{"id":1389,"date":"2016-03-01T11:27:47","date_gmt":"2016-03-01T09:27:47","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=1389"},"modified":"2016-03-01T11:27:47","modified_gmt":"2016-03-01T09:27:47","slug":"ohne-haar-und-ohne-namen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=1389","title":{"rendered":"Ohne Haar und ohne Namen"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/42974512z.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-1390\" src=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/42974512z-212x300.jpg\" alt=\"42974512z\" width=\"212\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/42974512z-212x300.jpg 212w, https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/42974512z.jpg 298w\" sizes=\"auto, (max-width: 212px) 100vw, 212px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sarah Helm, Ohne Haar und ohne Namen. Im Frauen-Konzentrationslager Ravensbr\u00fcck, Theiss 2016, ISBN 978-3-8062-3216-5<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Viele Jahre hat die Londoner Journalistin f\u00fcr dieses nach seinem Erscheinen in England hochgelobte Buch recherchiert. Herausgekommen ist eine \u00fcber 800 Seiten starke Geschichte des einzigen Konzentrationslagers der Nazis f\u00fcr Frauen in Ravensbr\u00fcck. Mehr als 130 000 Frauen waren dort in Haft und wurden teilweise bestialisch gequ\u00e4lt. Zehntausende von ihnen fanden dort den Tod. Zwangsarbeit, Pr\u00fcgelstrafen, die Heinrich Himmler selbst eingef\u00fchrt hatte und bei seinen zahlreichen Besuchen auch pers\u00f6nlich \u00fcberwachte, Folter und Experimente an Leib und Seele waren dort an der Tagesordnung.<\/p>\n<p>&#8222;Es gab spezielle Methoden der Disziplinierung und Bestrafung. Ravensbr\u00fcck war das Zentrum der Verbrechen gegen Frauen&#8220;, schreibt Sarah Helm in ihrem Buch. Mit ihrer bewegenden und trotz allem Leid auch hoffnungsvollen Sprache gibt sie den Frauen von Ravensbr\u00fcck eine Stimme. Kommunistinnen waren darunter und sogenannte Asoziale, Prostituierte, Zeuginnen Jehovas und J\u00fcdinnen, Sinti und Roma. All diejenigen Menschen f\u00fcr die im &#8222;deutschen Volksk\u00f6rper&#8220; kein Platz sein sollte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&#8222;Wenn man der Geschichte von Ravensbr\u00fcck folgt&#8220;, so Helm, &#8222;sieht man, wie das Ausma\u00df der\u00a0Gr\u00e4ueltaten zunimmt und wohin diese Brutalit\u00e4t f\u00fchrt. Man bekommt einen Eindruck, wie Menschen sich unter solchen Bedingungen verhalten und auch ver\u00e4ndern &#8211; in alle Richtungen.&#8220;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nach jahrelangen Recherchen und zahllosen Gespr\u00e4chen mit \u00dcberlebenden, die dem Buch seine Authentizit\u00e4t verleihen und es trotz allem Leid, das darin geschildert wird, auch zu einem Buch der Hoffnung und Menschlichkeit machen, fast Sarah Helm zusammen:<\/p>\n<p>&#8222;Viele dieser Frauen hatten nie \u00fcber ihr Schicksal gesprochen &#8211; und als ich dann bei ihnen sa\u00df, um mir ihre Geschichte erz\u00e4hlen zu lassen, setzten sich oft ihre Kinder und Enkelkinder dazu und h\u00f6rten staunend zu. Sie hatten keine Ahnung, was ihre Gro\u00dfm\u00fctter erlebt hatten. Diese Frauen hatten immer weitergek\u00e4mpft &#8211; erst an der Front und dann im Lager. Dort k\u00e4mpften sie darum, sich ihre Menschlichkeit zu erhalten.&#8220;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und Zeichen und Taten der Menschlichkeit und Solidarit\u00e4t gab es viele unter den Frauen. Unter Lebensgefahr nach drau\u00dfen geschmuggelte Aufzeichnung von gequ\u00e4lten Frauen schildern nicht nur unglaubliche Menschenversuche, sondern atmen einen unbedingten Glauben an die Kraft der Gerechtigkeit, die sie hofften dereinst zu erfahren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Titel des Buches ist dem Buch von Primo Levi \u201eIst das ein Mensch?\u201c entnommen, wo er schreibt:<\/p>\n<p>\u201eDenket, ob dies eine Frau sei,<\/p>\n<p>Die kein Haar mehr hat und keinen Namen,<\/p>\n<p>Die zum Erinnern keine Kraft mehr hat,<\/p>\n<p>Leer die Augen und kalt der Scho\u00df<\/p>\n<p>Wie im Winter die Kr\u00f6te.<\/p>\n<p>Denket, dass solches gewesen.<\/p>\n<p>Es sollen sein diese Worte in eurem Herzen.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; Sarah Helm, Ohne Haar und ohne Namen. 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