{"id":1705,"date":"2016-04-13T08:38:10","date_gmt":"2016-04-13T06:38:10","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=1705"},"modified":"2016-04-13T08:38:10","modified_gmt":"2016-04-13T06:38:10","slug":"der-messias-kommt-nicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=1705","title":{"rendered":"Der Messias kommt nicht"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/44191906z.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-1706\" src=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/44191906z-183x300.jpg\" alt=\"44191906z\" width=\"183\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/44191906z-183x300.jpg 183w, https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/44191906z.jpg 290w\" sizes=\"auto, (max-width: 183px) 100vw, 183px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Alfred Bodenheimer, Der Messias kommt nicht, Nagel &amp; Kimche 2016, ISBN 978-3-312-00686-1<\/p>\n<p>Der Professor f\u00fcr J\u00fcdische Literatur- und Religionsgeschichte an der Universit\u00e4t in Basel, der 1965 geborene Alfred Bodenheimer, hat vor einigen Jahren mit der Streitschrift \u201eHaut ab!\u201c seine Stimme in der damals aktuellen Beschneidungsdebatte erhoben und auf sich aufmerksam gemacht, nachdem seine bisherigen Werke zur j\u00fcdischen Literatur nur von einem kleinen Fachpublikum wahrgenommen wurden.<\/p>\n<p>Nachdem er mit\u00a0 \u201eKains Opfer\u201c seinen ersten Roman vorlegte, einen Kriminalroman,\u00a0 in dem er nicht nur nachwies, dass er selbst gute Literatur schreiben kann, sondern in dem er den Leser mitten hinein in das Leben und den Alltag eines Schweizer Rabbis f\u00fchrte und in tiefsinnige theologische Reflexionen \u00fcber zentrale Fragen der Auslegung des Talmuds, hat er die Reihe fortgesetzt und nun den dritten Fall f\u00fcr Rabbi Klein ver\u00f6ffentlicht unter dem Titel \u201eDer Messias kommt nicht.\u201c<\/p>\n<p>Rabbi Gabriel Klein steht als orthodoxer Rabbi einer gro\u00dfen Z\u00fcricher Synagoge vor. Er predigt, unterrichtet und macht liebend gerne Besuche in Krankenh\u00e4usern und Altenheimen bei Mitgliedern seiner Gemeinde. Ein sympathischer Theologe mit Grunds\u00e4tzen ist Klein, doch er ist durchaus offen auch f\u00fcr neue Gedanken.<\/p>\n<p>Die F\u00e4lle, die er l\u00f6st, kommen zu ihm wie die Jungfrau zum Kind, er schlittert geradezu in sie hinein. Wie Alfred Bodenheimer seinen Rabbi die F\u00e4lle l\u00f6sen l\u00e4sst, hat auch nichts mit klassischer Krimiliteratur zu tun, wo es vor Spannung und Action nur so knistert, auch nicht mit der pastoralen Ermittlungsarbeit etwa eines Pater Brown. Wenn er allerdings mitten in seinem normalen Alltag einem Verbrechen auf die Spur kommt, da springt bei Rabbi Klein etwas an, was ihn bis zur L\u00f6sung nicht mehr zur Ruhe kommen l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Im vorliegenden Buch ist Rabbi Klein im Rahmen eines sabbaticals zu Gast in Basel und \u00fcbernimmt in der dortigen Gemeinde zun\u00e4chst widerwillig einige Vertretungsdienste. Im Rahmen eines solchen Dienstes kommt in einem Tagungshaus ein renommiertes Mitglieder der Baseler Kulturgemeinde zu Tode. Er wird unter r\u00e4tselhaften Umst\u00e4nden erschossen.<\/p>\n<p>Wie schon in den ersten beiden B\u00e4nden verkn\u00fcpft Bodenheimer genial eine durchaus spannende und verwickelte Handlung, die schlussendlich zur \u00fcberraschenden L\u00f6sung des Falls f\u00fchrt, und eine theologische Debatte, die zun\u00e4chst parallel l\u00e4uft, deren Interpretation aber am Ende den Fall l\u00f6sen hilft.<\/p>\n<p>Rabbi Kleins sabbatical soll sich mit einem historischen Streitgespr\u00e4ch von Sebastian M\u00fcnzer zwischen einem Christen und einem Juden besch\u00e4ftigen, ob der Messias kommen kann und wann er kommt. Dieser Strang des Buches war f\u00fcr mich als Theologe fast noch interessanter als die Kriminalhandlung. An einer Stelle sagt Rabbi Klein zu einer Mitarbeiterin des j\u00fcdischen Museums in Basel zu seiner Arbeit, \u201e ihn \u00fcberzeuge des Messias-Gedanke von Maimonides, dem gro\u00dfen mittelalterlichen Philosophen aus Cordoba, am meisten: dass der Messias eigentlich ein intellektueller Zustand sei. Der Moment, in dem die Welt von selbst Gott erkenne und damit den furchtbaren Irrtum, der jedem Streit und jedem Unrecht zugrunde liege. Eine Welt, in der die Gerechtigkeit durch die Menschen herrsche, das sei f\u00fcr Maimonides die messianische Welt.\u201c<\/p>\n<p>Trotz seiner orthodoxen Grundhaltung hat der Rabbi viel Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Menschen und das allzu Menschliche. Bodenheimer hat ihm mit Rivka eine Ehefrau gegeben, die mit eigenem Profil ihm treu zur Seite steht und auch dieses Mal mit einer klugen Beobachtung zu der Frage, dass der Messias nicht kommt, den entscheidenden Hinweis zur Aufl\u00f6sung liefert.<\/p>\n<p>Wieder eine gelungene Mischung aus Krimi und rabbinischer Theologie mit feinen Bemerkungen \u00fcber die Konkurrenz zwischen Z\u00fcrich und Basel und vielen Beschreibungen\u00a0 j\u00fcdischen Lebens und Alltags in der Schweiz. Auf den n\u00e4chsten Fall warte ich mit Spannung.<br \/>\n&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; &nbsp; &nbsp; Alfred Bodenheimer, Der Messias kommt nicht, Nagel &amp; Kimche 2016, ISBN 978-3-312-00686-1 Der Professor f\u00fcr J\u00fcdische Literatur- und Religionsgeschichte an der Universit\u00e4t in Basel, der 1965 geborene Alfred Bodenheimer, hat vor einigen Jahren mit der Streitschrift \u201eHaut ab!\u201c seine Stimme in der damals aktuellen Beschneidungsdebatte erhoben und auf sich aufmerksam gemacht, nachdem &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=1705\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Der Messias kommt nicht<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":6,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-1705","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1705","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/6"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1705"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1705\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1707,"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1705\/revisions\/1707"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1705"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1705"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1705"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}