{"id":383,"date":"2015-08-21T08:24:03","date_gmt":"2015-08-21T06:24:03","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=383"},"modified":"2015-08-21T08:24:21","modified_gmt":"2015-08-21T06:24:21","slug":"grenzgaenger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=383","title":{"rendered":"Grenzg\u00e4nger"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/42487544z.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-384\" src=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/42487544z-205x300.jpg\" alt=\"42487544z\" width=\"205\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/42487544z-205x300.jpg 205w, https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/42487544z.jpg 325w\" sizes=\"auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Eugen Drewermann, Grenzg\u00e4nger, Patmos 2015, ISBN 978-3-8436-0663-9<\/p>\n<p>Was ein Rebell ist, ein Verbrecher oder Held, entscheidet oft genug die Gunst der Umst\u00e4nde oder die Ungunst der Verh\u00e4ltnisse; doch was ein Mensch ist, darf nicht abh\u00e4ngen von Gl\u00fcck oder Ungl\u00fcck, es muss sich entscheiden an der Art seiner Pers\u00f6nlichkeit.<\/p>\n<p>Wer also war, wer ist dann zum Beispiel Prometheus?<\/p>\n<p>Aus Mitleid mit dem Leid der Menschen lehnte er sich auf gegen die Grausamkeit des Gottes<\/p>\n<p>Zeus, und der warf ihn hinunter in den Tartaros, \u2013 die Vorstellung des Teufels und der H\u00f6lle stammt aus solchen Bildern. Doch darf sich das Christentum bei derartigen Anschauungen beruhigen? War Jesus selbst nicht ein Rebell, der hingerichtet wurde im Namen Gottes als ein am Holz Verfluchter? Dass jemand furchtbar leidet, spricht ihn nicht auch schon schuldig.<\/p>\n<p>Der Geist der Aufkl\u00e4rung, doch auch der Titanismus des Industriezeitalters im 19. Jahrhundert, erkannte sich in der Gestalt eines Prometheus wieder. In Sisyphos sah der franz\u00f6sische Existentialismus die Grundbefindlichkeit des Daseins im Absurden dargestellt. In Tantalos k\u00f6nnte die heutige Konsumgesellschaft ihren Spiegel vorgehalten finden.<\/p>\n<p>Alle in den Tartaros Geworfenen warten darauf, erl\u00f6st zu werden, indem man versteht, woran sie leiden. Ihre Konflikte sind uneingeschr\u00e4nkt die unseren, und sie ergeben sich, solange dieSph\u00e4re des G\u00f6ttlichen sich im unendlichen Abstand zu den Menschen h\u00e4lt.<\/p>\n<p>Das Rad des Ixion, der Fluch des Sisyhos\u2013 sie sind die unvermeidbare Folge einer verzweifelten Suche des Unendlichen im Endlichen. All die Gestalten der griechischen Mythen sind Fragen an unser eigenes Leben und die Art unseres Umgangs mit menschlicher Not.<\/p>\n<p>Welche Wege gibt es, sie von ihrem Ungl\u00fcck zu befreien? Diese Frage f\u00fchrt Drewermann zum Kern der christlichen Botschaft: \u201edas Verlangen nach einem Leben ewiger Liebe und ewigen Gl\u00fccks ist erf\u00fcllbar einzig in der Gnade und in der Treue eines Gottes, der den Menschen Unsterblichkeit schenkt. Der Mythos der Heiligen Hochzeit hat recht: Menschen besitzen Unsterblichkeit nicht als Zustand des Seins, doch wird sie ihnen zuteil als Gabe des Himmels. Gerade vor der dunklen Folie antiker Mythen erscheint so zu glauben als die wichtigste Voraussetzung eines gelingenden Daseins. Die Unsterblichkeit der Liebe und die Ewigkeit Gottes \u2013 sie beide schlie\u00dfen sich zur Gestalt eines Schl\u00fcssels zusammen, der allein die ehernen Tote des Tartaros f\u00fcr immer zu \u00f6ffnen vermag.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Eugen Drewermann, Grenzg\u00e4nger, Patmos 2015, ISBN 978-3-8436-0663-9 Was ein Rebell ist, ein Verbrecher oder Held, entscheidet oft genug die Gunst der Umst\u00e4nde oder die Ungunst der Verh\u00e4ltnisse; doch was ein Mensch ist, darf nicht abh\u00e4ngen von Gl\u00fcck oder Ungl\u00fcck, es muss sich entscheiden an der Art seiner Pers\u00f6nlichkeit. 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