses Buches schrieb ich Ende September 2014 in einer Rezension:<\/p>\n<p>\u201eIn diesen Wochen und Monaten beginnen die Kommunen und Landkreise unseres Landes laut und \u00f6ffentlich zu st\u00f6hnen \u00fcber die gro\u00dfen Belastungen, die eine immer gr\u00f6\u00dfer werdende Zahl an Fl\u00fcchtlingen mit sich bringt, denen sie sich nicht gewachsen zeigen. Tats\u00e4chlich sind sie allein mit der guten Betreuung dieser traumatisierten Menschen \u00fcberlastet.<\/p>\n<p>Gleichzeitig aber, und das ist wohl der gro\u00dfe Unterschied zu der letzten gro\u00dfen Fl\u00fcchtlingswelle vor allem aus dem Balkan in den neunziger Jahren: es gibt in der Bev\u00f6lkerung eine gro\u00dfe und nachhaltige Hilfsbereitschaft, die man damals schmerzlich vermisste.<\/p>\n<p>Bislang sind fremdenfeindliche Stimmen erfreulich selten. Die Menschen sehen ein, dass es den Fl\u00fcchtlingen und Emigranten bis auf wenige Ausnahme um ihren Leib und ihr Leben geht und nicht um das \u201eErschleichen\u201c von bundesdeutschen Sozialleistungen.<\/p>\n<p>Dennoch: die Einwanderung von Fl\u00fcchtlingen aus instabilen L\u00e4ndern in die L\u00e4nder der EU, aber auch andere, wird noch weiter zunehmen. Das ist ein unumkehrbarer Prozess, auf den man sich einstellen und auf den man klug reagieren muss.\u201c<\/p>\n<p>Wie haben sich die Zeiten\u00a0 seither ver\u00e4ndert! Wie m\u00e4chtig ist das Problem geworden und wie gro\u00df die \u00c4ngste und Bef\u00fcrchtungen in der Bev\u00f6lkerung. Die Politik in Deutschland und erst recht in Europa bekommt das Probleme einfach nicht den Griff. Immer mehr Abschottungsma\u00dfnahem auch von Gesellschaften, die im vergangenen Jahr sich noch sehr offen zeigten f\u00fcr die Aufnahme von Migranten, greifen Platz und die Aggression steigt. Gerade deshalb ist der Ansatz von Paul Collier so wichtig.<\/p>\n<p>Paul Collier, der mit seinen B\u00fcchern \u00fcber die \u201eunterste\u00a0 Milliarde\u201c und den \u201ehungrigen Planeten\u201c gezeigt hat, wie man globale Probleme scharfsichtig analysieren kann ohne den n\u00f6tigen begr\u00fcndeten Optimismus f\u00fcr ihre gerechte L\u00f6sung zu verlieren, beschreibt in seinem neuen Buch \u201eExodus\u201c, \u201ewarum wir Einwanderung neu regeln m\u00fcssen\u201c. Es geht ihm dabei zum einen um die Aufnahmegesellschaften, die von einer reinen Abwehrhaltung zu einer Begr\u00fc\u00dfungskultur kommen m\u00fcssen, aber auch um die Zur\u00fcckgebliebenen in den Heimatl\u00e4ndern der Fl\u00fcchtlinge, die nicht abgeh\u00e4ngt werden d\u00fcrfen vom allgemeinen Wohlstand.<\/p>\n<p>Unaufgeregt und sachlich diskutiert Collier die n\u00f6tigen Ma\u00dfnahmen und hat am Ende einen wohltuenden, optimistischen, hoffnungsvollen und weiten Blick in die Zukunft. Seine konkrete Utopie hat mich derma\u00dfen angesprochen, dass ich sie hier l\u00e4nger zitiere:<br \/>\n\u201eInternationale Massenmigration ist eine Folge extremer globaler Ungleichheit. Wie nie zuvor sind sich junge Menschen in den \u00e4rmsten L\u00e4ndern bewusst, welche Chancen sich ihnen anderswo bieten. Die Ungleichheit ist in den letzten zwei Jahrhunderten entstanden und wird im kommenden Jahrhundert beseitigt werden (!). Heute schlie\u00dfen die meisten Entwicklungsl\u00e4nder rasch zu den einkommensstarken L\u00e4ndern auf. Diese Ann\u00e4herung ist die gro\u00dfe Geschichte unserer Zeit. Massenmigration ist daher kein dauerhaftes Merkmal der Globalisierung. Ganz im Gegenteil ist sie eine vor\u00fcbergehenden Reaktion auf eine h\u00e4ssliche Phase, in welcher der Wohlstand noch nicht globalisiert ist.\u201c<\/p>\n<p>Auch in den L\u00e4ndern, aus den die Emigranten kommen wird sich viel \u00e4ndern: \u201eDie Loyalit\u00e4t verlagert sich immer mehr von Clans zu Nationen.\u201c<br \/>\n\u201eIm Zuge der schrittweisen Umgestaltung ihrer Sozialmodelle werden sich die Identit\u00e4ten von der Zersplitterung der Clan-Zugeh\u00f6rigkeit zum vereinigenden Nationalgef\u00fchl ausweiten, und indem diese L\u00e4nder die gutartigen Seiten des Nationalismus nutzen, werden sie in zunehmendem Ma\u00dfe den alten einkommensstarken L\u00e4ndern vorn der Migration gleichen.\u201c<\/p>\n<p>Vielleicht es dieser langfristige und weite Blick, der die zun\u00e4chst gefeierte, mittlerweile aber immer st\u00e4rker in die Kritik im In- und Ausland geratene Haltung von Angela Merkel zu dieser Frage leitet.<\/p>\n<p>Der sehr skeptisch gewordene Rezensent fragt sich allerdings, ob den europ\u00e4ischen Staaten angesichts der innenpolitischen und gro\u00dfen gesellschaftlichen Widerst\u00e4nde die Zeit bleibt, auf eine solche Entwicklung zu setzen.<\/p>\n<p>Wie auch immer: jeder, der sich mit dieser Frage ernsthaft und nicht populistisch besch\u00e4ftigt, sollte dieses Buch lesen und seinen Ansatz pr\u00fcfen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; &nbsp; &nbsp; Paul Collier, Exodus. 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