{"id":1322,"date":"2016-02-17T12:01:43","date_gmt":"2016-02-17T10:01:43","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=1322"},"modified":"2016-02-17T12:01:43","modified_gmt":"2016-02-17T10:01:43","slug":"who-the-fuck-is-kafka","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=1322","title":{"rendered":"Who the Fuck Is Kafka"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/43901860z.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-1323\" src=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/43901860z-188x300.jpg\" alt=\"43901860z\" width=\"188\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/43901860z-188x300.jpg 188w, https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/43901860z.jpg 298w\" sizes=\"auto, (max-width: 188px) 100vw, 188px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Lizzie Doron, Who the Fuck Is Kafka, DTV 2016, ISBN 978-3-423-14484-1<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die 1953 als Tochter einer Holocaust\u00fcberlebenden in Tel Aviv geborene israelische Schriftstellerin Lizzie Doron ist in Deutschland durch ihre ausnahmslos autobiographisch gepr\u00e4gten B\u00fccher bekannt geworden, in denen sie das Lebensgef\u00fchl und die Probleme der sogenannten \u201ezweiten Generation\u201c thematisierte. Nicht nur in ihrem letzten Buch \u201eDas Schweigen meiner Mutter\u201c versuchte sie sehr eindrucksvoll das Schweigen zu brechen. Es gibt niemand sonst, der in der Lage ist, die widerstrebenden Gef\u00fchle der Nachkommen der \u00dcberlebenden tiefer und schmerzhafter auszuloten. Man sp\u00fcrt den jeweils sehr sensiblen und gelungenen \u00dcbersetzungen Mirjam Presslers ab, welche unsagbare Anstrengung das Schreiben dieser B\u00fccher f\u00fcr Lizzie Doron bedeutet.<\/p>\n<p>Mirjam Pressler hat auch das neue Buch von Lizzie Doron \u00fcbersetzt und zus\u00e4tzlich die schwierige Lektorenaufgabe \u00fcbernommen, denn das Buch sollte zuerst im Ausland erscheinen. Das musste Lizzie Doron dem pal\u00e4stinensischen Israeli Nadim versprechen. Zwar schreibt sie zu Beginn des Buches: \u201eNadim ist ein fiktiver Held Er steht f\u00fcr viele einer pal\u00e4stinensischen Freunde, die ihre Geschichten mit mir teilen und auf diese Weise halfen, eine Figur wie ihn zu erschaffen, ein Buch wie dieses zu schreiben.\u201c Doch man hat das Gef\u00fchl, dass er sehr real ist.<\/p>\n<p>Auf einer Friedenskonferenz in Rom lernt die Schriftstellerin Anfang 2009 jenen Nadim kennen, w\u00e4hrend unter dem Namen \u201eOperation gegossenes Blei\u201c in Israel und Gaza Krieg herrscht. Die beiden freunden sich an, und besonders durch die uns\u00e4gliche Geduld von Lizzie Doron bleibt diese ungew\u00f6hnliche Freundschaft \u00fcber viele Jahre bestehen und besteht viele Krisen. Er plant schon bald, einen Film \u00fcber sie zu drehen, von dem sich sp\u00e4ter herausstellen wird, dass es ihm nur um die Darstellung seines eigenen Schicksals und das seines Volkes geht. Sie m\u00f6chte in einem Buch sein Leben erz\u00e4hlen, noch besser verstehen, was das Leben eines Pal\u00e4stinensers mit israelischem Pass ausmacht. Nat\u00fcrlich hofft sie dabei auch immer, Nadim ihre eigene Geschichte zu erz\u00e4hlen, doch sie st\u00f6\u00dft dabei immer auf Widerst\u00e4nde und Desinteresse. So ist sie zum Beispiel ersch\u00fcttert, dass Nadim nicht wei\u00df, wer Dr. Mengele war und muss lernen, dass Nadim schon bei der Erw\u00e4hnung der Wortes \u201eHolocaust\u201c dicht macht. Dennoch gibt sie nicht auf. Ihr Beispiel, so hofft nicht nur sie, sondern auch die Aktivistin Maria, die die Konferenz in Rom organisiert hat und ihre Projekte begeistert unterst\u00fctzt (wobei f\u00fcr sie T\u00e4ter und Opfer klar definiert sind in diesem schon ewig anmutenden Konflikt), k\u00f6nnte ein Beispiel daf\u00fcr sein, wie Frieden m\u00f6glich w\u00e4re.