{"id":164,"date":"2015-05-29T19:38:55","date_gmt":"2015-05-29T17:38:55","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=164"},"modified":"2015-05-29T19:39:37","modified_gmt":"2015-05-29T17:39:37","slug":"164","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=164","title":{"rendered":"Das Sch\u00f6nste, was ich sah"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/26343495n.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-165\" src=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/26343495n.jpg\" alt=\"26343495n\" width=\"162\" height=\"250\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Asta Scheib, Das Sch\u00f6nste, was ich sah, Hoffmann und Campe 2009, 413 Seiten, ISBN 978-3-455-40196-7<\/p>\n<p>Das vorliegende\u00a0 Buch der Schriftstellerin Asta Scheib zeigt die Autorin mit der Vorliebe f\u00fcr historische Sujets wieder einmal von ihrer allerbesten Seite. So wie schon bei ihren fr\u00fcheren historischen Romanen hat sie sehr sorgf\u00e4ltig recherchiert.<\/p>\n<p>\u201eEs geht um einen Maler\u201c, sagt sie selbst \u00fcber ihr Buch, \u201eeinen Maler, der im vorigen Jahrhundert gelebt hat und der ein sehr interessantes, starkes Leben hatte. Das ist Giovanni Segantini. Er wurde in Arco geboren, damals \u00d6sterreich, und kam dann nach Mailand, auf die Hochschule. Dort hat er wirklich Malerei studiert. Als er 40 war, wurde er weltber\u00fchmt, und dann starb er. Also, eine ganz tragische Geschichte.\u201c<\/p>\n<p>Mit vielen Nachkommen dieses au\u00dfergew\u00f6hnlichen Landschaftsmalers, der schon zu Lebzeiten die europ\u00e4ische Kunstszene begeisterte, hat Asta Scheib lange und pers\u00f6nliche Gespr\u00e4che gef\u00fchrt und ist so zu ganz intimem Material gelangt, dessen Reichtum der endg\u00fcltigen Romanfassung eine Sprache, einen Stil und Inhalt gibt, dass man als Leser denkt, die Autorin sei sozusagen als unsichtbare Chronistin immer schon in Giovanni Segantinis Leben gewesen.<\/p>\n<p>Dieses Leben beginnt eher trostlos. Der sp\u00e4tere Maler wird in arme und k\u00e4rgliche Verh\u00e4ltnisse hinein geboren. Die Kindheit, die ihm bei seiner Geburt bevorsteht, ist ein einziger Weg des Leidens und erlittener, zum Teil uns\u00e4glicher Qualen. Seine Mutter ist seit seiner Geburt schwer krank und sie stirbt, als Giovanni noch ganz klein ist. Sein Vater ist dem Alkohol verfallen, kann sich um seinen Sohn nicht k\u00fcmmern und gibt ihn zu Verwandten, die aber auch keine positiven Gef\u00fchle f\u00fcr ihn \u00fcbrig haben. Im Gegenteil, Giovanni kommt nach seiner Flucht von seiner Halbschwester Irene in eine Besserungsanstalt f\u00fcr Jugendliche, und dort erlebt er eine H\u00f6lle von k\u00f6rperlicher und seelischer Gewalt. Sein au\u00dfergew\u00f6hnliches Talent im Malen und Zeichnen wird dort allerdings auch bemerkt und in Ma\u00dfen unterst\u00fctzt.<\/p>\n<p>Irgendwann kann er diese Zuchtanstalt jedoch verlassen und wird an der Kunstakademie in Mailand zum Studium angenommen. Seine Arbeitsproben sprechen f\u00fcr sich.<\/p>\n<p>In diese Zeit f\u00e4llt das Kennenlernen von Luigia Bugatti, eine junge sechzehnj\u00e4hrige Frau aus wohlhabendem Haus an der Schwelle zum Erwachsenwerden. Giovanni malt sie, wieder und immer wieder. Er verliebt sich in sie, wirbt um sie und l\u00e4sst sich eines Tages von der jungen Frau, die ihrerseits sich den Maler verliebt hat, verf\u00fchren.