{"id":4813,"date":"2017-08-31T14:11:38","date_gmt":"2017-08-31T12:11:38","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=4813"},"modified":"2017-08-31T14:11:38","modified_gmt":"2017-08-31T12:11:38","slug":"der-sandmaler","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=4813","title":{"rendered":"Der Sandmaler"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/48011891z.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-4814\" src=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/48011891z-184x300.jpg\" alt=\"\" width=\"184\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/48011891z-184x300.jpg 184w, https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/48011891z.jpg 257w\" sizes=\"auto, (max-width: 184px) 100vw, 184px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Henning Mankell, Der Sandmaler, Zsolnay 2017, ISBN 978-3-552-05854-5<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zwei Jahre nach dem Tod des gro\u00dfen schwedischen Schriftstellers Henning Mankell ver\u00f6ffentlicht sein Hausverlag Zsolnay in Wien sein allererstes in Schweden 1974 schon erschienenes Buch \u201eDer Sandmaler\u201c. In diesem Buch verarbeitet der junge Henning Mankell die Eindr\u00fccke, die er auf seiner ersten Afrikareise machte, die ihn 1971 nach Guinea-Bissau f\u00fchrte, das zu diesem Zeitpunkt noch eine portugiesische Kolonie war. Aus seinen Tagebuchaufzeichnungen entstand zwei Jahre sp\u00e4ter der Roman \u201eDer Sandmaler\u201c, in dem die Themen aller sp\u00e4ter folgenden Afrikaromane Mankells und sein sp\u00e4teres Engagement mit seinem Theaterprojekt in Maputo schon angelegt sind. Leider haben diese B\u00fccher bei weitem nicht den gro\u00dfen Erfolg gehabt, wie seine Wallander-Romane, aber vielleicht werden sie l\u00e4nger gelesen werden als diese.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Konnte man in den beiden letzten B\u00fcchern von Henning Mankell \u201eTreibsand\u201c und \u201eDie schwedischen Gummistiefel\u201c den sich selbst todkrank wissenden Schriftsteller bei einer einzigartigen literarischen Bilanz seines Lebens und seiner Erfahrungen begleiten, kann der Leser von \u201eDer Sandmaler\u201c Mankells erste zugegebenerma\u00dfen noch etwas unsicheren Schritte als Schriftsteller mitgehen. 23 Jahre war er damals alt und doch schon in der Lage, mittels seiner Hauptfiguren Wesentliches einzufangen von Afrika und dem Kolonialismus, das er dann sp\u00e4ter auf viel tieferem Niveau und mit immer erfahrener literarischer Kunst beschrieben hat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Elisabeth und Stefan, die sich schon seit einiger Zeit kennen, treffen sich zuf\u00e4llig auf dem Flughafen, weil sie die gleiche Reise nach Westafrika gebucht haben. In einem Land, das ohne Namen bleibt, wollen sie zwei Wochen Urlaub machen und viel im Meer baden. Auch an Bord ist Sven, den Mankell als m\u00e4nnlichen Gegenpart zu dem nur auf Genuss und Lustgewinn bedachten voller rassistischer Vorurteile steckenden Stefan zeichnet. Er hat eine ziemlich klare Analyse, kritisiert den Kolonialismus und den Kapitalismus, die die Menschen dort so arm halten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Elisabeth, mit der sich Mankell stark identifiziert, bem\u00fcht sich, die Menschen, die sie dort trifft, die Br\u00e4uche und ihre Lebenseinstellungen wirklich kennenzulernen und zu achten. Sie trifft auf Ndou, einen kleinen Jungen, der ihr seine Dienste anbietet, und mit dem sie so etwas wie eine Freundschaft entwickelt. Auch seiner gro\u00dfen Schwester Yene kommt sie n\u00e4her, und verachtet sie auch nicht, als sie mitbekommt, dass Sven mit diesem M\u00e4dchen, das sich ihm aus Not angeboten hat, sexuellen Verkehr hat.<\/p>\n<p>Aus vielen kleinen Episoden zusammengesetzt, die die einzelnen Personen einzeln oder in wechselnden Konstellationen zusammen erleben, ergibt sich ein\u00a0 beeindruckend vielf\u00e4ltiges Panorama aus Eindr\u00fccken und Erfahrungen. Mankell will schon hier eine Botschaft senden, der er sp\u00e4ter sein halbes Leben widmen sollte, n\u00e4mlich Menschen mit anderen kulturellen Wurzeln mit Achtung und Respekt aufgeschlossen zu begegnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der \u00a0&#8222;Sandmaler&#8220;, der dem Buch seinen Titel gab, ist ein etwa Zwanzigj\u00e4hriger junger Mann, auf dessen in den Sand gemaltes Portr\u00e4t Elisabeth eines Tages trifft. Der junge Mann beobachtet sie, malt dann in Minutenschnelle ein Portr\u00e4t Elisabeths und schreibt zwei S\u00e4tze in den Sand. \u201eDie Zukunft ist ein sozialistisches Afrika\u201c und\u00a0 \u201eDer Sozialismus rettet auch euch\u201c.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Damals, so denke ich, war auch Henning Mankell noch dieser Meinung. Heute wissen wir, dass dieses Modell Afrika nicht das gebracht hat, was es braucht, und es scheint, als st\u00fcnde der Kontinent noch immer am Anfang. Wenn Angela Merkel sagt, Afrika wird uns noch jahrzehntelang besch\u00e4ftigen, dann ist das richtig und das nicht nur wegen der Millionen von Menschen, die aus mangelnder Perspektive diesen Kontinent in Richtung Europa verlassen wollen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eDer Sandmaler\u201c ist noch l\u00e4ngst nicht das literarische Meisterst\u00fcck, das Mankells sp\u00e4tere Werke auszeichnet. Es zeigt aber die Anf\u00e4nge eines Schriftstellers, der wie kaum ein anderer sein literarisches unerm\u00fcdliches Schaffen mit einem nicht weniger engagierten politischen Engagement vor Ort verband.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; Henning Mankell, Der Sandmaler, Zsolnay 2017, ISBN 978-3-552-05854-5 &nbsp; Zwei Jahre nach dem Tod des gro\u00dfen schwedischen Schriftstellers Henning Mankell ver\u00f6ffentlicht sein Hausverlag Zsolnay in Wien sein allererstes in Schweden 1974 schon erschienenes Buch \u201eDer Sandmaler\u201c. 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