{"id":3917,"date":"2017-03-20T13:27:23","date_gmt":"2017-03-20T11:27:23","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=3917"},"modified":"2017-03-20T13:27:23","modified_gmt":"2017-03-20T11:27:23","slug":"gott-ist-nicht-schuechtern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=3917","title":{"rendered":"Gott ist nicht sch\u00fcchtern"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/46991690z.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-3918\" src=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/46991690z-189x300.jpg\" alt=\"\" width=\"189\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/46991690z-189x300.jpg 189w, https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/46991690z.jpg 264w\" sizes=\"auto, (max-width: 189px) 100vw, 189px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Olga Grjasnowa, Gott ist nicht sch\u00fcchtern, Aufbau Verlag 2017, ISBN 978-3-351-03665-2<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In ihrem neuen Roman erz\u00e4hlt Olga Grjasnowa die Geschichte von zwei jungen Menschen aus Syrien, die Geschichte von Amal und Hammoudi. Zweimal im Laufe des Buches begegnen sie einander kurz, nehmen einander wohlwollend wahr, doch was vielleicht eine ganz neue gemeinsame Geschichte h\u00e4tte werden k\u00f6nnen, verliert sich bis kurz vor dem Ende aus den Augen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In wechselnden Kapiteln verfolgt die Autorin die beiden und sie beginnt mit dem Ausbruch der syrischen Revolution. Amal\u00a0 feiert gerade ihre ersten Erfolge als Schauspielerin und hofft auf weitere Erfolge und tr\u00e4umt von kommendem Ruhm. So wie viele andere sp\u00fcrt sie, dass das Assad-Regime all diese kulturelle Vielfalt zerst\u00f6ren und das Land mit seinem Islamismus \u00fcberziehen will.\u00a0 Unter gro\u00dfen\u00a0 Bedenken ihrer wohlhabenden Eltern nimmt sie an Protesten teil und schlie\u00dft sich dem Widerstand an.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In den kommt auch Hammoudi, ebenfalls aus gebildetem und wohlhabendem Haus, als er in Paris gerade sein Medizinstudium beendet hat und in einem der besten Krankenh\u00e4user dort eine Stelle bekommen hat. F\u00fcr die Verl\u00e4ngerung seines Passes muss er noch einmal kurz in die Heimat nach Syrien zur\u00fcck. Doch dort wird er festgehalten und darf das Land nicht mehr verlassen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Grjasnowa beschreibt in einer n\u00fcchternen Sprache, die unter die Haut geht, wie zwei junge Menschen unabh\u00e4ngig voneinander k\u00e4mpfen f\u00fcr ihr Land und f\u00fcr die Revolution, und wie sie blutig und brutal erstickt wird.<\/p>\n<p>Ihr Ton ist direkt, fast berichtend. Das wird noch intensiver durch die Tatsache, dass\u00a0 die Autorin im Pr\u00e4sens schreibt. Verheiratet mit einem syrischen Mann, wollte Olga Grjasnowa mehr und mehr \u00fcber dieses Land und das Schicksal seiner Menschen, vor allem auch die Arbeit der vielen \u00c4rzte im B\u00fcrgerkrieg wissen. Sie verfolgt die Geschichten von Amal und Hammoudi, und bringt so dem Leser eine Wirklichkeit nahe, die schon seit etlichen Jahren mit den Fl\u00fcchtlingen auch in unser Land kam, den\u00a0 meisten von uns jedoch fremd geblieben ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auch Amal und Hammoudi m\u00fcssen unabh\u00e4ngig voneinander irgendwann das Land verlassen und dann mit Schlepperbooten das Mittelmeer \u00fcberqueren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Roman bringt am Beispiel zweier Menschen und ihre Familien und Freunde dem deutschen Leser die ganze Problematik in Syrien n\u00e4her, als das die herk\u00f6mmlichen Medien tun k\u00f6nnen. Es ist die traurige Geschichte von Leid, Verfolgung, Tod und \u00dcberleben, wie sie sich immer wieder abspielt und immer wieder abspielen wird, allen \u201eNie wieder!\u201c \u2013 Parolen zum Trotz.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Olga Grjasnowa ergreift keine Partei, wenn sie die innersyrischen Auseinandersetzungen auch unter den Oppositionellen schildert, sie beschr\u00e4nkt sich auf das Erz\u00e4hlen dessen, was sie in unz\u00e4hligen Gespr\u00e4chen nicht nur mit ihrem Mann, sondern auch mit vielen Gefl\u00fcchteten erfahren hat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es ist allein jene unb\u00e4ndige Kraft des \u00dcberlebenwollens, was dieses Buch Hoffnung ausstrahlen l\u00e4sst. Bei dem Zustand ihres Landes und dem Stillstand in der internationalen Bem\u00fchungen um eine Friedensl\u00f6sung, m\u00fcssen sich all die Gefl\u00fcchteten auf ein langes Exil einstellen, \u00e4hnlich wie das Hisham Matar eben in seinem Buch \u201eDie R\u00fcckkehr\u201c eindrucksvoll und schmerzhaft am Beispiel seiner libyschen Familie beschrieben hat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; Olga Grjasnowa, Gott ist nicht sch\u00fcchtern, Aufbau Verlag 2017, ISBN 978-3-351-03665-2 &nbsp; In ihrem neuen Roman erz\u00e4hlt Olga Grjasnowa die Geschichte von zwei jungen Menschen aus Syrien, die Geschichte von Amal und Hammoudi. 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