{"id":1419,"date":"2016-03-02T10:15:45","date_gmt":"2016-03-02T08:15:45","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=1419"},"modified":"2016-03-02T10:15:45","modified_gmt":"2016-03-02T08:15:45","slug":"im-land-der-verzweiflung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=1419","title":{"rendered":"Im Land der Verzweiflung"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/44191992z.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-1420\" src=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/44191992z-186x300.jpg\" alt=\"44191992z\" width=\"186\" height=\"300\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nir Baram, Im Land der Verzweiflung. Ein Israeli reist in die besetzten Gebiete, Hanser 2016, ISBN 978-3-446-25046-8<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der mittlerweile 40 Jahre alte israelische Schriftsteller und Intellektuelle Nir Baram hat sich in den letzten Jahren nicht nur zu einem der sch\u00e4rfsten Kritiker der israelischen Besatzung des Westjordanlandes entwickelt, sondern z\u00e4hlt mittlerweile auch international zu den Schriftstellern, die in einem Atemzug mit Amos Oz oder David Grossmann genannt werden.<\/p>\n<p>Doch \u00e4hnlich hart wie mit der israelischen Regierungspolitik geht er um mit der israelischen Linken und der liberalen Boheme in Tel Aviv. Sie, so sagt er, halten an \u00fcberkommenen Friedenspl\u00e4nen fest, die vielleicht in den neunziger Jahren des 20. Jahrhunderts so etwas wie Hoffnung versprachen, mittlerweile aber v\u00f6llig obsolet geworden sind.<\/p>\n<p>Dies zeigen sehr \u00fcberzeugend seine Reportagen, die er bei Besuchen 2014 und 2015 in den besetzten Gebieten Westjordanlands geschrieben hat und die hier in einem Band gesammelt sind. Er kommt zu dem Schluss, &#8222;dass die \u00fcberwiegende Mehrheit aller Israelis keine Ahnung hat, wie das Leben auf der Westbank aussieht. Die meisten sind noch niemals dort gewesen. Man k\u00f6nnte meinen, wir reden \u00fcber einen theoretischen, nebul\u00f6sen Ort, der in unserer politischen Vorstellung nur vage existiert, so, wie wir \u00fcber die B\u00fcrgerkriegsschaupl\u00e4tze in Syrien oder Kongo reden.&#8220;<\/p>\n<p>Auch direkt in Ost-Jerusalem, nur wenige hundert Meter entfernt von den Orten, an denen die Touristen sich gegenseitig auf die F\u00fc\u00dfe treten, hinter einer 12 Meter hohen Mauer, sieht er sich in Ras Khamis mit einer Welt konfrontiert, die man in Israel nicht vermutet h\u00e4tte:<\/p>\n<p>&#8222;Ich habe bei meinen Recherchen Orte in Jerusalem gesehen, die waren schrecklicher als jeder andere Ort, den ich jemals in meinem Leben gesehen habe. Schlimmer als in jedem Drittweltland, das ich besucht habe. Vor allem in jenen Teilen Ost-Jerusalems, die hinter der Sperrmauer liegen. Niemand im restlichen Israel glaubt, dass Menschen dort unter solch grauenvollen Bedingungen leben m\u00fcssen.&#8220;<\/p>\n<p>In den D\u00f6rfern der Pal\u00e4stinenser begegnet er sowohl Menschen, die eine Vers\u00f6hnung f\u00fcr illusion\u00e4r halten, als auch welchen, die genau daf\u00fcr arbeiten. Er erz\u00e4hlt davon, wie eng auf diesem Gebiet schon lange zusammengewachsen ist, was doch nach der Ideologie beider Seiten nie zusammengeh\u00f6ren sollte. Ohne die wirtschaftlichen Verbindungen der Pal\u00e4stinensergebiete zu Israel w\u00fcrden diese binnen weniger Wochen kollabieren. Genauso verh\u00e4lt es sich mit den j\u00fcdischen Siedlungen:<\/p>\n<p>&#8222;Sie sind \u00fcberall, nicht nur in den gro\u00dfen Siedlungsbl\u00f6cken, sie sind einfach \u00fcberall, egal, \u00fcber welche Stra\u00dfe man durch das Westjordanland f\u00e4hrt, \u00fcberall sieht man die Siedlungen. Wir sind also nicht mehr in den 1990er-Jahren, wir haben es 2016 mit einer neuen Realit\u00e4t zu tun, in der sich hunderte und aberhunderte Siedlungen \u00fcberall im Westjordanland finden. Und in denen leben hunderttausende Siedler. Juden und Pal\u00e4stinenser leben dort also miteinander total vermischt. Und ich kenne einfach keine politisch umsetzbare Idee, wie man diese Siedler aus dem Westjordanland wieder herausbekommen k\u00f6nnte.&#8220;<\/p>\n<p>Zwei V\u00f6lker, eine Heimat. Das ist eine Initiative in Israel, bei der Nir Baram mitarbeitet, und die auf kleine Modellprojekte f\u00fcr das gleichberechtigte Miteinander von Juden und Pal\u00e4stinensern baut und sie f\u00f6rdert und unterst\u00fctzt. Eine hoffnungsvolle Alternative zu jener anderen Dystopie eines Apartheidmodells, von dem manche Hardliner tr\u00e4umen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; Nir Baram, Im Land der Verzweiflung. 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