{"id":2427,"date":"2016-08-26T16:59:55","date_gmt":"2016-08-26T14:59:55","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=2427"},"modified":"2016-08-26T16:59:55","modified_gmt":"2016-08-26T14:59:55","slug":"nach-einer-wahren-geschichte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=2427","title":{"rendered":"Nach einer wahren Geschichte"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/44951805z.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-2428\" src=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/44951805z-193x300.jpg\" alt=\"44951805z\" width=\"193\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/44951805z-193x300.jpg 193w, https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/44951805z.jpg 306w\" sizes=\"auto, (max-width: 193px) 100vw, 193px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Delphine de Vigan, Nach einer wahren Geschichte, Dumont 2016, ISBN 978-3-8321-9830-5<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nachdem die franz\u00f6sische Schriftstellerin Delphine de Vigan vor \u00fcber drei Jahren mit dem autobiographisch gepr\u00e4gten Roman \u201eDas L\u00e4cheln meiner Mutter\u201c auch in Deutschland der Durchbruch gelang, schrieb uch in meiner Rezension begeistert:<\/p>\n<p>\u201eDelphine de Vigan ist mit ihrer literarischen Suche nach dem L\u00e4cheln ihrer Mutter ein Familienroman gelungen, der \u00fcber drei Generationen wie in einer romanhaften Familienaufstellung ein Bild von einer franz\u00f6sischen Gro\u00dffamilie des B\u00fcrgertums der 50 er und 60 er Jahre zeichnet, aber auch ihre dunkle Seiten, ihre Familiengeheimnisse und die \u00c4ngste der einzelnen Mitglieder offenlegt. Es herrscht in dieser Familie, gepr\u00e4gt auch durch viele unbearbeiteten Schicksalsschl\u00e4ge eine tiefe Verzweiflung am Leben, eine Familienstruktur, die sich f\u00fcr Einzelne anf\u00fchlt wie ein Fluch.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein ganz anderer Fluch beginnt f\u00fcr die Autorin nur wenige Monate, nachdem \u201eDas L\u00e4cheln meiner Mutter\u201c in Frankreich erschienen war, und stark beachtet wurde. Als Delphine de Vigan nach bewusst kurz gehaltenen Lesereisen und \u00f6ffentlichen Auftritten wieder schreiben will, hat sie eine Blockade. Ein Schreibblockade, die sich \u00fcber drei Jahre hinzieht, und f\u00fcr die sie lange Zeit auch gegen\u00fcber ihrem Partner, ihren Kindern und ihren Freunden schweigt, und die sie sich nach dem schmerzhaften Ende nur so im Vorwort zu ihrem neuen Buch erkl\u00e4ren kann:<\/p>\n<p>\u201eDie Wahrheit ist, dass ich in dem Augenblick, wo ich mit dem Schreiben h\u00e4tte anfangen m\u00fcssen, und zwar gem\u00e4\u00df einem Zyklus, in dem sich Latenz-, Inkubations- und Phasen des eigentlichen Schreibens abwechseln \u2013 einen quasi chronobiologischen Zyklus, in dem ich seit mehr als zehn Jahren lebte-, in dem Augenblick also, wo ich das Buch, f\u00fcr das ich bereits eine gewisse Anzahl Notizen gemacht hatte und eine umfangreiche Dokumentation zusammengestellt hatte, L. begegnete.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sie lernt L. auf einer Party kennen, ist sofort wie gefangen und tief ber\u00fchrt von einer Empathie und einem Verst\u00e4ndnis, das sie so noch nie erlebt hat. Auch L. ist Schriftstellerin, und schreibt als Ghostwriterin f\u00fcr sehr ber\u00fchmte Menschen Biographien. Sehr schnell entwickelt sich eine immer tiefere Freundschaft zwischen den beiden, bis am Ende L. sogar bei der Autorin\u00a0 in der Wohnung wohnt. De Vigan hat L. in die Pl\u00e4ne f\u00fcr ihr neues Buch eingeweiht, diese jedoch r\u00e4t auf eine sehr heftige Weise davon ab, und will unbedingt, dass de Vigan weiter\u00a0 nur real geschehene Erlebnisse in ihren B\u00fcchern beschreibt. Die Begr\u00fcndungen werden literaturwissenschaftlich und philosophisch ausgef\u00fchrt und man ger\u00e4t in eine aktuelle Debatte \u00fcber Sinn und Zweck von Literatur, speziell Romanen.