{"id":3808,"date":"2017-03-07T12:32:56","date_gmt":"2017-03-07T10:32:56","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=3808"},"modified":"2017-03-07T12:32:56","modified_gmt":"2017-03-07T10:32:56","slug":"mehr-als-ja-und-amen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=3808","title":{"rendered":"Mehr als Ja und Amen"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/47193759z.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-3809\" src=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/47193759z-188x300.jpg\" alt=\"\" width=\"188\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/47193759z-188x300.jpg 188w, https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/47193759z.jpg 263w\" sizes=\"auto, (max-width: 188px) 100vw, 188px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Margot K\u00e4\u00dfmann, Mehr als ja und amen. Glaube geh\u00f6rt mitten ins Leben, Adeo 2013, ISBN 978-3-942208-77-2<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es scheint eine gro\u00dfe Ersch\u00f6pfung in der Welt. Immer mehr einzelne Menschen leiden unter Depressionen oder sind ausgebrannt, aber auch unsere Institutionen, die ehemals vielen Menschen Orientierung boten, Vorbild waren und M\u00f6glichkeiten des Engagements boten, befinden sich in einem Zustand struktureller und inhaltlicher Ersch\u00f6pfung und Ratlosigkeit. Das gilt f\u00fcr die Parteien genauso wie f\u00fcr die Gewerkschaften, aber auch die Kirchen k\u00f6nnen nicht mehr den Impuls zur Ver\u00e4nderung setzen, wie sie das vielleicht noch im letzten Drittel des vergangenen Jahrhunderts taten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Viele Menschen haben das Gef\u00fchl, nicht mehr selbst und frei zu leben, sondern sozusagen gelebt zu werden, fremdbestimmt von Zw\u00e4ngen auf ihrer Arbeit, mehr aber noch von Erwartungen anderer Menschen, ihrer Eltern, ihres Partners, ihrer Kinder oder ihrer Freunde. Man lebt so vor sich hin, immer mehr m\u00fcssen regelrecht k\u00e4mpfen, dass sie sich wenigstens nicht selbst verloren gehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Seit das vorliegende Buch, das hier in einer aktualisierten und erweiterten Neuausgabe vorliegt, 2013 zum ersten Mal erschienen ist, hat sich dieser Befund durch weltpolitische und innenpolitische Ver\u00e4nderungen noch weiter zugespitzt<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mit der Freiheit des Evangeliums, mit protestantischer Freiheit zumal, hat diese resignative Ersch\u00f6pfung nichts zu tun, sagt Margot K\u00e4\u00dfmann in ihrem Buch. Sie denkt nach darin \u00fcber die Freiheit des Glaubens, der sie in die Lage versetzt, \u00fcber ihre Gewohnheiten hinauszudenken, kritische Fragen zu stellen und nicht mehr alles resignativ-ersch\u00f6pft als gegeben hinzunehmen. Der Blick in die Bibel zeige ihr, so schreibt sie, dass sie eine Verantwortung habe, das sie selbst und niemand anders gemeint sei von Gott und seinen Verhei\u00dfungen, dass sie nicht f\u00fcr sich selbst und den Augenblick lebt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Einen Buchtitel von Dorothee S\u00f6lle und Fulbert Steffensky aus dem Jahr 1983 (\u201eNicht nur Ja und Amen. Christen im Widerstand\u201c) aufgreifend, f\u00fchrt sie in zehn Kapiteln in einer sehr verst\u00e4ndlichen und einladenden Sprache aus, dass menschliche Existenz, die sich von der Botschaft und der Freiheit der Bibel her versteht, \u201emehr als ja und amen\u201c ist und dass es sehr wohl m\u00f6glich ist, gegen alle Resignation und Perspektivlosigkeit, die Welt zu verbessern.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u00c4hnlich wie das J\u00f6rg Zink in seinem Buch \u201eDas offene Gastmahl\u201c gezeigt hat, geht es darum, sich selbst als einen Teil einer Gemeinschaft zu sehen, einer Gemeinschaft, zu der jeder Zugang hat, in der die Starken selbstverst\u00e4ndlich f\u00fcr die Schw\u00e4cheren eintreten und diese sich nicht mehr daf\u00fcr sch\u00e4men m\u00fcssen. Immer noch, seit den Ideen desK onzliaren Prozesses vor vierzig Jahren, geht es um die dr\u00e4ngenden Fragen von Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Sch\u00f6pfung und um ein verantwortliches und nachhaltiges Leben, das zuk\u00fcnftigen Generationen ihre Lebensm\u00f6glichkeiten l\u00e4sst.