{"id":267,"date":"2015-06-24T10:17:10","date_gmt":"2015-06-24T08:17:10","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=267"},"modified":"2015-06-24T10:17:10","modified_gmt":"2015-06-24T08:17:10","slug":"becks-letzter-sommer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=267","title":{"rendered":"Becks letzter Sommer"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/26369067n.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-268\" src=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/26369067n.jpg\" alt=\"26369067n\" width=\"156\" height=\"250\" \/><\/a><\/p>\n<p>Benedict Wells, Becks letzter Sommer, Diogenes 2015, ISBN 978-3-257-24022-1<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dieser Roman ist das sensationelle Deb\u00fct eines 1984 geborenen jungen Schriftstellers, der sich im Jahr 2008 mit &#8222;Becks letzter Sommer&#8220; wie mit einem Paukenschlag auf die deutsche Literaturb\u00fchne katapultiert und gro\u00dfe Beachtung gefunden hat. Zu Recht, wie der Rezensent findet, der sich \u00fcber das ganze Buch immer wieder gefragt hat, woher ein gerade 23-J\u00e4hriger die Erfahrung und den Tiefgang nimmt, um sich derma\u00dfen in seine fast doppelt so alten Hauptfiguren hineinzuversetzen.<\/p>\n<p>Mehrmals war ich erinnert an das Deb\u00fct von Aron Gr\u00fcnberg, der \u00e4hnlich kr\u00e4ftig und unkonventionell wie Benedict Wells vor langer Zeit die Literaturszene aufmischte, aus der er l\u00e4ngst nicht mehr weg zu denken ist.<\/p>\n<p>Benedict Wells erz\u00e4hlt die Geschichte einer Beziehung zwischen einem Lehrer und einem Sch\u00fcler. Der Lehrer, Robert Beck, ist ein im Schulalltag abgestumpfter P\u00e4dagoge, der selbst als Musiker irgendwann stehen geblieben ist, und dennoch niemals aufgeh\u00f6rt hat, davon zu tr\u00e4umen, mit seinen Texten, die er pausenlos schreibt, irgendwann gro\u00df im Musikgesch\u00e4ft herauszukommen. Er hasst Bob Dylan, weil sein Vater dessen Musik nahezu ununterbrochen h\u00f6rte und hat dennoch in der Mitte des Buches eine erhellende und ern\u00fcchternde Begegnung mit ihm.<\/p>\n<p>Als der siebzehnj\u00e4hrige Rauli aus Litauen in Becks Musikklasse kommt, nimmt der Lehrer diesen Au\u00dfenseiter , wie die Sch\u00fcler auch, zun\u00e4chst nicht wahr. Dann aber entdeckt er zuf\u00e4llig, dass Rauli eine unbeschreibliche Begabung hat. Eines Tages fragt er Beck, ob er dessen E-Gitarre, eine Stratocaster, ausleihen darf und f\u00e4ngt an, darauf zu spielen. Die Musik und die Melodien, die da hervorbrechen, zerrei\u00dfen Beck fast das Herz. So etwas hat er noch nie geh\u00f6rt. Ein wahnsinniges Talent hat er da entdeckt, einen ungeschliffenen Diamanten. Selbst als Musiker schon vor Jahren kl\u00e4glich gescheitert, wittert Robert Beck mit Rauli eine neue Chance. Er k\u00f6nnte mit seinen Texten und Raulis Musik als Manager Rauli zu einer beispiellosen Karriere verhelfen und sich selbst den lange gehegten Traum erf\u00fcllen, als Shootingstar in die Musikszene zur\u00fcckzukehren.