{"id":2387,"date":"2016-08-23T15:45:25","date_gmt":"2016-08-23T13:45:25","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=2387"},"modified":"2016-08-23T15:45:25","modified_gmt":"2016-08-23T13:45:25","slug":"kindeswohl","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=2387","title":{"rendered":"Kindeswohl"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/40928925z.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-2388\" src=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/40928925z-189x300.jpg\" alt=\"40928925z\" width=\"189\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/40928925z-189x300.jpg 189w, https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/40928925z.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 189px) 100vw, 189px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Ian McEwan, Kindeswohl, Diogenes 2016, ISBN 978-3-257-24377-2<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Warten auf jedes neue Buch des englischen Schriftstellers Ian McEwan lohnt sich. In gro\u00dfer Regelm\u00e4\u00dfigkeit legt er handwerklich perfekte Romane vor, deren Zauber und sachlicher Pr\u00e4zision man sich nicht entziehen kann. Er schreibt in einer verst\u00e4ndlichen Sprache, er analysiert k\u00fchl sowohl gesellschaftliche Verh\u00e4ltnisse wie menschliche Beziehungen und Seelen. Wer das gro\u00dfe sprachliche, gar poetische Kunstwerk sucht bei Romanen, wird bei den B\u00fcchern von Ian McEwan mehr oder weniger entt\u00e4uscht werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>So ist es auch bei seinem neuen Roman \u201eKindeswohl\u201c, nun im Taschenbuch verf\u00fcgbar, dessen er\u00f6ffnende S\u00e4tze sehr typisch sind f\u00fcr McEwans ganzen Stil: \u201eLondon. Sonntagabend, Eine Woche nach dem Ende der Gerichtsferien. Nasskaltes Juniwetter. Fiona Maye, Richterin am High Court, lag zu Hause auf der Chaiselongue und starrte \u00fcber ihre bestrumpften F\u00fc\u00dfe hinweg quer durch den Raum.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>McEwan geht sofort mitten hinein in die Szene und das Leben seiner Hauptpersonen. Fiona, 59 Jahre alt, hat soeben einen schrecklichen Streit hinter sich gebracht mit ihrem Mann, einem 60-j\u00e4hrigen Professor f\u00fcr Alte Geschichte, der ihr ganz locker gesagt hat, er wolle eine Aff\u00e4re mit einer wesentlich j\u00fcngeren Frau beginnen. Das sei sein Recht, er wolle noch einmal richtig Sex, an dem sie ja wohl kein Interesse mehr habe.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Fiona wirft ihren Mann aus dem Haus und ergeht sich in \u00dcberlegungen \u00fcber den k\u00f6rperlichen Verfall im Alter.\u00a0 Doch f\u00fcr weiteres Selbstmitleid fehlt ihr die Zeit, es stehen wichtige Entscheidungen an bei Gericht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Da ist der 17- j\u00e4hrige Sohn von zwei Zeugen Jehovas. Damit sein Leben gerettet werden kann, braucht er dringend Bluttransfusionen. Das lehnen aber sowohl seine Eltern, als auch der Junge selbst heftig ab mit Verweis auf ihre Religion. Die Klinikverwaltung will per Gerichtsentscheidung erzwingen, dass Fiona dieses Recht auf k\u00f6rperlicher Selbstbestimmung aufhebt. Wie schon 2005 in \u201eSaturday\u201c (damals ging es Gehirnchirurgie) von McEwan bis ins Kleinste recherchiert, wird der Leser staunender Zuschauer einer Verhandlung, einem juristischen Konflikt um Leben und Tod.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Zeit dr\u00e4ngt, doch bevor Fiona eine Entscheidung f\u00e4llt, nimmt sie ihr Recht wahr, und besucht den kranken Adam in der Klinik. Als sie, aus ihrer professionellen Rolle fallend, den Jungen singend begleitet, als der ein von Benjamin Britten vertontes Gedicht von Yeats auf seiner Geige spielt, passiert in der Beziehung der beiden etwas Entscheidendes, das den weiteren Verlauf der Handlung des Buches wesentlich beeinflussen wird. Neben dieser sich langsam aufbauenden Dramatik beschreibt McEwan immer wieder andere Gerichtsf\u00e4lle, wo es um das\u00a0 \u201eKindeswohl\u201c geht. So interessant das auch ist, es lenkt ein wenig ab vom dem eigentlichen Thema: wie Fiona Maye die Begegnung mit dem jungen Adam erlebt und bew\u00e4ltigt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Doch bei aller Kritik im Detail: Ian McEwan hat wieder einen gro\u00dfen Roman geschrieben und zeigt sich als K\u00f6nner und Meister seines Faches<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; &nbsp; Ian McEwan, Kindeswohl, Diogenes 2016, ISBN 978-3-257-24377-2 &nbsp; Das Warten auf jedes neue Buch des englischen Schriftstellers Ian McEwan lohnt sich. In gro\u00dfer Regelm\u00e4\u00dfigkeit legt er handwerklich perfekte Romane vor, deren Zauber und sachlicher Pr\u00e4zision man sich nicht entziehen kann. 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