<\/p>\n<p>Lizzie Doron ist zutiefst davon \u00fcberzeugt, dass die beiden verfeindeten V\u00f6lker, wollen sie eine Chance haben zu \u00fcberleben, das Unverst\u00e4ndnis f\u00fcreinander \u00fcberwinden m\u00fcssen. Gleichzeitig ist sie sich mit David Grossmann und vielen anderen einig, dass ohne die israelische Armee das Land schon l\u00e4ngst nicht mehr existieren w\u00fcrde, und die Juden, wie es Nasser zuerst formulierte, von den Arabern ins Meer getrieben worden w\u00e4ren.<\/p>\n<p>Das Buch und seine Autorin sind voller Widerspr\u00fcche. Da ist zu einem die Hoffnung, und zum anderen die tief sitzenden Vorurteile und \u00c4ngste. Und man sp\u00fcrt eine in den letzten Jahren st\u00e4rker gewordene Ratlosigkeit, von der Sandra Kegel gestern in der FAZ aus Jerusalem berichtete, wo sie viele der bekannten Schriftsteller auf einer Buchmesse traf, die sich seit Jahrzehnten f\u00fcr eine Vers\u00f6hnung und f\u00fcr den Friedensprozess einsetzen.<br \/>\nEiner von ihnen, Amos Oz, l\u00e4sst in seinem gerade erschienenen neuen Roman \u201eJudas\u201c einen alten weisen Juden sagen: \u201eDie Wahrheit ist, dass alle Macht der Welt den Feind nicht in einen Freund verwandeln kann. Man kann den Feind zum Sklaven machen, aber nicht zu einem Liebenden. Mit aller Macht der Welt kann man einen Fanatiker nicht zu einem aufgekl\u00e4rten Menschen machen. Und mit aller Macht der Welt kann man aus einem Rachedurstigen keinen Freund machen. Und genau da liegen die existentiellen Probleme des Staates Israel: einen Feind zum Liebenden zu machen, einen Fanatiker zu einem Gem\u00e4\u00dfigten, einen Rachs\u00fcchtigen zu einem Freund.\u201c<\/p>\n<p>Auch Lizzie Doron macht in ihrem Buch immer wieder deutlich, dass die milit\u00e4rische Macht und ihr Einsatz notwendig sind, um den schnellen Tod Israels und seiner j\u00fcdischen Bev\u00f6lkerung zu verhindern.<\/p>\n<p>Es ist eine verzweifelte Zwickm\u00fchle, die da mit gro\u00dfer literarischer Kunst beschrieben wird. Die zunehmende Radikalisierung und Fundamentalisierung der j\u00fcdischen Ultraorthodoxen wird nicht verschwiegen und stellt in der Zukunft sicher eine \u00e4hnlich schwere Bedrohung f\u00fcr den inneren Zusammenhalt Israels dar, wie der Hass der unterdr\u00fcckten Pal\u00e4stinenser und der Hamas.<\/p>\n<p>Beim Lesen dieses Buches sp\u00fcrt der Leser geradezu k\u00f6rperlich die Qual, die Intellektuelle wie Doron, Oz oder Grossmann nicht erst seit gestern aushalten. Ich kann es allen Menschen sehr empfehlen, die sich, aus welchen Gr\u00fcnden auch immer, weigern, die Hoffnung f\u00fcr dieses Land und seine Menschen aufzugeben, und denen die einseitige Parteinahme f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser von vielen Medien, den Linken und auch der SPD gegen den Strich geht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; &nbsp; &nbsp; Lizzie Doron, Who the Fuck Is Kafka, DTV 2016, ISBN 978-3-423-14484-1 &nbsp; Die 1953 als Tochter einer Holocaust\u00fcberlebenden in Tel Aviv geborene israelische Schriftstellerin Lizzie Doron ist in Deutschland durch ihre ausnahmslos autobiographisch gepr\u00e4gten B\u00fccher bekannt geworden, in denen sie das Lebensgef\u00fchl und die Probleme der sogenannten \u201ezweiten Generation\u201c thematisierte. 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