{"id":3664,"date":"2017-02-15T13:33:35","date_gmt":"2017-02-15T11:33:35","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=3664"},"modified":"2017-02-15T13:33:35","modified_gmt":"2017-02-15T11:33:35","slug":"sterben-eine-erfahrung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=3664","title":{"rendered":"Sterben. Eine Erfahrung"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/47072590z.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-3665\" src=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/47072590z-181x300.jpg\" alt=\"\" width=\"181\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/47072590z-181x300.jpg 181w, https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/47072590z.jpg 287w\" sizes=\"auto, (max-width: 181px) 100vw, 181px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Cory Taylor, Sterben. Eine Erfahrung, Ullstein 2016, ISBN 978-3-7934-2318-8<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die 2016 im Alter von nur 61 Jahren verstorbene australische Schriftstellerin Cory Taylor geh\u00f6rte als Drehbuchautorin und mit ihren beiden mit Auszeichnungen bedachten Romanen (nicht auf Deutsch erschienen) zu den bekannten Autoren des f\u00fcnften Kontinents.<\/p>\n<p>Nachdem sie schon seit etwa einem Jahrzehnt mit einem Hautkrebs zu tun hat (den sie mit fr\u00fcherer Vorsorge vielleicht besser in die Schranken h\u00e4tte weisen k\u00f6nnen, wie sie zugibt). Zehn Jahre sp\u00e4ter hat sich im Gehirn eine Geschwulst gebildet, jenem Teil, der f\u00fcr die Bewegungen der rechten K\u00f6rperseite zust\u00e4ndig ist. Sie willigt in eine Operation ein und hat bald darauf die Gewissheit, dass sie nicht mehr lange zu leben hat. \u00dcberall in ihrem K\u00f6rper haben sich Metastasen breit gemacht und Cory Taylor schreibt in sehr kurzer Zeit dieses Buch. Sie tut es zun\u00e4chst f\u00fcr sich selbst, setzt sich auseinander mit ihrem Leben und ihrer Familiengeschichte, aber auch mit ihrem Wunsch, ihrem Leid selbst ein Ende zu setzen. Daf\u00fcr hat sie schon vor Jahren \u00fcber das Internet aus China ein schnellwirkendes Mittel sich besorgt, dass in der Tiermedizin bei Pferden angewandt wird. Ob sie es schlussendlich angewandt hat, bleibt offen. Sie schreibt aber auch f\u00fcr ihre Familie, ihren Mann Shin, dem sie das Buch gewidmet hat und ihren beiden Kindern, die lange nichts von ihrer Erkrankung wussten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In einer Rundfunksendung stellt sie sich den Fragen der H\u00f6rer und beantwortet sie f\u00fcr die Leser ihres Buches noch einmal ausf\u00fchrlich.\u00a0 Glaubt sie an ein Leben nach dem Tod? Gibt es eine Liste von Dingen, die sie noch tun oder erleben m\u00f6chte, bevor sie stirbt? Hat sie Angst vor dem Sterben? Hat sie an Selbstmord gedacht?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Besonders auf diese Frage nach einem selbstbestimmten Sterben und der Verantwortung daf\u00fcr, was eine solche Entscheidung mit anderen Menschen, auch ihrer Familie machen w\u00fcrde, geht Cory Taylor ausf\u00fchrlich ein. Ihre Antwort auf die Frage nach einer Wunschliste hat mich sehr angesprochen, weil es mir genauso geht:<\/p>\n<p>\u201eEine Wunschliste impliziert einen Mangel, einen Vorrat an unerf\u00fcllten W\u00fcnschen oder Zielen, die Sorge, man habe aus seinem Leben nicht genug gemacht. Sie impliziert, mehr Erfahrung sei besser, wobei das Gegenteil ebenso wahr sein k\u00f6nnte. Ich habe keine Wunschliste, weil es mich tr\u00f6stet, mich an die Dinge erinnern zu k\u00f6nnen, die ich getan habe, statt den Dingen nachzutrauern, die ich nicht getan habe.<\/p>\n<p>Was auch immer das sein k\u00f6nnte: Ich glaube, es war einfach nicht das Richtige f\u00fcr mich, und das vermittelt mir ein Gef\u00fchl der Zufriedenheit, das Abwerfen von Ballast auf meiner allerletzten Reise.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nach ihren Reflexionen \u00fcber das Sterben und ihre Erfahrungen damit, beschreibt sie in einem\u00a0 zweiten Teil des Buches ihre Kindheit und Herkunft, die Geschichte ihrer Mutter und ihres Vaters. Diese Erinnerungen passen sich ein in ihre \u00dcberlegungen im ersten Teil, denn es geht immer um ihr Leben, das bald zu Ende sein wird. Dennoch hatte ich beim Lesen das Gef\u00fchl, diese Teile seien schon zu einem fr\u00fcheren Zeitpunkt entstanden und dann in das Buch eingef\u00fcgt worden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das ehrliche und ber\u00fchrende Buch von Cory Taylor zwingt den Leser zur Auseinandersetzung mit dem eigenen Sterben und Tod, auch wenn er sich hoffentlich noch bei guter Gesundheit befindet. Menschen mit t\u00f6dlicher Diagnose m\u00f6gen in diesem Buch Trost finden und die Anregung, \u00e4hnlich dankbar und vers\u00f6hnlich auf ihr Leben zu blicken um es leichter verlassen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Trotz traurigem Thema singt Cory Taylor mit ihren letzten \u00f6ffentlichen Worten dem Leben in all seinem Reichtum und seiner Vielfalt ein Loblied.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; Cory Taylor, Sterben. 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