{"id":2362,"date":"2016-08-16T12:34:57","date_gmt":"2016-08-16T10:34:57","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=2362"},"modified":"2016-08-16T12:34:57","modified_gmt":"2016-08-16T10:34:57","slug":"der-kreis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=2362","title":{"rendered":"Der Kreis"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/44980447z.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-2363\" src=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/44980447z-180x300.jpg\" alt=\"44980447z\" width=\"180\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/44980447z-180x300.jpg 180w, https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/44980447z.jpg 286w\" sizes=\"auto, (max-width: 180px) 100vw, 180px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Andreas Maier, Der Kreis, Suhrkamp 2016, ISBN 978-3-518-42547-3<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mit dem vorliegenden f\u00fcnften Band seines autobiographischen Romanprojekts \u201eOrtsumgehung\u201c ist der in Friedberg in der Wetteraus geborene und aufgewachsene Schriftsteller Andreas Maier nicht nur fast in der H\u00e4lfte des auf angeblich elf B\u00e4nde angelegten Werkes angekommen, sondern in dem Roman \u201eDer Kreis\u201c vollzieht sich auch eine Art Wende, die Geburt eines K\u00fcnstlers und einer Idee von der Welt und seiner Aufgabe in ihr.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Inspiriert von Thomas Bernhard, \u00fcber den er auch promovierte, entwickelte Andreas Maier schon in den B\u00e4nden \u201eDas Zimmer\u201c, \u201eDas Haus\u201c, \u201eDie Stra\u00dfe\u201c, \u201eDer Ort\u201c seit 2010 von Buch zu Buch das autobiographische Erz\u00e4hlen als Kunstform und erweitere sukzessive sein Beobachtungsspektrum. Quasi wie in konzentrischen Kreise erz\u00e4hlt er immer wieder von seiner Kindheit und Jugend und setzt mit jedem Buch immer wieder neu an, bezieht sich auf Bekanntes, f\u00fcgt Neues hinzu und begleitet als erwachsener Intellektueller mit gro\u00dfem Einf\u00fchlungsverm\u00f6gen sich selbst als Kind und Jugendlicher auf dem Weg in die Welt und ins k\u00fcnstlerische, \u00e4sthetische und politische Bewusstsein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In \u201eDer Kreis\u201c, folgerichtige Erweiterung des Lebensradiusses nach dem Ort, f\u00e4ngt Maier wie noch einmal von vorne an und gibt dem Titel neben der geographischen Einordnung der Handlung noch eine weitere Bedeutung: \u201eEin Kreis ist ein Kreis, weil das Ende in den Anfang m\u00fcndet und damit verschwindet. Der Kreis hat kein Vorne und kein Hinten, und wenn man ihn als Band zur M\u00f6biusschleife bindet auch kein Innen und Au\u00dfen.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Unterteilt in die Kapitel: Grundschule, Unterstufe, Mittelstufe, Oberstufe geht er zun\u00e4chst noch einmal weit zur\u00fcck in die Kindheit und erz\u00e4hlt neben schon Bekanntem vorzugsweise von der Wahrnehmung und der Anziehung des Kindes, die das B\u00fccherzimmer der Mutter, ihr rastloses Schreiben und die vielen B\u00fccher aus\u00fcbten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die vier Teile entsprechen nicht nur verschiedenen Altersstufen, sondern sie beschreiben auch verschiedene Kunstbereiche, denen sich der Heranwachsende n\u00e4hert: Philosophie, Musik, Theater, Literatur.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aus dem Blick des Erwachsenen beschreibt er, was dem kindlichen Ich damals noch unverst\u00e4ndlich war und kann sich umso tiefer darin versenken. In der Lekt\u00fcre der Mutter (neben den Werken des Friedbergers Fritz Usinger auch Hans K\u00fcng und Hoimar von Ditfurth), in ihren Versuchen am Klavier (Bach) \u201eumwehen\u201c schon das Kind Sph\u00e4ren, die es anziehen.<\/p>\n<p>Als er als Dreizehnj\u00e4hriger sein erstes gro\u00dfes Konzert erlebt, erf\u00e4hrt er, was diese laute Musik bewirkt. Die Beschreibung eines Konzertes 1980 in der Frankfurter Festhalle ist gro\u00dfe sprachliche Kunst, genauso wie die Schilderung einer Theaterauff\u00fchrung an seiner Schule, bei der drei \u00e4ltere Friedberger Sch\u00fcler (Thomas Heinze, Rene Pollesch und Matthias Herrmann) ihm einen Eindruck davon geben, was k\u00fcnstlerische Identit\u00e4t sein k\u00f6nnte. Hier an dieser Stelle, das ist sp\u00fcrbar, wird der sp\u00e4tere K\u00fcnstler Andreas Maier geboren, als der er, da bin ich sicher, die zweite H\u00e4lfte seiner \u201eOrtsumgehung\u201c erz\u00e4hlen wird.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Andreas Maiers Zyklus ist ein beeindruckendes Erinnerungsprojekt und bis jetzt ein wertvolles literarisches Zeugnis dessen, was Kindheit und Erwachsenwerden bedeuten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es sind immer mehr Leser, die jedes Jahr auf den n\u00e4chsten schmalen Band warten von dem ich nicht wei\u00df, ob er vielleicht nicht schon l\u00e4ngst geschrieben ist. An einer Stelle in \u201eDer Kreis\u201c bezeichnet sich der 1967 geborene Maier als Vierzigj\u00e4hrig. Das w\u00fcrde ja bedeuten, dass das Buch schon seit zehn Jahren fertig ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wie dem auch sei, dieser f\u00fcnfte Band hat auch dem letzten Skeptiker gezeigt, dass Andreas Maier ein gro\u00dfer K\u00fcnstler und Schriftsteller ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Andreas Maier, Der Kreis, Suhrkamp 2016, ISBN 978-3-518-42547-3 &nbsp; Mit dem vorliegenden f\u00fcnften Band seines autobiographischen Romanprojekts \u201eOrtsumgehung\u201c ist der in Friedberg in der Wetteraus geborene und aufgewachsene Schriftsteller Andreas Maier nicht nur fast in der H\u00e4lfte des auf angeblich elf B\u00e4nde angelegten Werkes angekommen, sondern in dem Roman \u201eDer Kreis\u201c vollzieht sich auch &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=2362\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Der Kreis<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":6,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-2362","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2362","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/6"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2362"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2362\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2364,"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2362\/revisions\/2364"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2362"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2362"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2362"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}