{"id":1472,"date":"2016-03-10T10:40:30","date_gmt":"2016-03-10T08:40:30","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=1472"},"modified":"2016-03-10T10:40:30","modified_gmt":"2016-03-10T08:40:30","slug":"memory-wall","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=1472","title":{"rendered":"Memory Wall"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/44066719z.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-1473\" src=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/44066719z-180x300.jpg\" alt=\"44066719z\" width=\"180\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/44066719z-180x300.jpg 180w, https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/44066719z.jpg 253w\" sizes=\"auto, (max-width: 180px) 100vw, 180px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Antony Doerr, Memory Wall, C.H. Beck 2016, ISBN 978-3-406-68961-1<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sein mit dem Pulitzerpreis ausgezeichneter Roman \u201eAlles Licht; was wir nicht sehen\u201c war, ebenfalls bei C. H. Beck in M\u00fcnchen ver\u00f6ffentlicht, auch in Deutschland ein gro\u00dfer Erfolg.<\/p>\n<p>In einer sch\u00f6nen, stellenweise poetischen Sprache verkn\u00fcpfte er damals zwei Erz\u00e4hlstr\u00e4nge mit zwei Hauptpersonen und beschrieb sie auf eine Weise, die dem Leser ans Herz ging. \u201eAlles Licht, das wir nicht sehen\u201c war gro\u00dfe Literatur, die gleichzeitig zu unterhalten wusste und etwas erz\u00e4hlte von jungen Menschen, die sich trotz des Elends des Krieges ihre Hoffnung auf Licht, auf Zukunft und auf Liebe nicht zerst\u00f6ren lassen wollen.<\/p>\n<p>Verst\u00e4ndlich, dass ein Verlag auf dieser Welle dann etwas \u00c4lteres vom Autor nachschiebt, bevor der neue Roman fertig ist. \u201eMemory Wall\u201c ist eine Erz\u00e4hlung, die einem gleichnamigen Erz\u00e4hlungsband mit mehreren Prosast\u00fccken entnommen ist, die in den USA im Jahr 2010 schon erschienen ist. Aber weil sich Erz\u00e4hlungsb\u00e4nde hierzulande gar nicht gut verkaufen, (in den U SA sch\u00e4tzt man dieses Genre viel mehr)hat man die Titelstory ausgew\u00e4hlt, ihr die Bezeichnung \u201eNovelle\u201c verliehen und sie in einer Hardcoverausgabe dem Publikum pr\u00e4sentiert.<\/p>\n<p>In dieser Erz\u00e4hlung geht es um unsere Erinnerungen und ihre Bedeutungen f\u00fcr unser Leben. Denn was wir sind, wird nicht unwesentlich auch von dem beeinflusst, was wir erlebt haben und wie wir uns daran erinnern. Unsere Erfahrungen helfen uns, uns in der immer komplexeren Welt zurechtzufinden und die entsprechenden Entscheidungen zu treffen. Wenn nun, wie einer dementiellen Erkrankung diese Erinnerungen an pers\u00f6nliche Erfahrungen oder wie wir bestimmte Probleme des Alltags bew\u00e4ltigt haben, verdampfen, dann l\u00f6st das Angst aus.<\/p>\n<p>Die 74 &#8211; j\u00e4hrige Alma Konachek leidet an Demenz. Sie lebt in Kapstadt und wird von Pheko, der mit seinem Sohn in einer Armensiedlung lebt, seit vielen Jahren gepflegt. Seit vielen Jahren auch ist sie in Behandlung in einer Klinik, die ein Verfahren entwickelt hat, die Erinnerungen konservieren kann.<\/p>\n<p>Durch eine Operation werden ihr dort vier Ports in den Sch\u00e4del implantiert, die mithilfe eines Stimulators und zahlloser Kassetten mit Einzelerinnerungen das Vergessen verlangsamen sollen. Bezeichnenderweise tr\u00e4gt der verantwortliche Arzt den Namen Dr. Amnesty. Erinnerungen zu verlieren, kann vereinzelt auch eine Begnadigung sein. Sie selbst sagt: <em>\u201eEs gab Zeiten, in denen ich gl\u00fccklich war, und andere, in denen ich es nicht war. Wie alle Menschen. Zu sagen, jemand sei ein gl\u00fccklicher Mensch oder ein ungl\u00fccklicher Mensch, ist l\u00e4cherlich. Wir sind in jeder Stunde tausend verschiedene Menschen.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Almas verstorbener Ehemann Harold hat im Alter eine Leidenschaft f\u00fcr Fossilien entwickelt, die Alma suspekt war. Bei einer seiner Touren erleidet Harold in Begleitung seiner Frau einen Herzinfarkt und stirbt. Nur noch Pheko k\u00fcmmert sich nun um die alte Frau, die auf einer \u201eMemory Wall\u201c in ihrem Zimmer mit immer weniger Erfolg versucht, \u00fcber ihre Erinnerungen und ihr Leben den \u00dcberblick zu behalten.<\/p>\n<p>Auf eine dieser Erinnerungen haben es Roger und sein junger Helfer Luvo abgesehen. Es geht n\u00e4mlich die Kunde, dass Harold auf seiner letzten Erkundungstour ein \u00fcberaus seltenes Fossil entdeckt haben soll, und vor Schreck \u00fcber diesen Fund an Ort und Stelle gestorben ist.<\/p>\n<p>Viele N\u00e4chte hintereinander brechen Roger und Luvo bei Alma ein und Luvo, dem Roger auch die entsprechenden Ports hat ins Gehirn pflanzen lassen (sein sicheres Todesurteil) versucht, lange ergebnislos, die Kassette zu finden, die diesne Fund dokumentiert.<\/p>\n<p>Die Zeit wird knapp f\u00fcr die beiden, denn Alma soll in Heim und das Haus soll verkauft werden. Wenige Tage davor erschie\u00dft Alma Roger und Luvo findet die entscheidende Kassette. Er macht sich auf den Weg, findet tats\u00e4chlich das Fossil und kr\u00f6nt sein kurzes Leben mit einer sehr menschlichen Tat\u2026<\/p>\n<p>Eine sch\u00f6ne, sprachlich gelungene Erz\u00e4hlung, die den Leser mit den Gedanken zur\u00fcckl\u00e4sst, ob die Vorstellung, unsere Erinnerungen k\u00f6nnten tats\u00e4chlich auf Kassetten gespeichert werden, um sie bei Bedarf (nicht nur im Falle der Demenz) abrufen zu k\u00f6nnen, wirklich so prickelnd ist. Ich finde sie erschreckend. Es w\u00fcrde uns Menschen verf\u00fchren, immer wieder aus der Gegenwart zu fliehen, statt sich ihr zu stellen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; Antony Doerr, Memory Wall, C.H. Beck 2016, ISBN 978-3-406-68961-1 &nbsp; Sein mit dem Pulitzerpreis ausgezeichneter Roman \u201eAlles Licht; was wir nicht sehen\u201c war, ebenfalls bei C. H. 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