{"id":2370,"date":"2016-08-18T10:26:52","date_gmt":"2016-08-18T08:26:52","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=2370"},"modified":"2016-08-18T10:26:52","modified_gmt":"2016-08-18T08:26:52","slug":"schnell-dein-leben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=2370","title":{"rendered":"Schnell, dein Leben"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/44880675z.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-2371\" src=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/44880675z-183x300.jpg\" alt=\"44880675z\" width=\"183\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/44880675z-183x300.jpg 183w, https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/44880675z.jpg 290w\" sizes=\"auto, (max-width: 183px) 100vw, 183px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Sylvie Schenk, Schnell, dein Leben, Hanser 2016, ISBN 978-3-446-25331-5<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Als ich w\u00e4hrend der Lekt\u00fcre dieses Romans \u00fcber die mir bis dahin unbekannte Autorin zu recherchieren begann und feststellte, dass \u201eSchnell, dein Leben\u201c mitnichten ein literarisches Deb\u00fct ist, wie ich zun\u00e4chst annahm, bedauerte ich es bald sehr, diese wunderbare Schriftstellerin nicht schon fr\u00fcher entdeckt zu haben. Acht B\u00fccher hat sie, seit sie 1992 begann auf Deutsch zu schreiben, schon in verschiedenen Verlagen ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nun ver\u00f6ffentlicht sie mit \u201eSchnell, dein Leben\u201c einen autobiographisch gepr\u00e4gten Roman zum ersten Mal bei Hanser in M\u00fcnchen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Er erz\u00e4hlt die Geschichte ihres Alter Egos Louise, einer jungen Frau, die kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges in den franz\u00f6sischen Alpen geboren wird, dort aufw\u00e4chst und in einer gro\u00dfen Familie bald erf\u00e4hrt, dass es drei Kriege mit \u201eden Deutschen\u201c gab und man sich vor ihnen in Acht nehmen sollte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nach Abschluss ihres Abiturs erlauben es die Eltern, dass Louise nach Lyon zum Studium geht. Dort trifft sie auf den deutschen Austauschstudenten Johann, in den sie sich verliebt. Auch er ist in einer Stadt bei Frankfurt in wohlhabenden Verh\u00e4ltnissen aufgewachsen in einem Klima des Schweigens und Verschweigens dessen, was doch noch nicht vergangen ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Louise und Johann heiraten fr\u00fch, sie geht mit ihm nach Deutschland und hat es schwer. Nicht nur mit der Sprache, sondern auch mit einer noch unbegriffenen Last, die \u00fcber der Zukunft der beiden liegt. Als der aus Lyoner Zeiten gemeinsame Freund Henri, dem sie nach wie vor regelm\u00e4\u00dfig bei Bergwanderungen begegnen, Louise wohl auch aus pers\u00f6nlichen Motiven (seine Eltern sind als Partisanen umgekommen) unbestreitbare Beweise \u00fcber Kriegsverbrechen vorlegt, an denen Johanns Vater beteiligt war, wird der Mantel des Schweigens so schwer, dass das junge Ehepaar, noch sprachlos, an der Vergangenheit zu ersticken droht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wie es Louise schafft, damit umzugehen, die fremde Sprache zu lernen und bald schon sogar mit ihr ihren Schriftstellertraum zu verwirklichen, wie es ihr gelingt, mit Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit auch ihre in die Krise geratene Ehe und Familie zu retten, ist bewundernswert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sylvie Schenk schreibt in der Du-Form, das hei\u00dft, sie redet das ganze schmale Buch \u00fcber ihre Protagonistin und Alter Ego mit Du an. Was ihr die M\u00f6glichkeit zur Distanz und Kritik gibt, und dem Leser erm\u00f6glicht, zwischen der Autorin und ihrem hier wohl die Grundlage bildenden Leben zu differenzieren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Neben dem autobiographischen Zeugnis besticht das Buch aber auch durch seine feine Beobachtungsgabe \u00fcber die Entwicklungen in Deutschland und\u00a0 Frankreich nach dem Zweiten Weltkrieg und die vorsichtige Ann\u00e4herung der beiden L\u00e4nder nach dem Elyseevertrag zwischen de Gaulle und Adenauer.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bewegend war f\u00fcr mich, wie der alt gewordene und kranke Johann sich in sp\u00e4ten Jahren \u00f6ffnet, seiner Frau von seinen Kindheitserinnerungen erz\u00e4hlt, sein Schweigen bricht und so f\u00fcr das jahrzehntelang Unsagbare auch f\u00fcr sie endlich Worte findet. Erst in diesem Augenblick ist wirkliche und echte N\u00e4he zwischen den noch immer sich Liebenden m\u00f6glich.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein starkes, eindrucksvolles Buch einer Frau, an deren B\u00fcchern ich nicht mehr vorbeigehen werde.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Sylvie Schenk, Schnell, dein Leben, Hanser 2016, ISBN 978-3-446-25331-5 &nbsp; Als ich w\u00e4hrend der Lekt\u00fcre dieses Romans \u00fcber die mir bis dahin unbekannte Autorin zu recherchieren begann und feststellte, dass \u201eSchnell, dein Leben\u201c mitnichten ein literarisches Deb\u00fct ist, wie ich zun\u00e4chst annahm, bedauerte ich es bald sehr, diese wunderbare Schriftstellerin nicht schon fr\u00fcher entdeckt &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=2370\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Schnell, dein Leben<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":6,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-2370","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2370","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/6"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2370"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2370\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2372,"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2370\/revisions\/2372"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2370"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2370"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2370"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}