{"id":2462,"date":"2016-08-31T11:19:16","date_gmt":"2016-08-31T09:19:16","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=2462"},"modified":"2016-08-31T11:19:16","modified_gmt":"2016-08-31T09:19:16","slug":"die-italienischen-schuhe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=2462","title":{"rendered":"Die italienischen Schuhe"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/44880975z.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-2463\" src=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/44880975z-183x300.jpg\" alt=\"44880975z\" width=\"183\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/44880975z-183x300.jpg 183w, https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/44880975z.jpg 290w\" sizes=\"auto, (max-width: 183px) 100vw, 183px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Henning Mankell, Die italienischen Schuhe, Zsolnay 2016, ISBN 978-3-552-05794-4<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eMit diesem Buch zeigt sich Henning Mankell inhaltlich und sprachlich von einer v\u00f6llig neuen Seite. Nachdem nun auch der letzte Fan wohl akzeptiert hat, dass er seine Wallander-Serie nicht fortsetzen wird, auch nicht mit dessen Tochter Linda und ihrem Freund, ist es wohl an der Zeit, die anderen B\u00e4nde Mankells mehr zu w\u00fcrdigen und endlich von den Vergleichen mit den alten B\u00e4nden Abstand zu nehmen. Sein Anfang 2007 ver\u00f6ffentlichter letzter Afrika-Roman &#8222;Die fl\u00fcsternden Seelen&#8220; war im Original schon 1999 in Schweden aufgelegt worden , sodass es sinnvoll ist, das hier vorliegende Buch in der Abfolge der Romane &#8222;Tiefe&#8220; (2005) und &#8222;Kennedys Hirn&#8220; (2006) zu lesen. Hatten die beiden letzten Romane noch viel gezeigt vom zornigen Henning Mankell, der sich einfach nicht abfinden kann mit den zum Himmel schreienden Zust\u00e4nden auf der Welt, schl\u00e4gt er in &#8222;Die italienischen Schuhe&#8220; einen Ton an, der neu f\u00fcr ihn ist.\u201c (Aus meiner Rezension 2007)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nun legt Zsolnay das Buch 2016 noch einmal neu in einer HC- Ausgabe, gleichzeitig mit dem Erscheinen von Mankells letztem Buch \u201eDie schwedischen Gummistiefel\u201c, das man als eine Art selbstst\u00e4ndige Fortsetzung des hier neu ver\u00f6ffentlichten Buches lesen kann.<br \/>\nSuch hier sind fast alle Protagonisten eher Au\u00dfenseiter und Gestrandete einer immer schneller und menschenverachtender werdenden Gesellschaft, aber sie sehen sich nicht als Opfer, sondern versuchen aus ihrer Situation etwas mal mehr oder auch mal weniger Kreatives zu machen.<\/p>\n<p>Es ist ein Buch der eher kleinen T\u00f6ne, das sprachlich auf sanften F\u00fc\u00dfen daher kommt und den Leser mitnimmt auf eine Reise, bei der er es nicht verhindern kann, dass er sich betreffen l\u00e4sst von der Thematik. Es geht um das Altwerden, um das Alleinsein im Alter. Es wird erz\u00e4hlt vom verpassten und verlorenen Leben, es handelt von der Frage, ob es so etwas wie Vergebung geben kann, die einem auch kurz vor dem Lebensende noch einmal neues Leben schenken kann. Es geht um die gew\u00e4hrte Gnade einer zweiten Chance nach gro\u00dfen und unwiderruflichen Lebensfehlern. Das Buch erinnert an den ebenfalls in der Hanser\/Zsolnay Gruppe 2006 erschienenen Roman &#8222;Pferde stehlen&#8220; von Per Petterson. \u00c4hnlich wie Petterson entf\u00fchrt auch Mankell seine Leser in \u00e4u\u00dfere und innere Landschaften, die ihn, wenn er es zul\u00e4sst, ver\u00e4ndert zur\u00fcckkehren lassen. Beide B\u00fccher klingen lange nach, sto\u00dfen im Leser Biographisches an und fordern seine existentielle Aufmerksamkeit und Pr\u00e4senz. Beides \u00fcbrigens Kennzeichen wirklich guter Literatur.