{"id":318,"date":"2015-07-20T11:56:49","date_gmt":"2015-07-20T09:56:49","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=318"},"modified":"2015-07-20T11:56:49","modified_gmt":"2015-07-20T09:56:49","slug":"gehe-hin-stelle-einen-waechter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=318","title":{"rendered":"Gehe hin, stelle einen W\u00e4chter"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/42607015z.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-319\" src=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/42607015z-188x300.jpg\" alt=\"42607015z\" width=\"188\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/42607015z-188x300.jpg 188w, https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/42607015z.jpg 299w\" sizes=\"auto, (max-width: 188px) 100vw, 188px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Harper Lee, Gehe hin, stelle eine W\u00e4chter, DVA 2015, ISBN 978-3-421-04719-9<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u00dcber 40 Millionen Exemplare wurden von ihrem ber\u00fchmt gewordenen Buch \u201eWer die Nachtigall st\u00f6rt\u201c weltweit verkauft. Das Buch von Harper Lee, 1960 in den USA erschienen und auf Deutsch 1962 ver\u00f6ffentlicht, hat unz\u00e4hlige Menschen bewegt und beeinflusst und tut es bis heute. Der Rowohlt Verlag hat gerade in einer Neu\u00fcbersetzung eine Hardcoverausgabe neu publiziert.<\/p>\n<p>\u201eWer die Nachtigall st\u00f6rt\u201c sollte das einzige Buch Harper Lees bleiben, die lange mit Truman Capote befreundet war und ihre ersten Schreibversuche mit ihm teilte. Dabei hatte sie in den f\u00fcnfziger Jahren schon ein erstes Buch geschrieben, das unter den Titel \u201eGehe hin, stelle einen W\u00e4chter\u201c nun in mehreren Sprachen erscheint.<\/p>\n<p>In diesem Buch, das sie in relativ kurzer Zeit fertigstellte und von dem ihre Agenten zun\u00e4chst begeistert waren, erz\u00e4hlt sie, wie die mittlerweile erwachsene und in New York lebende Jean Louise Finch f\u00fcr zwei Wochen nach Hause nach Maycomb zur\u00fcckkehrt, und dort f\u00fcr sie sehr schwierige Erfahrungen macht, die ihr ganzes Weltbild und vor allen Dingen ihre Sicht auf ihren Vater in Frage stellen. Denn kaum zu Hause angekommen, muss sie erleben, wie ihr Vater und auch ihr Freund Hank, den sie heiraten will, im Gericht in Maycomb einem Redner zuh\u00f6ren, der offen radikal rassistische Spr\u00fcche von sich gibt, von der \u201eWahrung der Lebensweise der S\u00fcdstaaten\u201c spricht und die Schwarzen als \u201efilzige Krausk\u00f6pfe\u201c bezeichnet, die \u201enoch niedriger als die Kakerlaken\u201c seien. Und er begr\u00fcndet es nat\u00fcrlich auch religi\u00f6s: \u201eGott schuf die Rassen, niemand wei\u00df warum, aber Er wollte, dass sie getrennt bleiben.\u201c<\/p>\n<p>F\u00fcr Jean Louise bricht ihre ganze Welt zusammen. Ist das noch ihr Vater Atticus Finch, den sie in ihrer Kindheit als engagierten Verteidiger eines Schwarzen kennen gelernt hat, der f\u00e4lschlicherweise der Vergewaltigung eines wei\u00dfen M\u00e4dchens beschuldigt wurde und f\u00fcr den er einen Freispruch erreichte? Und was ist mit Calpurnia, die sie und ihren mittlerweile verstorbenen Bruder Jem damals als Haush\u00e4lterin betreute und liebte wie eine Mutter?<\/p>\n<p>In ausf\u00fchrlichen R\u00fcckblicken erinnert sie sich an ihre Kindheit und Jugend und in langen konfliktreichen Gespr\u00e4chen mit ihrem Vater, ihrem Freund Hank und ihrem Onkel Dr. Finch sieht sie sich mit einer vollst\u00e4ndig ver\u00e4nderten politischen Situation konfrontiert, mit der sie sich schlussendlich vers\u00f6hnt.<\/p>\n<p>Dennoch waren damals ihrer Lektorin diese direkten Bez\u00fcge zur beginnenden B\u00fcrgerrechtsbewegung und den innenpolitischen Konflikten in den USA zu aktuell und unausgegoren und sie \u00fcberredete Harper Lee, ihr ganzes Manuskript zu \u00fcberarbeiten, in die 30er Jahre zu verlegen und den Schwerpunkt auf die Ereignisse in der Kindheit von \u201eScout\u201c zu legen.<\/p>\n<p>So entstand in zweij\u00e4hriger harter Arbeit \u201eTo Kill A Mockingbird\u201c. Die erste Fassung wurde vergessen und erst 2014 von einer Freundin Harper Lees entdeckt. Ob die 88-j\u00e4hrig in einem Heim in ihrer Heimatstadt Monroeville lebende Harper Lee wirklich mit dieser Ver\u00f6ffentlichung sich einverstanden erkl\u00e4rte (bzw. konnte) bleibt relativ unklar.<\/p>\n<p>Tatsache ist jedoch, dass \u201eGehe hin, stelle eine W\u00e4chter\u201c ein Buch ist, dass in seiner politischen Thematik dem Klassiker in nichts nachsteht, auch wenn er nicht ganz die literarische Dichte und Qualit\u00e4t des Bestsellers erreicht. Es ist ein Buch, in dem wir allen bekannten Figuren aus dem Klassiker wieder begegnen, sie aber alle mit einer dramatischen gesellschaftspolitischen Ver\u00e4nderung konfrontiert sind, die sie in heftige Konflikte mit fr\u00fcheren liberalen Auffassungen bringt und sie gegenseitig entfremdet.<\/p>\n<p>In einer Zeit, in der sich nicht nur im S\u00fcden der USA, dort aber besonders zeigt, dass der Rassismus keinen Deut \u00fcberwunden ist, und das Land zu spalten droht, ist \u201eGehe hin, stelle eine W\u00e4chter\u201c von einer unter die Haut gehenden Aktualit\u00e4t.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; &nbsp; &nbsp; Harper Lee, Gehe hin, stelle eine W\u00e4chter, DVA 2015, ISBN 978-3-421-04719-9 &nbsp; \u00dcber 40 Millionen Exemplare wurden von ihrem ber\u00fchmt gewordenen Buch \u201eWer die Nachtigall st\u00f6rt\u201c weltweit verkauft. 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