{"id":5092,"date":"2017-11-08T12:44:15","date_gmt":"2017-11-08T10:44:15","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=5092"},"modified":"2017-11-08T12:44:15","modified_gmt":"2017-11-08T10:44:15","slug":"ermordung-des-gluecks-ein-fall-fuer-jakob-franck-hoerbuch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=5092","title":{"rendered":"Ermordung des Gl\u00fccks. Ein Fall f\u00fcr Jakob Franck (H\u00f6rbuch)"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/48071294z.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-5093\" src=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/48071294z-300x300.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/48071294z-300x300.jpg 300w, https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/48071294z-150x150.jpg 150w, https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/48071294z.jpg 475w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Friedrich Ani, Ermordung des Gl\u00fccks. Ein Fall f\u00fcr Jakob Franck, H\u00f6rbuch Hamburg 2017, ISBN 978-3-86952-364-4<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Selbst versierte Krimileser k\u00f6nnten wahrscheinlich nicht auf Anhieb sagen, wieviel verschiedene Ermittlerfiguren der Schriftsteller Friedrich Ani im Laufe seiner langen\u00a0 literarischen T\u00e4tigkeit schon erfunden hat. Am bekanntesten ist wohl der Kommissar Tabor S\u00fcden, den Ani zuletzt aus dem Ruhestand noch in einigen B\u00fcchern ermitteln lie\u00df. Wahrscheinlich auch deshalb, weil diese Serie \u00fcber ein Dutzend B\u00fccher \u00fcber einen Zeitraum von fast zwei Jahrzehnten umfasste. An so manchen Ermittler, der danach folgte, und den Ani meist schon nach zwei oder drei B\u00fcchern durch einen anderen ersetzte, erinnert sich kaum noch jemand, was schade ist, denn jeder dieser M\u00e4nner hatte eine au\u00dfergew\u00f6hnliche Lebensgeschichte, wie sie nur Ani erfinden kann und alle einte sie eine Ermittlungsmethode, die man so bei kaum einem anderen Polizisten in der Krimiszene findet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Anis Ermittler setzen sich selbst auf Spiel. Selbst jeweils auf unterschiedliche Arten aus der Welt gefallen und ihr eigenes Leben und seine Geschichte verloren glaubend, sind sie auf eigent\u00fcmliche Weise in der Lage, das Schicksal der T\u00e4ter und ihrer Opfer auf eine fast k\u00f6rperliche Art zu sp\u00fcren und zu erleben, die sie w\u00e4hrend ihre Ermittlungen nicht selten selbst an deren Rand des Todes bringt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ani l\u00e4sst sie mit Regelm\u00e4\u00dfigkeit auf Menschen treffen, die auf irgendeine Weise sich selbst verloren gegangen sind. Unsichtbar geworden, leben sie mitten unter uns und Ani gibt ihnen durch seine Kommissare und ihre absolut ungew\u00f6hnliche Art, Kriminalf\u00e4lle zu l\u00f6sen, ihr Gesicht, ihre Geschichte und ihre Menschenw\u00fcrde zur\u00fcck.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sein neuer Ermittler Jakob Franck, den Ani nun schon in einem zweiten Fall pr\u00e4sentiert, ist so ein Sucher nach Verlorenem und Verschwundenem. Seit einiger Zeit im Ruhestand, hat er sich dort noch gar nicht recht eingerichtet, glaubt aber endlich ein Leben\u00a0 jenseits der Toten\u00a0 beginnen zu k\u00f6nnen, nachdem er \u00fcber viele Jahre in seinem Dezernat sozusagen der Spezialist f\u00fcr die \u00dcberbringung von Todesnachrichten war, und das auch nach eigener Einsch\u00e4tzung immer ziemlich gut gemacht hat. So wie viele seiner Vorg\u00e4nger lebt Jakob Franck allein, nachdem nicht nur sein\u00a0 Job als Polizist seine Ehe scheitern lie\u00df. Schon in seinem ersten Fall, \u201eDer namensloseTag\u201c, f\u00fcr den Ani v\u00f6llig zu Recht den Deutschen Krimipreis erhielt, f\u00fchrten ihn seine Ermittlungen nicht nur in die Katakomben seiner eigenen\u00a0 Vergangenheit, sondern auch auf eine ganz besondere Weise zur\u00fcck in eine Verbindung zu seiner Ex-Frau