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Jeder, das ist die Botschaft K\u00e4\u00dfmanns, die sie immer wieder betont, jeder kann dazu etwas beitragen. Jeder kann lernen und \u00fcben, nicht mehr immer Ja und Amen zu sagen. Jeder kann das lernen, \u201eselbst denken\u201c, wie das der Sozialphilosoph Harald Welzer vor einigen Jahren in einem gleichnamigen Buch \u00fcberzeugend gezeigt hat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und weil das nicht so leicht ist, gibt sie am Ende des Buches \u201eZehn Ermutigungen f\u00fcr Weltverbesserer\u201c, die wegen ihrer an der Bibel orientierten und umfassenden \u00dcberzeugungskraft hier notiert seien:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol>\n<li>Dein Lebenssinn ist dir in Gottes Zuwendung schon zugesagt! Wage, selbst zu denken, Vorgefundenes zu hinterfragen, und bilde dir selbst deine Meinung, unabh\u00e4ngig vom Urteil anderer. Du bist freier als du denkst, und kannst Haltung zeigen. Sch\u00e4rfe dein Gewissen an der Bibel, und gehe deinen Lebensweg voller Gottvertrauen und gleichzeitig in Verantwortung vor Gott, anderen Menschen und dir selbst.<\/li>\n<li>Du kannst aus der Spirale der Dauerersch\u00f6pfung ausbrechen und der Last der Erwartungen entkommen. Halte an, entschleunige, und \u00fcberlege neu, was du mit deinem Leben anfangen willst. Das ist gut f\u00fcr dich und f\u00fcr die, mit denen du lebst.<\/li>\n<li>Es gibt einen Segenskreislauf der Barmherzigkeit. Er zeigt sich in gegenseitiger Wertsch\u00e4tzung, im Leben in Gemeinschaft und einer Kultur des Vertrauens. Der Bauplan der Welt leitet sich ab aus biblischen Hoffnungen auf ein Miteinander von Starken und Schwachen.<\/li>\n<li>Gerechtigkeit eignet sich als Leitbild f\u00fcr die Welt, in der wir leben. Sie ist eine Frage der Beziehung zu Gott und zu anderen Menschen. Wir k\u00f6nnen diese Beziehungen so gestalten, dass wir einander in unserer Gemeinschaft gerecht werden. Mit Blick f\u00fcr das Ma\u00df, einer Ethik der Grenze, des Genug, kann es ein gutes Leben f\u00fcr alle geben.<\/li>\n<li>Zum Frieden geh\u00f6rt der Mut, Konflikte gewaltfrei zu l\u00f6sen \u2013 im pers\u00f6nlichen Umfeld wie in internationalen Konflikten. Waffen sind keine L\u00f6sung, sondern das Problem. In den Seligpreisungen entwirft Jesus eine Kontrastgesellschaft, die f\u00fcr uns Provokation und Leitfaden sein kann, auch im politischen Handeln.<\/li>\n<li>Wenn wir uns als Teil der Sch\u00f6pfung verstehen, ist das einerseits eine Frage der Spiritualit\u00e4t. Gleichzeitig hat ein solches Selbst- und Weltverst\u00e4ndnis im Alltag konkrete Konsequenzen, angefangen bei einer \u201ePolitik mit dem Einkaufskorb.\u201c Wir treffen t\u00e4glich Entscheidungen, die weitreichende Auswirkungen haben.<\/li>\n<li>Kinder sind eine Lebenslust, das d\u00fcrfen Eltern erleben, das kann eine Gesellschaft pr\u00e4gen. Kinder sind ein Segen, das sollen sie sp\u00fcren und sich entfalten k\u00f6nnen. Da gilt es, gegen die Muster in den K\u00f6pfen anzutreten und flexible Freir\u00e4ume zu schaffen, in denen Familie gestaltet werden kann.<\/li>\n<li>Sterbende sind kein Tabu und der Tod ist kein hoffnungsloser Fall \u2013 wagen wir, dar\u00fcber zu reden! Wie will ich sterben? Wie k\u00f6nnen Sterbende in W\u00fcrde begleitet werden? Das sind die Themen, denen wir nicht ausweichen d\u00fcrfen.<\/li>\n<li>Liebe und Beziehungen sind nicht statisch. Wer sich darauf einl\u00e4sst, macht sich verletzbar. Aber es lohnt sich, in sie zu investieren, damit wir das Gewebe st\u00e4rken, das unsere Gesellschaft zusammenh\u00e4lt. Da geht es um Familie, Ehe und Partnerschaft, aber auch um Vertrauen und Freundschaft.<\/li>\n<li>Es gibt kein \u201eDie\u201c und \u201eWir\u201c, sondern nur \u201eUns\u201c in unserem Land, in unserer Welt. Hier k\u00f6nnen wir in einer Vielfalt von Kulturen und Religionen zusammenleben, wenn wir gemeinsam das Recht achten und die errungene Freiheit offensiv verteidigen.<\/li>\n<\/ol>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eIhr seid das Licht der Welt\u201c, sagt Jesus zu seinen J\u00fcngern und mutet ihnen zu, das der Welt auch zu zeigen, \u201edamit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen\u201c. Um diesen Zusammenhang geht es Margot K\u00e4\u00dfmann, nicht um blo\u00dfes Gutmenschentum, sondern um eine an der biblischen Botschaft orientierte Lebenspraxis, die sich im Alltag und in den kleinen Dingen und Begegnungen zeigt und dann, wie ein Stein, der ins Wasser f\u00e4llt, weite Kreise zieht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; Margot K\u00e4\u00dfmann, Mehr als ja und amen. 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