{"id":2967,"date":"2016-11-14T12:04:46","date_gmt":"2016-11-14T10:04:46","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=2967"},"modified":"2016-11-14T12:04:46","modified_gmt":"2016-11-14T10:04:46","slug":"der-tod-des-odysseus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=2967","title":{"rendered":"Der Tod des Odysseus"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/45015485z.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-2969\" src=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/45015485z-189x300.jpg\" alt=\"45015485z\" width=\"189\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/45015485z-189x300.jpg 189w, https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/45015485z.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 189px) 100vw, 189px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Petros Markaris, Der Tod des Odysseus, Diogenes 2016, ISBN 978-3-257-06979-2<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das neue in Griechenland 2015 erschienen Buch von Petros Markaris ist kein weiterer Roman \u00fcber seinen Kommissar Kostas Charitos , sondern eine Sammlung von unterschiedlich langen \u201eGeschichten\u201c.<\/p>\n<p>Darunter finden sich auch zwei kurze Texte, in denen Charitos eine Rolle spielt. Sie sind aber f\u00fcr das Buch eher marginal und wohl nur beigef\u00fcgt, um die Charitos Fans bei Laune zu halten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die anderen Geschichten handeln von Menschen, Griechen und T\u00fcrken haupts\u00e4chlich. All dieses Menschen sind so wie der antike Odysseus in der Fremde unterwegs, haben viele Pr\u00fcfungen zu bestehen, geben die Hoffnung nicht auf und sind zumeist brutalen Gegnern ausgesetzt, die es nicht gut mit ihnen meinen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die f\u00fcr mich wichtigste und f\u00fcr das Buch zentrale Geschichte \u2013 sie ist auch mit fast 100 Seiten die l\u00e4ngste- tr\u00e4gt den Titel \u201eDrei Tage\u201c und erz\u00e4hlt von einem Protagonisten namens Vassilis und wie er und seine Familie das Pogrom von Istanbul am 6. September 1955 erlebten, das von langer Hand von der Regierung vorbereitet war.<\/p>\n<p>\u201eVor einundsechzig Jahren geschah es in der Nacht vom 5. auf den 6. September 1955, da st\u00fcrmen laut br\u00fcllend gr\u00f6lende Horden mit \u00c4xten, H\u00e4mmern, S\u00e4beln und Dynamit bewaffnet entlang des Istiklal- Boulevards.<\/p>\n<p>Sie brandschatzten und pl\u00fcnderten Gesch\u00e4fte und Unternehmen die zur lokal griechischen Gemeinde geh\u00f6rten. Der Mob griff haupts\u00e4chlich griechisch besiedelte Stadtteile in ganz Istanbul an, mehr als 4000 Gesch\u00e4fte wurden zerst\u00f6rt, \u00fcber 70 Kirchen und 30 Schulen zertr\u00fcmmert. Priester wurden geschlagen, griechisch- orthodoxe Friedh\u00f6fe wurden gesch\u00e4ndet.\u201c ( Der Freitag, 10.6.2016)<\/p>\n<p>Es war nicht das erste Mal, dass unbeteiligte Minderheiten Opfer von Machtk\u00e4mpfen in der T\u00fcrkei wurden. Praktisch seit der Gr\u00fcndung der Republik durch Kemal Atat\u00fcrk im Jahre 1923 ist die T\u00fcrkei \u00fcberzeugt davon, dass seine Minderheiten, in erster Linie Griechen und Armenier, (heute die Kurden) als 5. Kolonne fremder M\u00e4chte Ankaras Feinde sind. Diese Angst, die durch den Zusammenbruch des Osmanischen Reiches zum &#8222;unterirdischen&#8220; Fl\u00e4chenschwelbrand wurde, hat sich immer wieder in der t\u00fcrkischen Politik f\u00fcr ganz unterschiedliche Ziele instrumentalisieren lassen, zuletzt in diesem Jahr.<\/p>\n<p>Ankara inszeniert gegebenenfalls erst ein Ereignis, wenn das Muster dazu passt, bzw. das Muster best\u00e4tigt werden kann. Am Vorabend des 6. September gab es einen Angriff in Thessaloniki auf das Geburtshaus Kemal Atat\u00fcrks. Damit war die Lunte an die Fackel lodernder Emotionen gelegt und in Brand gesetzt. Obwohl die R\u00e4delsf\u00fchrer angeblich an den Mob keine Waffen verteilt hatten, endete die Pogromnacht mit \u00fcber 30 Toten, Hunderten von Verletzten, und Dutzende von vergewaltigten Frauen und M\u00e4nnern.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>All dies beschreibt Markaris in der Geschichte \u201eDrei Tage\u201c beeindruckend.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Man sieht, gewisse Vorg\u00e4nge haben in einer sich weiter islamisierenden T\u00fcrkei offenbar Tradition.<\/p>\n<p>Als Petros Markaris diese und andere Geschichten des Bandes schrieb, konnte er nichts ahnen von dem gescheiterten (oder angezettelt-gescheiterten?) Putsch 2016. Ich bin aber sicher, er w\u00e4re vor allen Dingen von den Reaktionen Erdogans nicht \u00fcberrascht gewesen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Markaris setzt sich mit seinen Roman und diesen Geschichten \u2013 obwohl Fiktion- sehr kritisch mit der aktuellen gesellschaftlichen Lage auseinander.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; Petros Markaris, Der Tod des Odysseus, Diogenes 2016, ISBN 978-3-257-06979-2 &nbsp; Das neue in Griechenland 2015 erschienen Buch von Petros Markaris ist kein weiterer Roman \u00fcber seinen Kommissar Kostas Charitos , sondern eine Sammlung von unterschiedlich langen \u201eGeschichten\u201c. 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