Marion Siedler, die einzige Frau, die ihn wirklich kennt und versteht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auch im neuen Fall wird Jakob Franck schmerzlich mit seiner eigenen Vergangenheit konfrontiert. Als nach 34 Tagen, in dem der 11-j\u00e4hrige Lennard Grabbe vermisst wird, seine Leiche gefunden wird, \u00fcberbringt Franck den verzweifelten Eltern die Nachricht und bleibt die ganze Nacht bei ihnen, schweigend und schon hier mit der schmerzlichen Erinnerung an seine eigene in der Jugend ermordete Schwester konfrontiert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Obwohl Franck alle Protokolle der Mordkommission, die ihn wieder um Unterst\u00fctzung gebeten hat, durchgeht, und alle Zeugen erneut befrag, fehlt vom M\u00f6rder jede Spur. Mit vielen Details, die Franck so herausfindet, baut Ani eine richtige Spannung auf. Auch die umfangreiche Beschreibung des seelischen Zustandes der Eltern des Jungen und eines, wie Jakob Franck bald richtig vermutet, Geheimnisses, das den Onkel von Lennard mit dessen Mutter Tanja verbindet, unterscheidet Anis Stil und literarische Technik von den meisten anderen Kriminalromanen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>W\u00e4hrend etwa ein Gerichtsmediziner v\u00f6llig ohne Emotionen arbeitet, setzt sich Franck seinen eigenen Emotionen und denen der Menschen, denen er begegnete, bedingungslos aus. Ani beschreibt das so:<\/p>\n<p>\u201eWas Franck meinte, war sein ureigenes, professionelles, wenn n\u00f6tig r\u00fccksichtsloses Zerst\u00fcckeln der Umst\u00e4nde, das Ausgraben halbverwester Wahrheiten,\u00a0 das Offenlegen ebenso verst\u00e4ndlicher wie oftmals schmutziger \u00dcberlebenstricks. Die Aufkl\u00e4rung eines Mordes oder eines zwielichtigen Todes bedeutete, dass ein Kommissar das Recht hatte, die Welt des Menschen, der gewaltsam gestorben war, von Grund auf zu ersch\u00fcttern und deren Bewohnern so lange mit unnachgiebiger Genauigkeit ihre Gewohnheiten zu entrei\u00dfen, bis sie nackt in der K\u00e4lte standen und sich ihrer Erb\u00e4rmlichkeit bewusst wurden. Erst von diesem Moment an \u2013 davon war Franck \u00fcberzeugt \u2013 gelangte das Opfer auf den Weg zum ewigen Frieden.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>So wie viele seine Vorg\u00e4nger ist Franck nicht religi\u00f6s, hat aber immer einen Zugang zu den spirituellen Dimensionen des Lebens und den s\u00fcndhaften Abgr\u00fcnden menschlicher Existenz. Er n\u00e4hert sich ihnen mit einer von ihm selbst entwickelten\u00a0 Methode, die er\u00a0 \u201eGedankenf\u00fchligkeit\u201c nennt, und die ihm ungeahnte Einblicke in die Gedanken- und Gef\u00fchlswelt nicht nur der Menschen, denen er begegnet, vermittelt, sondern auch und gerade in seine eigene.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das macht ihn in manchen Situationen zum Therapeuten und Seelsorger, bringt ihn aber keinen Meter von seinem eingeschlagenen Weg ab. Ein Weg, der ihn Kraft kostet, aber ihn sehr nah kommen l\u00e4sst, dem, was Ani seit vielen Jahren besch\u00e4ftigt: der Essenz des Lebens und des Leidens.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im neuen Fall wird von Ani die spirituelle Dimension dieser Essenz ganz besonders betont. Das \u00fcberraschende Ende des Buches ist meiner nach ernst gemeint und dr\u00fcckt eine leidenschaftliche und unzerst\u00f6rbare Hoffnung aus auf gelingendes und vers\u00f6hntes Leben, auch nach dem Tod.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die hier vorliegende gek\u00fcrzte Lesung, die von dem Schauspieler August Zirner hervorragend eingespielt wurde, fasziniert durch ein erstaunliches Gesp\u00fcr f\u00fcr Anis mannigfaltigen Zwischent\u00f6ne und hat die Tiefen des Buches und der Pers\u00f6nlichkeit von Jakob Franck sensibel eingefangen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; &nbsp; Friedrich Ani, Ermordung des Gl\u00fccks. 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