<\/p>\n<p>Delphine wird durch diese heftige Kritik aus ihrer gewohnten Sicherheit geworfen und am Ende kann sie noch nicht einmal mehr eine Tastatur anschauen. Immer mehr gleitet sie in eine Depression ab, wobei ihr L. immer mehr abnimmt. F\u00fchlt sich Delphine zu Beginn noch tief verstanden, nimmt sogar literarische Hilfe von L. an, um dr\u00e4ngende und schon zugesagte Auftr\u00e4ge auszuf\u00fchren, beginnt sie zunehmend zu erkennen, dass L. auf die Zerst\u00f6rung ihrer Identit\u00e4t hinarbeitet, an manchen Stellen deren urspr\u00fcngliche sogar \u00fcbernimmt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Delphine beginnt langsam, sich dagegen zu wehren, bespricht Audiodateien auf ihrem Handy, die sie in ihrem PC speichert, um sie sp\u00e4ter vielleicht verwenden zu k\u00f6nnen. Doch L. sp\u00fcrt genau, was vor sich geht, und ergreift Gegenma\u00dfnahmen. Nun beginnt sich eine Handlung, die zuvor von einer zunehmend schwierigen Frauenfreundschaft und von literarisch-philosophischen Debatten handelte, zu einem regelrechten Thriller zu entwickeln.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich ist die Tatsache, dass Delphine de Vigan ein neues Buch geschrieben hat, f\u00fcr den Leser schon zu Beginn der Hinweis darauf, dass sie schlussendlich ihre Blockade \u00fcberwinden wird. Nun ist es aber dennoch eine pers\u00f6nlich erlebte Romangeschichte geworden. Hinweis auf den immer noch bestehenden Einfluss von L., oder \u00fcberlebensnotwendige Befreiung von ihm, wie beim vorhergehenden Buch?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Unabh\u00e4ngig davon, wie viel Fiktion Delphine de Vigan dieser real erlebten Geschichte verliehen hat, ist das Buch ein literarischer Wurf um Freundschaft und Vertrauen, Macht und Machtmissbrauch. Immer mehr nimmt sie den Leser mit hinein in die Suche nach der wahren Identit\u00e4t von L. Die bleibt im Dunkel, aber es scheint sie weiter zu geben. Vielleicht taucht sie im n\u00e4chsten Roman wieder auf.<\/p>\n<p>Oder ist sie eine geniale Erfindung von Delphine de Vigan, um ihre Schreibblockade zu erkl\u00e4ren, wie de Vigans Partner an einer Stelle vermutet?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein hervorragendes Buch, das dem Leser einiges abverlangt ihn aber auch von Anfang bis Ende mit einem selten anspruchsvollen Leseerlebnis belohnt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; Delphine de Vigan, Nach einer wahren Geschichte, Dumont 2016, ISBN 978-3-8321-9830-5 &nbsp; Nachdem die franz\u00f6sische Schriftstellerin Delphine de Vigan vor \u00fcber drei Jahren mit dem autobiographisch gepr\u00e4gten Roman \u201eDas L\u00e4cheln meiner Mutter\u201c auch in Deutschland der Durchbruch gelang, schrieb uch in meiner Rezension begeistert: \u201eDelphine de Vigan ist mit ihrer &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=2427\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Nach einer wahren Geschichte<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":6,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-2427","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2427","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/6"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2427"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2427\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2429,"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2427\/revisions\/2429"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2427"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2427"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2427"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}