{"id":2383,"date":"2016-08-23T14:11:29","date_gmt":"2016-08-23T12:11:29","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=2383"},"modified":"2016-08-23T14:11:29","modified_gmt":"2016-08-23T12:11:29","slug":"saturday","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=2383","title":{"rendered":"Saturday"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/14416858z.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-2384\" src=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/14416858z-298x300.jpg\" alt=\"14416858z\" width=\"298\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/14416858z-298x300.jpg 298w, https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/14416858z-150x150.jpg 150w, https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/14416858z.jpg 472w\" sizes=\"auto, (max-width: 298px) 100vw, 298px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ian McEwan, Saturday, Diogenes 2016, ISBN 978-3-257-80003-6<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Um es vorweg zu sagen: dieses Buch ist ein Meisterwerk. Schon 2002 hatte Ian McEwan mit \u201eAbbitte&#8220; einen Roman vorgelegt, von dem man dachte, er k\u00f6nnte eigentlich nicht mehr \u00fcbertroffen werden. Doch nun zeigt er, dass ihm schriftstellerisch immer noch eine Steigerung m\u00f6glich ist.<\/p>\n<p>Drei Hauptgr\u00fcnde finde ich daf\u00fcr: zum einen beherrscht er eine elegante Sprache, die gleichzeitig leicht und dicht daherkommt, den Leser in seinem Innersten anzusprechen vermag und niemals pr\u00e4tenti\u00f6s wird.<br \/>\nZum anderen schafft er es wie kein zweiter mir bekannter zeitgen\u00f6ssischer Schriftsteller, das naturwissenschaftliche und kulturelle Wissen unserer Zeit in seine Romane einzuweben in einer Art und Weise, die den Leser nicht verwirrt, sondern ihn kl\u00fcger und weiser zur\u00fcckl\u00e4sst.<br \/>\nSchlussendlich greift er Themen auf, die den Menschen direkt auf der Seele brennen. Er trivialisiert sie aber nicht, sondern diskutiert sie so ernsthaft und selbstkritisch es ihm nur m\u00f6glich ist.<\/p>\n<p>So ist die Geschichte dieses Romans, der von nur einem Tag, einem \u201eSaturday&#8220; im Leben des Londoner Neurochirurgen Henry Perowne handelt, dem Lebensgef\u00fchl eines gebildeten Mittelklasseeurop\u00e4ers mitten aus der Seele geschrieben.<\/p>\n<p>Eben noch ruht er sicher in seinem Leben, und dann sieht er sich quasi \u00fcber Nacht mit Geschehnissen konfrontiert, die sein gesamtes Lebensgef\u00fchl und &#8211; konzept ins Wanken zu bringen drohen.<br \/>\nMan schreibt Samstag, den 15. Februar 2003. Es ist der Tag der gr\u00f6\u00dften Demonstration auf britischem Boden. Es geht gegen den Irak-Krieg und die britische Beteiligung daran. Henry Perowne wacht fr\u00fch auf und beobachtet ein auf Heathrow landendes Flugzeug, aus dem Flammen schlagen. Er glaubt f\u00fcr Minuten tats\u00e4chlich, eine Wiederholung des Angriffs auf das World Trade Center mitzuerleben. \u201e Die M\u00f6glichkeit, dass es zu \u00c4hnlichem kommen k\u00f6nnte, zieht sich wie ein roter Faden durch unsere Tage.&#8220;<br \/>\nErst sp\u00e4ter am Abend erf\u00e4hrt er, dass eine russische Frachtmaschine notlanden musste. Er f\u00e4hrt, wie beabsichtigt, zu einem Squash-Center, um an seinem freien tag mit seinem Kollegen zu spielen, als er, behindert durch einen von der Demo verursachten Stau einen BMW rammt. Die Begegnung mit den drei Insassen wird zu einem irreal wirkenden Showdown, aus dem er mit einem Trick wieder herauskommt.<\/p>\n<p>Noch ist sein Glaube an die rationale Erkennbarkeit und Verbesserbarkeit der Welt noch intakt, doch am Abend nehmen die Ereignisse eine dramatische Wendung, die nicht vorweggenommen werden soll.<br \/>\nAls er sp\u00e4t in der Nacht zu Bett geht, ist sein Leben nicht mehr, wie es vorher war. Er muss erkennen, dass er nichts wirklich in der Hand hat, und sein Leben bedroht und gef\u00e4hrdet ist.<\/p>\n<p>Ich habe dieses Buch mit gro\u00dfer innerer Erregung gelesen und bin begeistert von seiner gro\u00dfen Sprachmacht. Das fast gleichzeitig mit seinem Erscheinen am 7. Juli 2005 durch die verheerenden Anschl\u00e4ge in London seine Botschaft sich erf\u00fcllte, ist ein Zufall, der einen zittern macht.<br \/>\nDie \u00e4u\u00dfere Bedrohung unserer demokratischen Gesellschaft durch den islamistischen Terror und die innere Bedrohung, durch eine sich immer weiter ausbreitende Gewaltbereitschaft und Verrohung, macht auch mir, einem 62- j\u00e4hrigen Familienvater eines 13-j\u00e4hrigen Sohnes gro\u00dfe Sorgen.<\/p>\n<p>Das Leben ist schwerer geworden in diesem Zeiten und die Hoffnung rar. Umso wichtiger bleibt wirklich gute Literatur.<\/p>\n<p>Hier ist ein au\u00dfergew\u00f6hnliches Exemplar davon.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die nun von Diogenes produzierte gek\u00fcrzte H\u00f6rbuchfassung, die Jan Josef Liefers wirklich \u00fcberzeugend eingelesen hat, macht erneut deutlich, wie aktuell die Botschaft dieses wunderbaren Romans ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; &nbsp; &nbsp; Ian McEwan, Saturday, Diogenes 2016, ISBN 978-3-257-80003-6 &nbsp; Um es vorweg zu sagen: dieses Buch ist ein Meisterwerk. Schon 2002 hatte Ian McEwan mit \u201eAbbitte&#8220; einen Roman vorgelegt, von dem man dachte, er k\u00f6nnte eigentlich nicht mehr \u00fcbertroffen werden. 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