{"id":1298,"date":"2016-02-15T11:04:50","date_gmt":"2016-02-15T09:04:50","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=1298"},"modified":"2016-02-15T11:04:50","modified_gmt":"2016-02-15T09:04:50","slug":"und-du-bist-nicht-zurueckgekommen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=1298","title":{"rendered":"Und du bist nicht zur\u00fcckgekommen"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/42766709z.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-1299\" src=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/42766709z-180x300.jpg\" alt=\"42766709z\" width=\"180\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/42766709z-180x300.jpg 180w, https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/42766709z.jpg 285w\" sizes=\"auto, (max-width: 180px) 100vw, 180px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Marceline Loridan-Ivens, Und du bist nicht zur\u00fcckgekommen, Insel 2015, ISBN 978-3-458-17660-2<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>F\u00fcnfzehn Jahre alt ist Marceline Rozenberg, als sie 1944 zusammenmit ihrem Vater von den Nazis festgenommen wird und deportiert wird. Sie kommt nach Birkenau und \u00fcberlebt dort wie durch ein Wunder, der Vater kommt in Auschwitz ums Leben. Kurz vor seinem Tod gelingt es dem Vater auf einem kleinen Zettel eine Botschaft an seine Tochter aus dem Lager zu schmuggeln. Doch Marceline kann sich nur noch an die Anrede (\u201eMein liebes kleines M\u00e4dchen\u201c) und an die Unterschrift des Vaters. Den Rest hat sie vergessen, worunter sie ein Leben lang leidet.<\/p>\n<p>Siebzig Jahre nach ihrer Befreiung aus Auschwitz schreibt sie mit Hilfe von Judith Perrignon ihrem Vater einen langen Brief. Der Brief ist eine Liebeserkl\u00e4rung an den Vater und gleichzeitig ein letzter Versuch, die furchtbaren Geschehnisse aus der Vergangenheit zu verarbeiten. Grauenvolle und unmenschliche Ereignisse, die das normale Vorstellungsverm\u00f6gen \u00fcbersteigen, und die Marceline f\u00fcr ihr ganzes Leben pr\u00e4gen sollten.<\/p>\n<p>Doch sie erz\u00e4hlt auch von dem Leben danach, als niemand h\u00f6ren wollte von \u201edort\u201c und als sie unter einem stummen Vorwurf gelitten hat: warum bist du zur\u00fcckgekommen und nicht der Vater, den die Familie n\u00f6tiger gebraucht h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Das kleine Buch ist ein bewegendes Zeugnis einer \u00dcberlebenden, die wie vieler andere, die ein \u00e4hnliche Schicksal hatten, ihr ganzes Leben lang damit hadern, \u00fcberlebt zu haben und das Lager nie ehr aus ihrer Seele bekommen:<\/p>\n<p>&#8222;Die W\u00f6rter hatten uns verlassen. Wir hatten Hunger. Das Massaker war in vollem Gange. Ich hatte sogar Mamas Gesicht vergessen. Und da war deine Botschaft vielleicht pl\u00f6tzlich zu viel W\u00e4rme, zu viel Liebe, ich habe sie nach dem Lesen sofort geschluckt, wie eine Maschine, die Hunger und Durst hat. Und dann habe ich sie ausgel\u00f6scht. Zu viel daran denken hie\u00df, den Mangel zuzulassen, es macht verwundbar, es weckt die Erinnerungen, es schw\u00e4cht und es t\u00f6tet. Im Leben, dem richtigen, vergisst man auch, man geht dar\u00fcber hinweg, man verl\u00e4sst sich auf die Gef\u00fchle. Dort ist es das Gegenteil, zuerst verliert man die Bezugspunkte der Liebe und der Sensibilit\u00e4t. Man erfriert von innen her, um nicht zu sterben.&#8220;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; &nbsp; Marceline Loridan-Ivens, Und du bist nicht zur\u00fcckgekommen, Insel 2015, ISBN 978-3-458-17660-2 &nbsp; F\u00fcnfzehn Jahre alt ist Marceline Rozenberg, als sie 1944 zusammenmit ihrem Vater von den Nazis festgenommen wird und deportiert wird. Sie kommt nach Birkenau und \u00fcberlebt dort wie durch ein Wunder, der Vater kommt in Auschwitz ums Leben. 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