{"id":3705,"date":"2017-02-22T09:53:24","date_gmt":"2017-02-22T07:53:24","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=3705"},"modified":"2017-02-22T09:53:24","modified_gmt":"2017-02-22T07:53:24","slug":"das-leben-wartet-nicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=3705","title":{"rendered":"Das Leben wartet nicht"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/47003626z.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-3706\" src=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/47003626z-190x300.jpg\" alt=\"\" width=\"190\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/47003626z-190x300.jpg 190w, https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/47003626z.jpg 266w\" sizes=\"auto, (max-width: 190px) 100vw, 190px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Marco Balzano, Das Leben wartet nicht, Diogenes 2017, ISBN 978-3-257-86307-9<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Viel Pers\u00f6nliches ist sicher eingeflossen in den dritten Roman, den der Gewinner des Premio Campiello 2015, der Mail\u00e4nder Lehrer und Schriftsteller Marco Balzano, in diesem Fr\u00fchjahr bei Diogenes in Z\u00fcrich unter dem Titel \u201eDas Leben wartet nicht\u201c vorlegt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Selbst ein 1978 geborenes Kind von S\u00fcditalienern, die ihr Gl\u00fcck im Norden des Landes suchten und passionierter Lehrer l\u00e4sst er einen Mann namens Ninetto seine Geschichte erz\u00e4hlen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sie beginnt mit einer von Ninetto getr\u00e4umten Szene auf dem Gef\u00e4ngnishof des Knastes, in dem er zehn\u00a0 Jahre seines Lebens verbringt, um dort eine Strafe abzusitzen. F\u00fcr welche Tat er verurteilt wurde, bleibt in dem ebenso spannenden wie ber\u00fchrenden Buch lange unklar. Nineetto, wegen seiner spindeld\u00fcrren Figur auch schon fr\u00fch \u201ePelleosa\u201c genannt, sieht von seiner Zelle aus seinen ehemaligen von ihm verehrten Grundschullehrer Vincenzo \u00fcber den Gef\u00e4ngnishof gehen. Und Ninetto erinnert sich daran, wie der begnadete Grundschullehrer ihm die Liebe zur Poesie ins Herz pflanzte, ihm von einem Herren namens \u201eSchanschak Russo\u201c und der Entstehung des Privateigentums mit allen seinen furchtbaren Folgen f\u00fcr die Menschen und die Gesellschaft erz\u00e4hlte und ihm zum Abschied ein Tagebuch schenkte, als im zarten Alter von neun Jahren seinen s\u00fcditalienischen Heimatort San Cono mit einem erwachsenen Nachbarn verlie\u00df, um im Norden, in Mailand sein Gl\u00fcck zu versuchen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Marco Balzano berichtet in seinem Nachwort von seinen Recherchen zu diesem Buch und den Gespr\u00e4ch mit \u00fcber einen\u00a0 Dutzend Menschen, die in der Zeit zwischen 1959 und 1962 als Kinder ihre Heimat verlie\u00dfen und im Norden oft ganz auf sich allein gestellt waren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mit seiner Hauptfigur Ninetto l\u00e4sst er einen von Ihnen sein Leben erz\u00e4hlen und verleiht so allen eine unverwechselbare Stimme.<\/p>\n<p>Ninetto hat nie wirklich in das Tagebuch geschrieben, das ihm der Lehrer beim Abschied schenkte. Doch er hat ihn nie vergessen und seine Liebe zur Poesie hilft ihm schon fr\u00fch \u00fcber manches Leid hinweg. Nachdem er seinen ehemaligen Lehrer\u00a0 gesehen zu haben glaubt, legt er sich auf seine Gef\u00e4ngnispritsche und l\u00e4sst seine Geschichte Revue passieren bis zu dem Tag , als er aus dem Gef\u00e4ngnis entlassen wird und zur\u00fcckkehrt zu seiner Frau Maddalena, die er mit f\u00fcnfzehn heiratete, mit der er eine Tochter hat, und die ihn trotz seiner Tat nie im Stich lie\u00df.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Marco Balzano l\u00e4sst Ninetto erz\u00e4hlen von seinen ersten Jobs, den regelrechten L\u00f6chern, in denen die Emigranten wohnten. Wie dieser Junge, dessen Schicksal f\u00fcr viele steht, dies bew\u00e4ltigte, ist bewundernswert. Doch wie f\u00fcr so viele andere damals, ist der Tag des 15. Geburtstags, als er bei Alfa Romeo in Mailand ans Flie\u00dfband kommt, eher en Ende als ein ersehnter Neuanfang: \u201eDas Leben wurde eint\u00f6nig, die Arbeit war entfremdend, einigen bot das herrschende Klima zwar auch Anregungen, doch die meisten waren von der Fabrik entt\u00e4uscht, nicht zuletzt wegen der gelegentlich sehr naiven Erwartungen, die sie diesbez\u00fcglich gehegt hatten. Kurzum, die anf\u00e4ngliche Begeisterung wich einem verlegenen, nicht selten traurigen Schweigen.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nach seiner Entlassung aus dem Gef\u00e4ngnis, er ist 57 Jahre alt, versucht Ninetto wieder Arbeit zu finden, nach ein paar Hilfsarbeiterjobs schlie\u00dflich erfolglos. An die ersten Orte seiner Mail\u00e4nder Zeit zur\u00fcckkehrend, erkennt er in den dort in den Wohnbaracken lebenden Fl\u00fcchtlingen und Emigranten sein eigenes Schicksal wieder.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Was ihn umtreibt, beschreibt er so: \u201e\u2026(dass wir) nicht aufh\u00f6ren d\u00fcrfen zu hoffen, dass dieses verdammte Leben sich bessert und uns das Unheil, das wir angerichtet haben, verziehen wird.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ob ihn dies gelingen wird, soll hier offen bleiben. Nicht offen ist allerdings die Einsch\u00e4tzung des Rezensenten, dass es sich bei diesem Roman von Marco Balzano um gro\u00dfe engagierte und sozialkritische Literatur handelt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; Marco Balzano, Das Leben wartet nicht, Diogenes 2017, ISBN 978-3-257-86307-9 &nbsp; Viel Pers\u00f6nliches ist sicher eingeflossen in den dritten Roman, den der Gewinner des Premio Campiello 2015, der Mail\u00e4nder Lehrer und Schriftsteller Marco Balzano, in diesem Fr\u00fchjahr bei Diogenes in Z\u00fcrich unter dem Titel \u201eDas Leben wartet nicht\u201c vorlegt. &nbsp; &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=3705\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Das Leben wartet nicht<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":6,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-3705","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3705","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/6"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3705"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3705\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3707,"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3705\/revisions\/3707"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3705"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3705"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3705"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}