{"id":1423,"date":"2016-03-02T11:17:44","date_gmt":"2016-03-02T09:17:44","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=1423"},"modified":"2016-03-02T11:17:44","modified_gmt":"2016-03-02T09:17:44","slug":"never-say-anything","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=1423","title":{"rendered":"Never say anything"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/44066720z.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-1424\" src=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/44066720z-182x300.jpg\" alt=\"44066720z\" width=\"182\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/44066720z-182x300.jpg 182w, https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/44066720z.jpg 256w\" sizes=\"auto, (max-width: 182px) 100vw, 182px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Michael L\u00fcders, Never say anything, C.H.Beck 2016, ISBN 978-3-406-68892-8<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Michael L\u00fcders ist den Zuschauern vor allem des ZDF seit vielen Jahren als immer wiederkehrender Kommentator und Analyst zum Thema Terrorismus bekannt. Seine sachlichen Stellungnahmen und seine politische Unabh\u00e4ngigkeit habe ich seitdem immer gesch\u00e4tzt.<\/p>\n<p>Was er dort im \u00f6ffentlich-rechtlichen Fernsehen offenbar weniger einbringen kann, n\u00e4mlich eine kritische Analyse des unkontrollierten Treibens westlicher Geheimdienste und vor allem der versteckten Drohnenkriege, die seit Obamas Amtsantritt noch zugenommen haben, das hat er nun in einer zwar fiktiven, dennoch aber sehr realistischen Handlung in einen Thriller gepackt, der sich spannend liest und einem \u00fcber die Hintergr\u00fcnde so mancher politischen Strategie die Augen \u00f6ffnet.<\/p>\n<p>Protagonistin des Romans ist die deutsche Journalistin Sophie Schelling, die f\u00fcr ein linksliberales Berliner Blatt arbeitet. F\u00fcr einen neuen Bericht hat sie recherchiert, dass es irgendwo im Hinterland von Marokko einen Mann und K\u00fcnstler gibt, der an einer Himmelstreppe baut, einer freistehenden Treppe, die weit nach oben f\u00fchrt.<\/p>\n<p>In Marokko trifft sie auf Hassan, der dort f\u00fcr ein anderes, kritisches Magazin arbeitet und sichert sich seine Unterst\u00fctzung. Gemeinsam machen sie sich auf den Weg nach dem Ort Gourrama. Warnungen, dort g\u00e4be es die Gefahr von Anschl\u00e4gen von Al-Khaida, schlagen sie nach kurzem Z\u00f6gern in den Wind.<\/p>\n<p>Die beiden n\u00e4hern sich zaghaft aneinander an, doch bevor ihre Freundschaft enger werden kann, werden sie Opfer eines furchtbaren Angriffs auf den Ort. Er wurde, nicht wie sp\u00e4ter behauptet, von Al-Khaida K\u00e4mpfern durchgef\u00fchrt, sondern von amerikanischen Drohnen und Blackwater &#8211; S\u00f6ldnern im Auftrag der USA. Hassan wird zerfetzt, doch Sophie \u00fcberlebt wie durch ein Wunder. Von Dorfbewohnern gesund gepflegt, kehrt sie nach Berlin zur\u00fcck und will dort ihren Chefredakteur \u00fcberzeugen, \u00fcber all das, was sie dort gesehen und auch mit Fotos dokumentiert hat, in mehreren Artikeln zu berichten. Man glaubt ihr nicht, hat wahrscheinlich auch Angst vor den politischen Folgen f\u00fcr die Zeitung, und so entscheidet sich Sophie mutig, ihre Recherchen wie ein whistleblower ins Internet zu stellen. Mit sehr gef\u00e4hrlichen Folgen\u2026.<\/p>\n<p>Einen anderen whistleblower auf der anderen Seite des Atlantiks, Marc Lindsay, dessen Geschichte Michael L\u00fcders parallel zu Sophies Geschichte erz\u00e4hlt und sie erst im Verlauf des Buches mit Sophies Geschichte zusammenbringt, kostet sein Engagement schon bald das Leben.<\/p>\n<p>Auch Sophie ger\u00e4t bald unter Druck. Amerikanische Geheimdienste sperren ihr Konto, manipulieren ihren Wagen, bedrohen ihr Leben. Auf der einen Seite will sie die Wahrheit um jeden Preis ans Licht bringen, auf der anderen sehnt sich nach ihrem fr\u00fcheren Leben zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Michael L\u00fcders wei\u00df, wovon er schreibt, er hat es in zahllosen Sachb\u00fcchern kompetent nachgewiesen. Hier aber er l\u00e4sst seinen Leser im Unklaren, wieviel von dem, was er in seinem Thriller verarbeitet hat, auf tats\u00e4chlichen Gegebenheiten beruht und wo die literarische Fiktion beginnt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Doch dem Leser beginnt, w\u00e4hrend er voller Spannung die Seiten dieses Buches regelrecht verschlingt, zu d\u00e4mmern, dass es hinter den offiziellen Verlautbarungen und Nachrichten eine Welt gibt, die nach eigenen Interessen handelt. F\u00fcr die der Kampf gegen den Terror nur die Maske ist, hinter der sich andere Interessen verstecken, und die auch vor massiven Opferzahlen bei der Zivilbev\u00f6lkerung bei ihren Aktionen nicht zur\u00fcckschrecken.<\/p>\n<p>Jeremy Scahill hat schon 2008 in seinem immer noch lesenswerten Buch \u201eBlackwater\u201c den Aufstieg der m\u00e4chtigsten Privatarmee der Welt beschrieben. In einer Rezension nannte ich es \u201eein lesenswertes, gut recherchiertes Buch \u00fcber die Zukunft des Krieges, die l\u00e4ngst schon in vielen Teilen der Welt begonnen hat.\u201c<\/p>\n<p>Mittlerweile ist es Alltag geworden und die \u00d6ffentlichkeit wird dar\u00fcber weiter in medialer Unkenntnis gehalten.<\/p>\n<p>Michael L\u00fcders Roman jedenfalls ist neben einer klassischen und guten Thrillerlekt\u00fcre auch ein eminent politisches Buch.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; Michael L\u00fcders, Never say anything, C.H.Beck 2016, ISBN 978-3-406-68892-8 &nbsp; Michael L\u00fcders ist den Zuschauern vor allem des ZDF seit vielen Jahren als immer wiederkehrender Kommentator und Analyst zum Thema Terrorismus bekannt. Seine sachlichen Stellungnahmen und seine politische Unabh\u00e4ngigkeit habe ich seitdem immer gesch\u00e4tzt. 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