{"id":3273,"date":"2016-12-16T09:10:11","date_gmt":"2016-12-16T07:10:11","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=3273"},"modified":"2016-12-16T09:10:11","modified_gmt":"2016-12-16T07:10:11","slug":"hunkelers-geheimnis-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=3273","title":{"rendered":"Hunkelers Geheimnis"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/42801644z.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-3274\" src=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/42801644z-189x300.jpg\" alt=\"42801644z\" width=\"189\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/42801644z-189x300.jpg 189w, https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/42801644z.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 189px) 100vw, 189px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Hansj\u00f6rg Schneider, Hunkelers Geheimnis, Diogenes 2017, ISBN 978-3-257-24368-0<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der pensionierte Basler Kommiss\u00e4r Peter Hunkeler liegt im Krankenhaus. Er ist an der Prostata operiert worden, und es hat sich herausgestellt, dass es kein Krebs war. Hunkeler f\u00fchlt sich verschont und sp\u00fcrt, wie schon in den fr\u00fcheren Jahren so etwas wie Dankbarkeit f\u00fcr sein Leben, auch wenn seine Erinnerungen mit steigendem Alter immer intensiver werden.<\/p>\n<p>Hansj\u00f6rg Schneider, der Sch\u00f6pfer dieses schrulligen Kommissars, hat in einem Interview best\u00e4tigt hat, das Hunkeler, seine Lebensgeschichte und seine Gedanken sehr mit seiner eigenen Biographie und seinen Gedanken zu tun haben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Hunkeler liegt also im Krankenhaus und neben ihm im gleichen Zimmer ein alter Bekannter: Stephan Fankhauser, einst wie Hunkeler bei den Achtundsechzigern, ist er durch die Institutionen marschiert und Leiter der Basler Volkssparkasse geworden. Nun ist er schwerkrank. Eines Nachts beobachtet Hunkeler, wie eine Krankenschwester mit einem Rubinring an der Hand, Fankhauser eine Spritze setzt. Der wehrt sich heftig und ist am n\u00e4chsten Morgen tot. Hunkeler wei\u00df nicht recht, ob er einer T\u00e4uschung durch die eigenen Medikamente aufgesessen ist, doch es wird sich sp\u00e4ter herausstellen, dass er richtig beobachtet hat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter, w\u00e4hrend einer Handlung, in der Schneider wieder in die Schweizer Geschichte zur\u00fcckgeht und sie parallel setzt zu zeitgen\u00f6ssischen Ereignissen, hier die Finanzkrise, l\u00e4sst Schneider Hunkeler seine eigenen Gedanken denken:<\/p>\n<p>\u201eIn seiner Jugend, dachte Hunkeler, waren die Schweizer stolz gewesen auf ihr Land. Man sprach vom freien Schweizer und meinte sich selbst. Man war stolz darauf, dass man den Fl\u00fcchtlingen Asyl gew\u00e4hrte. Man war auch stolz auf die Banken. Denn in ihnen lag das Geld unschuldig Verfolgter in sicherer Verwahrung. Ein St\u00fcck vom Freiheitsk\u00e4mpfer Wilhelm Tell steckte in jedem Eidgenossen und\u00a0 jeder Eidgenossin.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Doch die Fl\u00fcchtlingspolitik im Zweiten Weltkrieg hat sich als rassistisch herausgestellt und die einst angesehenen Banken sind in unglaubliche Skandale verwickelt. Und was zun\u00e4chst aussieht wie eine Sinnest\u00e4uschung, hat Zusammenh\u00e4nge bis in die ferne Vergangenheit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Seit 1993, als der Basler Schriftsteller Hansj\u00f6rg Schneider seinen ersten Kriminalroman um den Kommiss\u00e4r Peter Hunkeler ver\u00f6ffentlichte, ist er als Krimiautor ein Geheimtipp geworden. Obwohl seine B\u00fccher keine hohen Auflagen erreichen, wie etwa die seiner modern gewordenen schwedischen Kollegen, sind die Romane auf h\u00f6chstem Niveau, mit viel politischer Analyse, gesellschaftlich-hintergr\u00fcndigem Witz und immer auch angereichert mit einer subtilen Kritik an den gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnissen, besonders denen in Basel und in der Schweiz.<\/p>\n<p>Peter Hunkeler war fr\u00fcher verheiratet, hat aus dieser Ehe auch eine erwachsene Tochter, mit der sein Kontakt aber sp\u00e4rlich ist. Seit vielen Jahren ist er zusammen mit Hedwig, einer engagierten Erzieherin, die es trotz allem Stress versteht, ihr Leben zu genie\u00dfen und auf diese Weise Peter Hunkeler immer wieder einen guten Ruhepol bietet, auch wenn ihre Streitgespr\u00e4che ein wahrer Lesegenuss sind. Besonders wenn sie die Wochenenden oder andere freie Tage in ihrem H\u00e4uschen im Elsass direkt hinter der franz\u00f6sisch-schweizerischen Grenze verbringen.<\/p>\n<p>Hunkeler hat eine bewegte Lebensgeschichte hinter sich. In der Studentenbewegung engagiert, hat er sich eine libert\u00e4r-liberal-linke Position bewahrt, die nie dogmatisch war oder wird. Vielleicht ist er darin das treue Abbild seines genialen Sch\u00f6pfers. Er kennt in Basel Gott und die Welt und seine sozialen Kontakte machen vor Klassenschranken und sozialen Milieus nicht Halt. Er verkehrt mit Schriftstellern, K\u00fcnstlern und Theaterleuten, Lebensk\u00fcnstlern, halbseidenen Figuren an der Grenze zur Unterwelt. Er trifft sie auf der Stra\u00dfe, in Cafes, vor allem aber abends und nachts in den alten Basler Beizen, die vom Aussterben bedroht sind, und denen Hansj\u00f6rg Schneider in seinen B\u00fcchern nebenbei ein Denkmal setzt.<br \/>\nEr liebt Menschen und die Geschichten, die mit ihnen verbunden sind. Und weil er sich so gut in Menschen hinein versetzen kann, l\u00f6st er alle seine F\u00e4lle mit diesem &#8222;Gsp\u00fcri&#8220;. Auch diesen Fall, er ihm nach seiner Entlassung aus dem Krankhaus keine Ruhe l\u00e4sst. Und wie schon zu seiner aktiven Zeit meiden ihn die Kollegen, mit denen er wieder zu tun bekommt. Seine Eigenst\u00e4ndigkeit und innere Ruhe machen ihnen Angst, erst recht, wo er nun keine Verpflichtungen mehr hat. Und wie schon damals erweist sich der Staatsanwalt Suter als heimlicher Unterst\u00fctzer.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das vorliegende Buch Schneiders ist vielleicht der Beste aller neun Hunkelerb\u00e4nde. Seine Altersweisheit und sein unideologischer Blick auch auf seine eigene Vergangenheit lassen ihn erkennen, was trotz allem sein Basel f\u00fcr ihn liebenswert macht, auch als politische Heimat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; Hansj\u00f6rg Schneider, Hunkelers Geheimnis, Diogenes 2017, ISBN 978-3-257-24368-0 &nbsp; Der pensionierte Basler Kommiss\u00e4r Peter Hunkeler liegt im Krankenhaus. Er ist an der Prostata operiert worden, und es hat sich herausgestellt, dass es kein Krebs war. 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