{"id":1290,"date":"2016-02-11T12:00:27","date_gmt":"2016-02-11T10:00:27","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=1290"},"modified":"2016-02-11T12:00:27","modified_gmt":"2016-02-11T10:00:27","slug":"das-maedchen-mit-dem-fingerhut-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=1290","title":{"rendered":"Das M\u00e4dchen mit dem Fingerhut"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/44123899z.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-1291\" src=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/44123899z-300x270.jpg\" alt=\"44123899z\" width=\"300\" height=\"270\" srcset=\"https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/44123899z-300x270.jpg 300w, https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/44123899z.jpg 340w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Michael K\u00f6hlmeier,\u00a0 Das M\u00e4dchen mit dem Fingerhut,\u00a0 Der H\u00f6rverlag 2016, ISBN\u00a0 978-3-8445-2107-8<\/p>\n<p>Die Orte und St\u00e4dte, in denen der neue schmale\u00a0 Roman\u00a0 von Michael\u00a0 K\u00f6hlmeier\u00a0 spielt, k\u00f6nnen in jedem Land Westeuropas liegen. Ein Europa, das in diesen Tagen zu zerbrechen droht an einer Herausforderung, die sich die meisten Regierungen weigern, gemeinsam zu meistern und zu l\u00f6sen. Ob dies \u00fcberhaupt m\u00f6glich ist, ohne wesentliche Werte aufzugeben und f\u00fcr unantastbar gehaltene Rechte auszusetzen, das werden die n\u00e4chsten Wochen und Monate zeigen.<\/p>\n<p>Michael K\u00f6hlmeier Roman handelt von Kindern. Drei von Hunderttausenden,\u00a0 die sich mit Eltern oder alleine auf den Weg in eine vermeintlich bessere\u00a0 Zukunft gemacht\u00a0 haben und versuchen, in einem fremden Land ohne\u00a0 Sprachkenntnisse\u00a0 zu \u00fcberleben.<\/p>\n<p>Das sechsj\u00e4hrige M\u00e4dchen,\u00a0 dessen Geschichte\u00a0 Michael K\u00f6hlmeier sensibel und mit einer schlichten, poetischen Sprache verfolgt,\u00a0 ist mit einem &#8222;Onkel&#8220;, der nicht n\u00e4her beschrieben wird,\u00a0 ins Land\u00a0 gekommen. Der setzt sie auf dem Marktplatz einer\u00a0 gr\u00f6\u00dferen Stadt\u00a0 vor dem Laden von Bogdan ab,\u00a0 einem freundlichen H\u00e4ndler, der dem stummen M\u00e4dchen zu essen gibt. Sein Freund, der Fischh\u00e4ndler, unterst\u00fctzt ihn dabei, r\u00e4t jedoch, die Polizei zu rufen, um sich nicht in Schwierigkeiten zu bringen. Als das M\u00e4dchen das Wort &#8222;Polizei&#8220; h\u00f6rt , beginnt es zu schreien wie am Spie\u00df.<\/p>\n<p>Abends holt sie der Onkel an einer verabredeten Stelle wieder ab und setzt sie am n\u00e4chsten Tag wieder bei Bogdan ab. Als nach einigen Tagen\u00a0 der Onkel\u00a0 nicht da ist, irrt das M\u00e4dchen durch die Stadt und wird irgendwann von einer freundlichen Polizeibeamtin in ein Heim gebracht. Dort trifft sie auf einen \u00e4lteren Jungen namens Schamhan und den kleinen\u00a0 Arian. Schamhan kennt sowohl die Sprache des M\u00e4dchens als auch die des kleinen Jungen.<\/p>\n<p>Sie fliehen aus dem Heim und versuchen sich durchzuschlagen. Schamhan redet von einem Haus, das er finden will, wo sie \u00fcber den Winter\u00a0 bleiben k\u00f6nnen,\u00a0 weil seine\u00a0 Bewohner im S\u00fcden in der Sonne sind.<\/p>\n<p>Niemand wei\u00df,\u00a0 wo die Kinder herkommen. Das M\u00e4dchen wird Yiza\u00a0 genannt, weil es auf eine entsprechende nicht verstandene Frage dieses Wort gesagt hat.\u00a0 Irgendwann ist auch der gro\u00dfe<br \/>\nJunge\u00a0 verschwunden, und auch Arian kommt nicht wieder, als eine alte Frau das M\u00e4dchen bei sich aufnimmt, offenbar ohne die Beh\u00f6rden zu informieren.\u00a0 Doch Arian findet sie Monate sp\u00e4ter, schl\u00e4gt die alte Frau brutal nieder, und sie fliehen erneut.<br \/>\n&#8222;Arian ist\u00a0 der Kapit\u00e4n.\u00a0 Er geleitet\u00a0 das Schiff zu den Freunden und in den Sommer. Die Freunde, das sind\u00a0 eine Horde\u00a0 von Zerlumpten, die bereits zu alt sind f\u00fcr Mitleid und R\u00fchrung. &#8220;<\/p>\n<p>Mit diesen Worten l\u00e4sst Michael K\u00f6hlmeier seinen nachdenklichen Roman enden. Einen Roman, der erz\u00e4hlt\u00a0 von Menschen ohne Herkunft. Ein Roman, der sich Sentimentalit\u00e4ten verweigert und dennoch mit kr\u00e4ftigen Worten und lebendigen Bildern erz\u00e4hlt\u00a0 von der kindlichen Kraft\u00a0 des \u00dcberlebens.<\/p>\n<p>Ein Buch ohne gutes Ende, obwohl sich im seinem Verlauf an mehreren\u00a0 Stellen ein solches anbot. Aber die Wirklichkeit\u00a0 sieht oft anders aus. Dunkler,\u00a0 trauriger, ohne wirkliche Hoffnung. Der Autor selbst hat dieses H\u00f6rbuch eingelesen und seine intensive Stimme verst\u00e4rkt den dunklen, hoffnungslosen und dennoch empathischen Ton dieses Buches. Ein Buch \u00fcber Kinder, von denen wir diese Tage h\u00f6ren, dass \u00fcber 10 000 von ihnen mittlerweile verschwunden sind. Namenlos werden sie versuchen sich durchzuschlagen, potentielle Opfer f\u00fcr vielfache Ausbeutung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; &nbsp; &nbsp; Michael K\u00f6hlmeier,\u00a0 Das M\u00e4dchen mit dem Fingerhut,\u00a0 Der H\u00f6rverlag 2016, ISBN\u00a0 978-3-8445-2107-8 Die Orte und St\u00e4dte, in denen der neue schmale\u00a0 Roman\u00a0 von Michael\u00a0 K\u00f6hlmeier\u00a0 spielt, k\u00f6nnen in jedem Land Westeuropas liegen. 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