<\/p>\n<p>Fredrik Welin, mittlerweile 66 Jahre alt, war lange Jahrzehnte ein erfolgreicher Chirurg, bevor etwas, was er zun\u00e4chst nur die Katastrophe&#8220; nennt, seiner beruflichen Karriere ein selbst gew\u00e4hltes Ende setzt. Er hat bei der Amputation des Armes einer jungen und sehr erfolgreichen Schwimmerin den falschen entfernt. Voller Schuldgef\u00fchle zieht er sich auf eine Insel in den Sch\u00e4ren zur\u00fcck, wo er mit seinen Gro\u00dfeltern schon Teile seiner Kindheit verbrachte. Er lebt dort einfach, hat nur Kontakt mit dem Postzusteller Jansson, den er auch immer wieder einmal als Arzt behandelt. Er erwartet nichts mehr, dennoch qu\u00e4lt ihn die Schuld von damals, als eines Tages um die Wintersonnenwende eine alte Frau mit einem Rollator vor seinem Haus steht. Es ist Harriet, die einzige gro\u00dfe Liebe seines Lebens, die er vor fast 40 Jahren unter ziemlich sch\u00e4ndlichen Umst\u00e4nden verlassen hat. Harriet ist todkrank, ein unheilbarer Krebs zerfrisst sie von innen.<\/p>\n<p>Neben einer Antwort auf ihre nach wie vor w\u00fctende Frage, warum er sie damals verlassen hat, verlangt sie von ihm die Einl\u00f6sung eines damals gegebenen Versprechens: er soll mit ihr an einen einsamen Waldsee in Nordschweden fahren, wo er selbst in seiner Kindheit mit seinem Vater war. Sie brechen mitten im Winter dorthin auf und erleben unterwegs eine Menge von Begegnungen. Unter anderen lernt er den \u00fcber 90-j\u00e4hrigen italienischen Schuhmacher Giancionelli kennen, der jedes Jahr nur zwei Paar Schuhe herstellt und Fredrik ein Paar verspricht, die er ganz Ende auch erh\u00e4lt. Fredrik erf\u00e4hrt, dass er eine Tochter hat, die in einem Wohnwagen wohnt und seit Jahren Briefe an die Staats- und Regierungschefs der Welt schreibt und sie auf Missst\u00e4nde hinweist.<\/p>\n<p>Fredrik Welin begreift das Geschenk und die Gnade dieser zweiten Chance in seinem Leben, und bleibt nach seiner R\u00fcckkehr auf seine Insel sowohl mit Harriet als auch mit seiner Tochter Louise in Kontakt. Und er nimmt Kontakt auf zu Agnes, der Frau, an deren Arm er vor Jahren den verh\u00e4ngnisvollen Fehler beging, der seiner beruflichen T\u00e4tigkeit ein Ende setzte.<br \/>\nEr trifft sie und lernt eine Frau kennen, die ihr Lebensschicksal auf bewundernswerte Weise gemeistert hat, und die sich M\u00e4dchen angenommen hat, die jeder andere schon abgeschrieben hat.<\/p>\n<p>Fredrik Welin, der die ganze, sich von einer Wintersonnenwende zur n\u00e4chsten \u00fcber ein Jahr hinziehende Geschichte selbst erz\u00e4hlt, stellt sich seiner Schuld und seiner Lebensl\u00fcge und am Ende kann er, eine Notiz seiner mittlerweile verstorbenen Harriet aufgreifend, in sein Logbuch notieren:<br \/>\n&#8222;Bis hierher sind wir gekommen. Nicht weiter. Aber bis hierher.&#8220;<\/p>\n<p>Henning Mankell hat ein stilles, aber nicht minder<br \/>\nengagiertes und bewegendes Buch geschrieben \u00fcber Erfahrungen und Auseinandersetzungen des letzten Lebensabschnittes. Ob junge Menschen, die von seinen Wallander- Romanen begeistert waren, die neue Stimme Mankells h\u00f6ren wollen, oder \u00fcberhaupt k\u00f6nnen, sei dahin gestellt.<br \/>\nAber wer bereit ist, sich ernste Fragen nach Schuld und Vergebung, Alter und Einsamkeit zu stellen, wird von diesem Roman au\u00dferordentlich f\u00fcr sich selbst profitieren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; &nbsp; Henning Mankell, Die italienischen Schuhe, Zsolnay 2016, ISBN 978-3-552-05794-4 &nbsp; \u201eMit diesem Buch zeigt sich Henning Mankell inhaltlich und sprachlich von einer v\u00f6llig neuen Seite. 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