{"id":1680,"date":"2016-04-07T11:04:58","date_gmt":"2016-04-07T09:04:58","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=1680"},"modified":"2016-04-07T11:04:58","modified_gmt":"2016-04-07T09:04:58","slug":"die-sieben-guten-jahre","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=1680","title":{"rendered":"Die sieben guten Jahre"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/43997684z.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-1681\" src=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/43997684z-183x300.jpg\" alt=\"43997684z\" width=\"183\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/43997684z-183x300.jpg 183w, https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/43997684z.jpg 257w\" sizes=\"auto, (max-width: 183px) 100vw, 183px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Etgar Keret, Die sieben guten Jahre. Mein Leben als Vater und Sohn, S. Fischer 2016, ISBN 978-3-10-049520-4<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Er z\u00e4hlt zu den bekanntesten und auch beliebtesten Schriftstellern seines Heimatlandes Israel und wird schon seit langem in einem Atemzug mit den Gro\u00dfen wie David Grossman oder Amos Oz genannt.<\/p>\n<p>Das neue Buch von Etgar Keret ist ein Wagnis. Zum ersten Mal seit 25 Jahren schreibt er keine Fiktion, sondern er erz\u00e4hlt in etwa drei Dutzend Prosast\u00fccken Biographisches und Erlebtes aus einem Zeitraum von sieben Jahren. Diese Jahre zwischen der Geburt seines Sohnes Lev und dem Tod seines Vaters haben dem Buch seinen Titel gegeben. In einem Nachwort schreibt er, warum er das Buch nicht in Israel ver\u00f6ffentlicht sehen wollte: \u201eweil es darum um die Menschen geht, die mir die liebsten auf der Welt sind; weil es mich als Autor in eine neue, nicht vertraute Situation bringt, verletzlich und intim.\u201c\u00a0 Deshalb wollte er diese Erfahrungen nur mit Fremden teilen. Das Buch wurde ins Englische \u00fcbersetzt und von dort hat es Kerets Freund Daniel Kehlmann ins Deutsche \u00fcbertragen.<\/p>\n<p>Das Buch beginnt\u00a0 mit Schilderung einer Art doppelten Geburt. Nicht nur sein Sohn Lev kommt auf die Welt, sondern dieses neue Leben ist mehr, Hoffnung auf Zukunft und Frieden:<\/p>\n<p>\u201eSechs Stunden sp\u00e4ter f\u00e4llt ein Zwerg, dem ein Kabel aus dem Bauchnabel h\u00e4ngt, aus der Vagina meiner Frau und f\u00e4ngt sofort an zu weinen. Ich versuche ihn zu \u00fcberzeugen, dass man sich gar keine Sorgen machen muss. Dass alles im Mittleren Osten gekl\u00e4rt sein wird, wenn er erwachsen ist. Frieden wird kommen, es wird keine weiteren Terroranschl\u00e4ge mehr geben, und sogar, wenn es ganz selten einmal einen geben sollte, wird immer jemand Originelles, jemand mit ein wenig Vision in der N\u00e4he sein, um ihn perfekt zu beschreiben.\u201c<\/p>\n<p>Nicht nur an dieser Stelle, sondern das ganze Buch durch die verschiedenen Erz\u00e4hlungen gelingt es Keret wie weiland Ephraim Kishon zu einer anderen Zeit, eine Alltagssituation so zu beschreiben, dass sie auf eine bet\u00f6rende Art komisch wird.<\/p>\n<p>Tagebuchartig erz\u00e4hlt er nicht nur von der Entwicklung seines Sohnes, sondern immer wieder auch von seinem Vater. Es ist wie ein nachgeholtes Erwachsenwerden, nicht nur als Mann und Ehemann, sondern auch als Schriftsteller, die er in diesem gl\u00fccklichen Zeitraum von sieben Jahren erlebt. Dazwischen geht es aber auch immer wieder um die politische Lage in Israel und im Nahen Osten, um die jeden Tag pr\u00e4sente Angst vor Terroranschl\u00e4gen und feigem Mord.<\/p>\n<p>Keret beschreibt, wie schon auf den Kinderspielpl\u00e4tzen am Rande der Sandkiste, wo er sich als freiberuflicher Vater oft aufh\u00e4lt, die M\u00fctter von kleinen Kindern dar\u00fcber diskutieren, ob sie es zulassen werden, dass ihre S\u00f6hne dereinst den in Israel obligatorischen Milit\u00e4rdienst ableisten werden. Auch seine Frau m\u00f6chte das nicht und erwidert auf Kerets Einwand, das sei doch eine Bevormundung: \u201eLieber bevormunde ich ihn, als dass ich in f\u00fcnfzehn Jahren an einem Milit\u00e4rbegr\u00e4bnis auf dem Olivenberg teilnehmen muss. Wenn es bevormundend ist, seinen Sohn\u00a0 daran zu hindern, sein\u00a0 Leben zu riskieren, dann bin ich eben bevormundend.\u201c<\/p>\n<p>Sie finden einen Kompromiss: Wir w\u00fcrden uns bis zu seinem achtzehnten Lebensjahr darum bem\u00fchen, entweder in der Region oder in unserer Familie Frieden zu schaffen.\u201c<\/p>\n<p>Kerets Texte erz\u00e4hlen von Erlebnissen auf seinen zahlreichen Lesereisen, von der Kindheit seiner Mutter, einer Holocaust\u00fcberlebenden in Polen, von seinem Sohn, den er besch\u00fctzen will und von seinem Vater und dessen Sterben und Tod. An einer sehr ber\u00fchrenden Stelle erz\u00e4hlt er, wie er auf einer Reise nach Los Angeles vier Wochen nach dem Tod seines Vaters erlebt, dass er tats\u00e4chlich in seine Schuhe passt. Das ist ihm wie ein Beweis, dass alles gut wird.<\/p>\n<p>Zwischen ernsthafter Tiefsinnigkeit, die den Leser im Innersten ber\u00fchrt, wechselt Keret oft auf derselben Seite zur Komik und Groteske, die dem zuvor Tragischen etwas Leichtes und Schwebendes zu geben vermag.<\/p>\n<p>Vielleicht kann man heute in Israel auch nur so leben ohne zynisch und verbittert zu werden \u2013 oder auszuwandern.\u00a0 \u201eDie sieben guten Jahre\u201c ist ein Buch voller Liebe und Hoffnung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; &nbsp; Etgar Keret, Die sieben guten Jahre. Mein Leben als Vater und Sohn, S. Fischer 2016, ISBN 978-3-10-049520-4 &nbsp; Er z\u00e4hlt zu den bekanntesten und auch beliebtesten Schriftstellern seines Heimatlandes Israel und wird schon seit langem in einem Atemzug mit den Gro\u00dfen wie David Grossman oder Amos Oz genannt. 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