<\/p>\n<p>Gegen alle Erwartungen und damaligen gesellschaftlichen Gepflogenheiten stimmen Luigias Eltern zu, dass ihre Tochter der Lebensgef\u00e4hrte des armen und mittelosen K\u00fcnstlers wird. Doch Bice, wie er sie sein Leben lang z\u00e4rtlich und liebevoll nennen wird, wird ihn nie heiraten k\u00f6nnen. Giovanni hat den Wehrdienst verweigert, ist vor der Kaserne geflohen und hat seine Staatszugeh\u00f6rigkeit dar\u00fcber eingeb\u00fc\u00dft. Staatenlos und ohne Pass wird er lange Jahre \u00fcberall, wo er sich mit seiner Familie niederlassen wird, nur geduldet sein, immer mit der Angst vor Ausweisung und Verhaftung lebend.<\/p>\n<p>Doch Luigia Bugatti liebt ihn \u00fcber alles, bekommt vier Kinder von ihm und ist ihm eine liebevolle und treu sorgende Ehefrau bis zu seinem Tod.<\/p>\n<p>Das Leben der beiden ist nicht leicht; es ist gepr\u00e4gt von st\u00e4ndigen Geldsorgen und h\u00e4ufigen Wohnungs- und Ortswechseln.<\/p>\n<p>Resultieren die Geldn\u00f6te im Anfang noch aus der Tatsache, dass kaum jemand Segantinis Bilder haben will und sein Freund und Agent in Mailand ihn immer wieder \u00fcbervorteilt, so haben sie auf dem H\u00f6hepunkt seines Ruhmes, als seine Bilder ihm zu wahnsinnigen Preisen regelrecht aus der Hand gerissen werden, ihre Ursache in seiner Unf\u00e4higkeit mit Geld umzugehen. Hat er welches, macht er insbesondere Bice wertvolle Geschenke, die sich auch dar\u00fcber freut, dennoch der n\u00e4chsten Durststrecke bang entgegensieht.<\/p>\n<p>\u00dcberhaupt ist es faszinierend zu lesen, wie diese Frau ihrem geliebten Mann durch dick und d\u00fcnn beisteht, seine Schw\u00e4chen akzeptiert und ihm damit den Boden bereitet f\u00fcr seine erfolgreiche Kunst. Ohne sie w\u00e4re der Maler Segantini undenkbar, das hat Asta Scheib in ihrem wunderbaren Roman, der die Familie auf ihrem unruhigen und sorgenvollen, immer wieder aber auch \u00fcbergl\u00fccklichen Weg durch das Leben begleitet, in sehr sympathischer Weise gezeigt.<\/p>\n<p>Doch es ist nicht nur ein Familienroman, eine Liebesgeschichte und die Schilderung eines K\u00fcnstlerschicksals, sondern der Roman ist auch kunstgeschichtlich beeindruckend. Asta Scheib hat sich in Segantinis Bilder vertieft, ist in ihnen aufgegangen. Zusammen mit dem offiziellen und inoffiziellen Quellen, die sie bei ihren Recherchen angezapft hat, ist es ihr so gelungen, nicht nur eine K\u00fcnstlerexistenz darzustellen, sondern sie hat einen bewegenden Roman einer Beziehung geschrieben zwischen einem Mann und einer Frau, wie sie so vielleicht heute nicht mehr m\u00f6glich w\u00e4re.<\/p>\n<p>Dabei achtet Asta Scheib auf jedes erdenkliche Detail, nicht nur in den leuchtenden Landschaftsbeschreibungen der Schweiz, sondern auch in der Schilderung der Umst\u00e4nde dieses Lebens und Paares und der damaligen Zeit ist sie regelrecht versessen auf das Detail. Was sie fasziniert hat:<\/p>\n<p>\u201eMeine Romanfiguren haben alle gemeinsam, dass sie in ein Schicksal hineingeboren worden sind, was ihnen nicht gem\u00e4\u00df ist. Und ich beschreibe dann, wie sie mit aller Kraft versuchen, sich ihre Stelle, die richtige Stelle zu erarbeiten. Und das tut auch dieser Maler.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDas Sch\u00f6nste, was ich sah\u201c ist ein faszinierender Roman in einer dichten, dem Sujet angemessen Sprache, der den Leser in seinen Bann zieht, dass er regelrecht mitfiebert mit dem Schicksal dieser besonderen und au\u00dfergew\u00f6hnlichen Liebe zwischen Giovanni Segantini und Luigia Bugatti.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; Asta Scheib, Das Sch\u00f6nste, was ich sah, Hoffmann und Campe 2009, 413 Seiten, ISBN 978-3-455-40196-7 Das vorliegende\u00a0 Buch der Schriftstellerin Asta Scheib zeigt die Autorin mit der Vorliebe f\u00fcr historische Sujets wieder einmal von ihrer allerbesten Seite. 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