{"id":2028,"date":"2016-06-15T08:31:15","date_gmt":"2016-06-15T06:31:15","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=2028"},"modified":"2016-06-15T08:31:15","modified_gmt":"2016-06-15T06:31:15","slug":"das-kleid-meiner-mutter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=2028","title":{"rendered":"Das Kleid meiner Mutter"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/44111584z.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-2029\" src=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/44111584z-180x300.jpg\" alt=\"44111584z\" width=\"180\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/44111584z-180x300.jpg 180w, https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/44111584z.jpg 285w\" sizes=\"auto, (max-width: 180px) 100vw, 180px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Anna Katharina Hahn, Das Kleid meiner Mutter, Suhrkamp 2016, ISBN 978-3-518-42516-9<\/p>\n<p>Ihre beiden letzten Romane \u201eK\u00fcrzere Tage\u201c und \u201eAm schwarzen Berg\u201c (f\u00fcr den\u00a0 Dt. Buchpreis nominiert waren literarisch absolut gelungene Versuche\u00a0 mit einer k\u00fchlen und distanzierten Sprache den Tiefenschichten b\u00fcrgerlichen Lebens auf die Spur zu kommen. Was sie dabei zu Tage f\u00f6rderte, war f\u00fcr den Leser oft nur schwer zu ertragen. Denn bei aller oberfl\u00e4chlichen Freundlichkeit und allem gelehrten Engagement und Wissen &#8211; die Menschen in diesen B\u00fcchern bleiben sich fremd, vor allen Dingen sich selbst gegen\u00fcber. Jeder findet seine eigene Weise, die Erkenntnis dieser Wahrheit, die sich dem Leser mit jeder Seite mehr aufdr\u00e4ngt, vor sich selbst zu verbergen. Vor allem mit Alkohol, aber auch mit Arbeit oder im letzten Buch mit einem zerst\u00f6renden wutb\u00fcrgerlichen Engagement.<\/p>\n<p>In ihrem neuen Roman \u201eDas Kleid meiner Mutter\u201c hat sie Stuttgart verlassen und siedelt die Handlung im Madrid des Sommers 2012 an. Dort leiden die Menschen an den Folgen der j\u00fcngsten Wirtschaftskrise, vor allem die jungen, die sich in einem verzweifelten Protest zu wehren versuchen.<\/p>\n<p>Zu dieser verlorenen Generation, die keine M\u00f6glichkeit des Aufbaus einer selbstbestimmten Existenz hat und zu gro\u00dfen Teil immer noch in den Kinderzimmern ihrer Elternh\u00e4user leben, geh\u00f6rt auch Ana Maria, genannt Anita. Ihr promovierter Bruder ist bereits nach Berlin ausgewandert und arbeitet dort auf dem Bau.<\/p>\n<p>Sie findet Unterst\u00fctzung bei ihrer Familie und ihren Freunden, auch seit langem gut ausgebildet arbeitslos und bei den regelm\u00e4\u00dfigen Demonstrationen auf der Puerta del Sol. Doch eines Tages liegen beide Eltern tot in der Wohnung. Und sie schl\u00fcpft in die Kleider ihrer Mutter: \u201eEs f\u00fchlte sich gut an, meine Mutter zu sein. Ich war sch\u00f6n, auf eine mir unbekannte Weise. Selbst in den Gesichtern mancher Frauen sah ich ein Aufleuchten.\u201c<\/p>\n<p>In diesem Roman, in dem man von den Hintergr\u00fcnden und der sozialen Auswirkungen der spanischen Krise nicht viel mehr erf\u00e4hrt als man als aufmerksamer Nutzer hiesiger Medien schon seit Jahren wei\u00df, versucht die Autorin den Bogen zu spannen zwischen einem Liebesroman und einem engagierten Sozialroman quer durch die Generationen immer auf den Hintergrund der Finanzkrise, aber \u00fcber lange Teile des Buches verliert der Bogen seine Stabilit\u00e4t und Statik.<\/p>\n<p>Deshalb ist das neue Buch bei weitem nicht so gut wie die beiden letzten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; &nbsp; Anna Katharina Hahn, Das Kleid meiner Mutter, Suhrkamp 2016, ISBN 978-3-518-42516-9 Ihre beiden letzten Romane \u201eK\u00fcrzere Tage\u201c und \u201eAm schwarzen Berg\u201c (f\u00fcr den\u00a0 Dt. 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