{"id":1807,"date":"2016-04-29T12:57:43","date_gmt":"2016-04-29T10:57:43","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=1807"},"modified":"2016-04-29T12:57:43","modified_gmt":"2016-04-29T10:57:43","slug":"die-einsamen-liebenden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=1807","title":{"rendered":"Die einsamen Liebenden"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/42639618z.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-1808\" src=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/42639618z-192x300.jpg\" alt=\"42639618z\" width=\"192\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/42639618z-192x300.jpg 192w, https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/42639618z.jpg 304w\" sizes=\"auto, (max-width: 192px) 100vw, 192px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eshkol Nevo, Die einsamen Liebenden, DTV 2016, ISBN 978-3-423-26088-6<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eshkol Nevo z\u00e4hlt mittlerweile zu den auch weit \u00fcber die israelischen Grenzen hinaus bekannten Schriftstellern. In allen seinen B\u00fcchern, insbesondere dem letzten \u201eNeuland\u201c, sind seine Figuren beseelt von einer gro\u00dfen Sehnsucht. Sie suchen nach dem Sinn ihres Lebens, wagen Neuanf\u00e4nge und sehen sich doch immer wieder eingebunden in ein Netz von Familie und Freunden.<\/p>\n<p>Auch in seinem neuen Roman, einer Art Realsatire geht es um Menschen, die nach Liebe und nach so etwas wie einer Heimat suchen. Angesiedelt hat er die Handlung in einem fiktiven Pilgerort, einer frommen Provinzstadt. Sie wird \u201eStadt der Gerechten\u201c genannt und ist Anziehungspunkt f\u00fcr viele \u201ereligiosniks\u201c.<\/p>\n<p>Gerade in diesem Ort, in einem Stadtteil namens \u201eEhrenquell\u201c sind vor einiger Zeit eine gro\u00dfe Anzahl atheistischer russischer Rentner angesiedelt worden. Sie haben keine Idee vom Judentum., aber sie haben so wie fast alle Menschen in Nevos Romanen Tr\u00e4ume von einem Neuanfang von einer neuen Heimat, von Zugeh\u00f6rigkeit.\u00a0 Da sie weder Hebr\u00e4isch sprechen noch irgendeine Art von Verst\u00e4ndnis haben f\u00fcr das, was nach dem Brief eines amerikanischen Juden namens Mandelsturm an den B\u00fcrgermeister der Stadt geschieht kommt es in der Folge zu Missverst\u00e4ndnis, die Nevo mit viel Komik witzig schildert. Mandelsturm will der Stadt nach dem Tod seiner geliebten Frau eine Mikwe, ein rituelles Tauchbad stiften.<\/p>\n<p>Moshe, ehemaliger Kibbuznik und Eliteoffizier der israelischen Armee, ist nach schwerer Lebenskrise ultraorthodox geworden\u00a0 und hat eine Familie gegr\u00fcndet. Nun arbeitet er als Berater des B\u00fcrgermeisters und wird von diesem mit dem Auftrag betraut, den Bau der Mikwe zu beaufsichtigen. Da es schon sehr viele Mikwes in der Stadt der Gerechten gibt, man aber die gro\u00dfz\u00fcgige Spende aus Amerika nicht ausschlagen will, wird beschlossen, sie im Stadtteil Ehrenquell zu bauen. In direkter Nachbarschaft eines Armeest\u00fctzpunktes, um den ein gro\u00dfes Geheimnis gemacht wird.,<\/p>\n<p>Die russischen Rentner bekommen nat\u00fcrlich die Bauaktivit\u00e4ten mit und glauben f\u00e4lschlicherweise, f\u00fcr sie w\u00fcrde eine Art Clubhaus gebaut. Schneller als man denkt, haben sie einen Schachclub gegr\u00fcndet, und nehmen bei der ersten Gelegenheit daf\u00fcr die Mikwe in Besitz.<\/p>\n<p>Baumeister der Mikve ist ein arabischer Israeli, Ben Zuk. Man wirft ihn wegen Milit\u00e4rspionage ins Gef\u00e4ngnis. Mutig wehrt er sich solange, bis er frei gelassen wird. Schon immer beobachtet er Zugv\u00f6gel. Er ist vielleicht der freieste Charakter des Romans. Seine Entschlossenheit, Israel zu verlassen\u00a0 \u00e4hnelt den unerkl\u00e4rlichen Abirrungen von V\u00f6geln, die &#8222;pl\u00f6tzlich allein weit ab von ihrer normalen Zugroute in einem Teil der Welt auftauchen, in den sie gar nicht geh\u00f6ren&#8220;, den sogenannten \u201eLost solos\u201c<\/p>\n<p>Moshe begegnet im Rahmen seiner Arbeit seiner alten Jugendliebe Ayelet, was ihn\u00a0 sehr durcheinander bringt. Doch auch andere Liebende hoffen auf neue Impulse ihres Liebeslebens.<\/p>\n<p>Verschiedene Str\u00e4nge der Handlung werden von Eshkol Nevo gut miteinander verbunden. Kritik an der Arroganz des Milit\u00e4rs hat genauso ihren Platz wie eine F\u00fclle von in Israel bekannten Klischees \u00fcber das russische Volk.\u00a0 Moshe und Ayelet sind zwei einsam Liebende, die von einer gemeinsame Zukunft tr\u00e4umen, aber immer wieder scheitern.<\/p>\n<p>Doch so wie anderen Menschen in dieser m\u00e4rchenhaften Kom\u00f6die geben sie nicht auf, sich zu sehen nach Ver\u00e4nderung, nach eine Art Wunder, das ihrem Leben Sinn und Erdung gibt.<\/p>\n<p>Vielleicht ein starkes Symbol f\u00fcr eine Haltung vieler Menschen im heutigen\u00a0 krisengesch\u00fcttelten Israel.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; Eshkol Nevo, Die einsamen Liebenden, DTV 2016, ISBN 978-3-423-26088-6 &nbsp; Eshkol Nevo z\u00e4hlt mittlerweile zu den auch weit \u00fcber die israelischen Grenzen hinaus bekannten Schriftstellern. 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