{"id":1532,"date":"2016-03-21T11:11:11","date_gmt":"2016-03-21T09:11:11","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=1532"},"modified":"2016-03-21T11:11:11","modified_gmt":"2016-03-21T09:11:11","slug":"i-saw-a-man-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=1532","title":{"rendered":"I saw a man"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/44125187z.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-1533\" src=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/44125187z-284x300.jpg\" alt=\"44125187z\" width=\"284\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/44125187z-284x300.jpg 284w, https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/44125187z.jpg 340w\" sizes=\"auto, (max-width: 284px) 100vw, 284px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Owen Sheers, I saw a man, Der H\u00f6rverlag 2016, ISBN 978-3-8445-2120-7<\/p>\n<p>Er stammt aus Wales, wo er auch einen Teil der Handlung seines hier anzuzeigenden Romans spielen l\u00e4sst, ist 41 Jahre alt und hat in vielen gro\u00dfen Zeitungen und Zeitschriften seines Heimatlandes in der Vergangenheit Reportagen ver\u00f6ffentlicht. Schon Owen Sheers erster Roman (\u201eResistance\u201c)\u00a0 wurde in 10 Sprachen \u00fcbersetzt (die deutsche Version wird sicher von DVA nach dem Erfolg des zweiten bald in Angriff genommen werden) und sein neuer Roman \u201eI saw a man\u201c schickt sich an, noch erfolgreicher zu werden.<\/p>\n<p>Owen Sheers Roman ist ein Thriller, der es an Spannung mit den ganz gro\u00dfen des Genres aufnehmen kann. Kaum hat man das Buch aufgeschlagen, ist man vom ersten Satz an in den Bann gezogen:<br \/>\n\u201eDer Vorfall, der ihrer aller Leben ver\u00e4nderte, ereignete sich an einem Samstagnachmittag im Juni, kurz nachdem Michael Turner &#8211; in der Annahme, es sei niemand da &#8211; das Haus der Nelsons durch die Hintert\u00fcr betreten hatte. London \u00e4chzte unter einer Hitzewelle. \u00dcberall im South Hill Drive standen die Fenster offen, und das Blech der Autos war so hei\u00df, dass die Schwei\u00dfn\u00e4hte in der Sonne knackten.\u201c<\/p>\n<p>Doch Michael Turner ist kein Dieb und Einbrecher, sondern er will als guter Nachbar und Freund von Josh und Samantha Nelson sich nur einen ausgeliehenen Schraubenzieher zur\u00fcckholen. Scheinbar ist niemand zu Hause, obwohl die Hintert\u00fcr offen ist. Und so macht er sich auf die Suche.<\/p>\n<p>Owen Sheers schafft es bis weit \u00fcber die H\u00e4lfte des Buches, den Leser\u00a0 \u00fcber diesen \u201eVorfall, der ihrer aller Leben ver\u00e4nderte\u201c im Unklaren zu lassen, \u00fcber das, was in diesen kurzen Augenblicken, als Michael Turner in dem Haus unterwegs ist und die Treppen hochsteigt, geschieht. Das steigert die Spannung ins fast Unertr\u00e4gliche und motiviert den Leser, ohne Pause weiterzulesen: in vielen R\u00fcckblenden erz\u00e4hlt Owen Sheers die Lebensgeschichte von Michael und seiner Frau Caroline, und wie Michael die Nelsons kennengelernt und mit ihnen Freundschaft geschlossen hat.<\/p>\n<p>Michael Turner ist Journalist, dessen Spezialit\u00e4t es ist, dass er f\u00fcr seine durchaus erfolgreichen Reportagen sozusagen eintaucht in das soziale Feld, das er dann beschreibt. So entstand auch sein erstes Buch \u201eBrotherHoods\u201c \u00fcber zwei Br\u00fcder in New York City, das zu einem Weltbestseller mutiert. Seine Frau Caroline war \u00fcber viele Jahre als \u201eembedded journalist\u201c f\u00fcr verschiedene Fernsehsender in allen Krisenherden der Welt unterwegs, suchte regelrecht die Gefahr. Sie ist, als sie mit Michael nach Wales in ein kleines Cottage zieht, mit ihrer Arbeit f\u00fcr eine kleine Produktionsfirma nicht zufrieden, und so ist es fast zwangsl\u00e4ufig, dass sie sofort zusagt, als in ihrer Firma ein Auftrag f\u00fcr Dreharbeiten in Pakistan zu vergeben ist.\u00a0 Dort wird Caroline von einer US-Drohne get\u00f6tet.<\/p>\n<p>Sehr bald schon f\u00fchrt Owen Sheers mit Major Daniel McCullen jenen Mann ein, der von einer geheimen Einsatzzentrale in den USA den Einsatz jener Drohne steuerte, die Caroline und ihr Team t\u00f6tete und dessen Leben damit ins Wanken ger\u00e4t. In diesen Teilen des Buches erf\u00e4hrt der Leser viel Kritisches \u00fcber die Drohnen-Politik der USA.