<\/p>\n<p>Benedict Wells beschreibt nun diese schwierige Beziehung, die Robert Beck mit der undurchsichtigen litauischen Familie des Sch\u00fclers zusammenf\u00fchrt. Wie er sich in die Seelenwelt eines letztlich am Leben und an der Liebe gescheiterten , fast 40- J\u00e4hrigen hineinversetzt, ist genial und hat m\u00f6glicherweise selbst erlebte Vorbilder. Robert Beck versucht verzweifelt, sich der Welt Raulis zu n\u00e4hern, ihn f\u00fcr sich zu gewinnen, doch der Junge entzieht sich ihm immer wieder.<\/p>\n<p>Eine Melodie mit dem Titel &#8222;Finding Anna&#8220; spielt eine gro\u00dfe Rolle, die Rauli auf einem seiner viele gelben Zettel notiert hat, als er in die erotische Anna Lind verliebt war, ein M\u00e4dchen in Becks Klasse, deren Bild der auch schon mal bei seinen einsamen und traurigen Masturbationen zu Hause imaginiert.<\/p>\n<p>Eine Kellnerin namens Lara taucht auf, die sich in Beck verliebt hat, verbissen dagegen ank\u00e4mpft und f\u00fcr die Beck aber gar keine wirkliche Empfindung hegt. Er ist regelrecht beziehungsunf\u00e4hig. Nur mit seinem Freund Charlie, ein gro\u00df gewachsener Deutsch- Afrikaner, der fr\u00fcher mit Beck Musik gemacht hat, kann er reden. Charlie ist ein kleiner Philosoph und spr\u00fcht vor sarkastischen Lebenseinsichten, kommt aber mit seinem Leben auch nicht zurecht.<\/p>\n<p>Benedict Wells zeichnet mit diesem erfrischenden Roman mit lockerer und leichter Sprache Menschen und ihr Schicksal, die sich auf einem langen Weg befinden zu sich selbst, die jedoch viele Umwege machen m\u00fcssen und in manchen Sackgassen zun\u00e4chst stecken bleiben. Pl\u00f6tzlich und unerwartet taucht auf Seite 154 zum ersten Mal der Erz\u00e4hler des Buches auf, ein Redakteur namens Ben, den Robert Beck f\u00fcr die Pressearbeit f\u00fcr ein Konzert mit Rauli kontaktiert hatte und der zwischendurch immer wieder in Einsch\u00fcben Beck an Ich&#8220; von seiner Arbeit an dem Buch berichtet. Im Jahr 1999 beginnt die erz\u00e4hlte Geschichte und endet im Jahr 2007, kurz bevor Bens Arbeit an dem Roman abgeschlossen ist. 1990, so erz\u00e4hlt Ben zwischendurch, habe er, 11- j\u00e4hrig, Robert Beck kennen gelernt und als er dann seinen Anruf in der Redaktion erhielt, wo er gerade arbeitete, habe er von dessen Geschichte nicht mehr lassen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&#8222;Becks letzter Sommer&#8220; ist ein sch\u00f6nes Buch, voller Poesie und Sensibilit\u00e4t mit seinen Figuren, Suchende allesamt. Benedict Wells schildert vor allem Robert Beck ohne H\u00e4me und mit tiefen Verst\u00e4ndnis f\u00fcr einen Mann in der Krise seines Lebens. Erstaunlich, wirklich, f\u00fcr einen bei Erscheinen des Buches gerade mal 23-j\u00e4hrigen Autor. Wells hat mit weiteren B\u00fcchern sein Talent best\u00e4tigt und die hier vorliegende Ausgabe ist von Diogenes f\u00fcr die Kinofassung des Buches neu aufgelegt worden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; &nbsp; Benedict Wells, Becks letzter Sommer, Diogenes 2015, ISBN 978-3-257-24022-1 &nbsp; Dieser Roman ist das sensationelle Deb\u00fct eines 1984 geborenen jungen Schriftstellers, der sich im Jahr 2008 mit &#8222;Becks letzter Sommer&#8220; wie mit einem Paukenschlag auf die deutsche Literaturb\u00fchne katapultiert und gro\u00dfe Beachtung gefunden hat. 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