{"id":3228,"date":"2016-12-13T11:42:41","date_gmt":"2016-12-13T09:42:41","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=3228"},"modified":"2016-12-13T11:42:41","modified_gmt":"2016-12-13T09:42:41","slug":"du-haettest-gehen-sollen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=3228","title":{"rendered":"Du h\u00e4ttest gehen sollen"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/45685545z.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-3229\" src=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/45685545z-182x300.jpg\" alt=\"45685545z\" width=\"182\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/45685545z-182x300.jpg 182w, https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/45685545z.jpg 288w\" sizes=\"auto, (max-width: 182px) 100vw, 182px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Daniel Kehlmann, Du h\u00e4ttest gehen sollen, Rowohlt 2016, ISBN 978-3-498-03573-0<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u00dcber Daniel Kehlmanns letzte gr\u00f6\u00dfere literarische Ver\u00f6ffentlichung, den 2013 erschienenen Roman \u201eF\u201c schrieb ich kurz nach dessen Erscheinen in einer Rezension:<\/p>\n<p>\u201eSo weit, so gut. Aus diesem Stoff h\u00e4tte man vor zwei drei Jahren ein gutes Buch machen k\u00f6nnen. Aber die Handlungsstr\u00e4nge sind wenig durchdacht, die Zusammenh\u00e4nge zwischen den jeweiligen Geschichten der drei Br\u00fcder, die sich am Ende des Buches auftun, bleiben banal. Auch hier h\u00e4tte man mehr damit machen k\u00f6nnen. Niemand entwickelt sich wirklich in diesem Buch. Es herrscht ein immer langweilig werdender Stillstand in einer Umgebung, die doch in permanenter Ver\u00e4nderung ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>F\u00fcr mich ein erneuter Hinweis darauf, dass dieses Manuskript schon vor langer Zeit begonnen wurde, dann liegen geblieben ist, und nun auf eine auch handwerklich schlechte Weise zu einem unbefriedigenden Abschluss gebracht worden ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich w\u00fcnsche Daniel Kehlmann von Herzen, dass er dieses Buch schnell hinter sich lassen kann und sich an einen neuen Roman setzt. Vielleicht gibt das Leben als Familienvater und der t\u00e4gliche Kontakt mit einem Kind neuen Stoff.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Als ich nun sah, dass Daniel Kehlmann ein neues Buch ver\u00f6ffentlicht hat, freute ich mich darauf, war aber schon im ersten Augenblick, als ich es in H\u00e4nden hielt, entt\u00e4uscht. Eine kurze, mit gerade einmal neunzig mit wenig Text beschrieben Seiten dann auch nicht abgeschlossenen Erz\u00e4hlung las ich da, die mich, wenn ich ehrlich bin, ersch\u00fctterte. Denn der ich-erz\u00e4hlende Schriftsteller, der sich mit seiner Frau und seiner kleinen Tochter in ein einsam gelegenes Ferienhaus in\u00a0 den Bergen zur\u00fcckgezogen hat, gibt ein bemitleidenswertes Zeugnis seiner Unf\u00e4higkeit ab, in der Gegenwart auch nur irgendetwas zu schreiben, was einen Sinn machen k\u00f6nnte und legt dem Leser schon bald nahe, in dieser Figur den Autor selbst gespiegelt zu sehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es ist mir vollkommen unverst\u00e4ndlich, warum die offizielle Literaturkritik in diesen sprachlichen Versatzst\u00fccken mit schwachen Reminiszenzen an Stephen King und anderen Autoren gro\u00dfe Literatur sieht.\u00a0 Am ehesten trifft es noch das zur\u00fcckhaltend h\u00f6fliche, aber interpretationsf\u00e4hige Zitat von Sandra Kegel aus der FAZ:<\/p>\n<p>\u201eDie subtil gewirkte Selbstauskunft eines Schriftstellers, dem seine Sache ernst ist.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich kann mir Folgendes vorstellen: wenn sich Daniel Kehlmann f\u00fcr zwei Jahre einmal vollst\u00e4ndig aus dem offiziellen und internationalen Literaturbetrieb zur\u00fcckziehen w\u00fcrde, und sich ganz auf einen neuen Roman konzentrieren w\u00fcrde, dann w\u00fcrde er mit Sicherheit an seine fr\u00fcheren literarischen Qualit\u00e4ten ankn\u00fcpfen k\u00f6nnen. Mit dieser Erz\u00e4hlung, die mitten drin abbricht, jedenfalls, hat er sich noch weiter als in \u201eF\u201c davon entfernt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das ist sehr schade.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; Daniel Kehlmann, Du h\u00e4ttest gehen sollen, Rowohlt 2016, ISBN 978-3-498-03573-0 &nbsp; \u00dcber Daniel Kehlmanns letzte gr\u00f6\u00dfere literarische Ver\u00f6ffentlichung, den 2013 erschienenen Roman \u201eF\u201c schrieb ich kurz nach dessen Erscheinen in einer Rezension: \u201eSo weit, so gut. Aus diesem Stoff h\u00e4tte man vor zwei drei Jahren ein gutes Buch machen k\u00f6nnen. 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