<\/p>\n<p>Immer wieder wechselt der Blinkwinkel zwischen der Szene im Haus der Nelsons, dem Leben Daniel McCullens und der Vergangenheit Michaels hin und her. Vor allen Dingen f\u00fchrt Owen Sheers, die Spannung immer weiter steigernd, den Leser erz\u00e4hlend an die Jetztzeit heran. Denn Michael hat nach Carolines Tod Wales verlassen und in London in Hampstead Heath die Wohnung eines Freundes gemietet. In seinen Nachbarn Josh und Samantha Nelson findet er eine Art Familie. Dauernd laden die beiden ihn ein zum Essen und er wird auch f\u00fcr die beiden T\u00f6chter zu so etwas wie einem v\u00e4terlichen Freund. Mit der Zeit sp\u00fcrt Michael, dass es in der Ehe der Nelsons nicht stimmt, ohne dass er dem weiter nachgeht.<\/p>\n<p>Josh arbeitet sehr erfolgreich bei der Lehman Brothers Bank, und, da die Gegenwartshandlung im Jahr 2008 spielt, ahnt der Leser bei der ersten Erw\u00e4hnung von Joshs Beruf, was bald kommen wird. F\u00fcr seine Frau Samantha, als studierte Fotografin wegen der beiden T\u00f6chter eine eher frustrierte Hausfrauenexistenz mit vielen Cocktailparties f\u00fchrend und den nicht nur dort viel Alkohol konsumierenden Josh kommt Michael als nachbarlicher Freund gerade recht. Wenn er da ist, sind sie von ihren Problemen abgelenkt und ihre beiden T\u00f6chter freuen sich.<\/p>\n<p>Irgendwann am Ende der ersten H\u00e4lfte des Buches sind die Vorgeschichten erz\u00e4hlt und der das Leben der Protagonisten ver\u00e4ndernde Vorfall geschehen. Nun kommt Owen Sheers, die Spannung nur unwesentlich reduzierend zum\u00a0 eigentlichen Thema des Buches \u00fcber die Folgen eines einzigen schicksalhaften Moments. F\u00fcr die drei M\u00e4nner, Josh, Michael und auch Daniel, von denen jeder einzelne in einem solchen Moment schuldig geworden ist, geht es nun darum, mit dieser Schuld umzugehen. Schuld, die sich in allen drei F\u00e4llen mischt mit gro\u00dfem Verlust und sie unabh\u00e4ngig voneinander, aber auch in zartem Kontakt miteinander zwingt, sich ihrer Schuld zu stellen.<\/p>\n<p>Mit einem sehr \u00fcberraschenden Ende bindet Owen Sheers seine Kompositionsf\u00e4den zusammen und hinterl\u00e4sst beim Leser den Eindruck, gerade ein gro\u00dfes St\u00fcck Literatur gelesen zu haben.<\/p>\n<p>Man darf auf die Verfilmung dieses Stoffes gespannt sein. Die Filmrechte sind jedenfalls schon verlauft. Der hier vorliegenden gek\u00fcrzten Lesung von Devid Striesow jedenfalls gelingt es hervorragend etwas von jenem Drama zu vermitteln,\u00a0 das zeigt, was mit einer Freundschaft passiert, wenn Geheimnisse und L\u00fcgen ihre heimt\u00fcckische Natur entfalten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; &nbsp; &nbsp; Owen Sheers, I saw a man, Der H\u00f6rverlag 2016, ISBN 978-3-8445-2120-7 Er stammt aus Wales, wo er auch einen Teil der Handlung seines hier anzuzeigenden Romans spielen l\u00e4sst, ist 41 Jahre alt und hat in vielen gro\u00dfen Zeitungen und Zeitschriften seines Heimatlandes in der Vergangenheit Reportagen ver\u00f6ffentlicht. Schon Owen Sheers erster Roman &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=1532\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">I saw a man<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":6,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[361],"class_list":["post-1532","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-hoerbuch"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1532","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/6"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1532"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1532\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1534,"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1532\/revisions\/1534"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1532"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1532"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1532"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}