{"id":3761,"date":"2017-03-01T12:39:38","date_gmt":"2017-03-01T10:39:38","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=3761"},"modified":"2017-03-01T12:39:38","modified_gmt":"2017-03-01T10:39:38","slug":"die-rueckkehr-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=3761","title":{"rendered":"Die R\u00fcckkehr"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/47031444z.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-3762\" src=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/47031444z-188x300.jpg\" alt=\"\" width=\"188\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/47031444z-188x300.jpg 188w, https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/47031444z.jpg 263w\" sizes=\"auto, (max-width: 188px) 100vw, 188px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Hisham Matar, Die R\u00fcckkehr. Auf der Suche nach meinem verlorenen Vater, Luchterhand 2017, ISBN 978-3-630-87422-7<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eDie R\u00fcckkehr\u201c ist das bisher pers\u00f6nlichste Buch des libyschen Schriftstellers Hisham Matar, in dem er seine jahrzehntelange obsessive Suche nach dem Verbleib seines Vaters dokumentiert und damit gleichzeitig eine Liebeserkl\u00e4rung an das Libyen seiner Kindheit und ein verzweifelter Aufschrei \u00fcber das, was die Gaddafi-Tyrannei und eine gescheiterte Revolution aus einem einst bl\u00fchenden Land und seiner Kultur gemacht haben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Buch beginnt im M\u00e4rz 2012 an einem Tag auf dem Flughafen in Kairo. Hisham Matar, seine Frau Diana und seine Mutter wollen das, wie sich herausstellen wird, letzte Zeitfenster nutzen, um nach der Revolution noch einmal in die Heimat zu fliegen und dort nicht nur Verwandte zu besuchen, sondern vielleicht auch endg\u00fcltige Klarheit \u00fcber das Schicksal des seit 1990 verschwundenen Vaters zu bekommen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und w\u00e4hrend sich die drei der alten Heimat n\u00e4hern und w\u00e4hrend sie dort bei einem l\u00e4ngeren Aufenthalt eintauchen in die Welt ihrer weit verzweigten Verwandtschaft, erz\u00e4hlt Matar sein eigenes Leben und das seines Vaters, dem er nachsp\u00fcrt, seit der 1990 vom \u00e4gyptischen Geheimdienst an Gaddafi ausgeliefert wurde.<\/p>\n<p>Jaballa Matar war bis 1973 als libyscher Diplomat bei den Vereinten Nationen in New York t\u00e4tig. Dort wurde auch 1970 der Sohn Hisham geboren. 1973 kehrte die Familie nach Libyen zur\u00fcck, wo Hisham Matar seine fr\u00fche Kindheit verbrachte, bevor die ganze Familie wegen des regimekritischen Engagements des Vaters zun\u00e4chst nach Kenia und sp\u00e4ter nach Kairo fliehen musste.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Von London aus, wohin Hisham 1986 gegangen war, um dort Architektur zu studieren, erlebt er 1990 mit, wie \u00c4gypten seinen Vater \u00fcber Nacht an Gaddafi auslieferte. Sp\u00e4ter stellt sich heraus, dass er sofort nach Abu Salim gebracht wurde, jenem ber\u00fcchtigten Gef\u00e4ngnis, in dem tausende Regimegegner verschwanden.<\/p>\n<p>33 Jahre hat Hisham Matar auf der Suche nach der Wahrheit \u00fcber seinen Vater, die ihn \u00fcber den halben Erdball f\u00fchrte und selbst mit Gaddafis Sohn verhandeln lie\u00df, von dieser R\u00fcckkehr getr\u00e4umt und sich gleichzeitig vor ihr gef\u00fcrchtet. Er will nun endg\u00fcltig Gewissheit, ob der Vater noch am Leben ist, bzw. unter welchen Umst\u00e4nden er ums Leben gekommen ist. Sein Buch ist, meisterhaft komponiert und sicher unter gro\u00dfen Schmerzen geschrieben, nicht nur der Bericht \u00fcber diese Reise, sondern auch eine in vielen R\u00fcckblicken erz\u00e4hlte Geschichte seines Landes und eine Introspektion seiner eigenen Heimatlosigkeit und Verzweiflung angesichts des verschwundenen Vaters.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es beginnt, mit jenem Tag, als Gaddafi 1969 in Libyen de Macht an sich rei\u00dft und den K\u00f6nig st\u00fcrzt. Anf\u00e4nglich so wie viele andere seiner Generation diesen Aufbruch in eine neue politische \u00c4ra durchaus begr\u00fc\u00dfend, entwickelt sich Jaballa Matar aber schnell zu einem entschiedenen Gegner eines Systems, dem sp\u00e4ter nicht nur Tony Blair, sondern auch die deutschen Gr\u00fcnen huldigen sollten.\u00a0 Mit der Figur seines Vaters verkn\u00fcpft Matar diese politische Geschichte. Mit der seines Gro\u00dfvaters verschafft er dem Leser Einblicke in die Zeit, als Libyen unter italienischer Besatzung stand, eine Herrschaft, die das Land wirtschaftlich und kulturell ausbeutete und von der in Italien auch heute noch niemand etwas wissen, geschweige denn aufkl\u00e4ren will.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Worte Matars bringen auch dem politisch aufgekl\u00e4rten Leser ein Land und eine Kultur nahe, die er so nie wahrgenommen hat, ragte doch Libyen unter den sogenannten gescheiterten Staaten besonders heraus.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Als Hisham Matar im M\u00e4rz 2012 nach Libyen kommt, ist die Arabellion schon fast gescheitert. Die M\u00f6glichkeit einer besseren Zukunft besteht noch, doch der B\u00fcrgerkrieg ist schon ein Teil des Alltags, die Zerst\u00f6rung der Hoffnungen schon in vollem Gange: &#8222;Ich bin&#8220;, so schreibt er, &#8222;nie irgendwo gewesen, wo Hoffnung und Besorgnis \u00e4hnlich gro\u00df waren. Alles schien m\u00f6glich, und so gut wie jeder, den ich traf, sprach in einem Atemzug von seinem Optimismus und d\u00fcsteren Vorahnungen.&#8220;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mit viel Einf\u00fchlungsverm\u00f6gen zeichnet er die zahlreichen Menschen, mit denen er \u00fcber seinen Vater und deren eigene Erfahrungen spricht. Diese Teile des Buches, in denen der Autor selbst immer wieder auf dem Spiel steht, sind auch sprachlich meisterhaft gelungen. Das antike Vater-Sohn-Drama, jene enge Bindung \u00fcber den Tod hinaus bestimmt das ganze Buch.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eDie R\u00fcckkehr\u201c ist ein wie alle gro\u00dfe Literatur dem Tod und der Dunkelheit abgerungenes Buch. Es erz\u00e4hlt von V\u00e4tern und S\u00f6hnen, von Heimat und Exil und von jenem in allen arabischen L\u00e4ndern gescheiterten Traum vom demokratischen Aufbruch.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein gro\u00dfes Buch, das spricht vom Schmerz und\u00a0 von der Kraft derer, die die Hoffnung nicht aufgeben k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; Hisham Matar, Die R\u00fcckkehr. 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