{"id":5232,"date":"2017-11-29T11:33:57","date_gmt":"2017-11-29T09:33:57","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=5232"},"modified":"2017-11-29T11:33:57","modified_gmt":"2017-11-29T09:33:57","slug":"ein-mensch-brennt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=5232","title":{"rendered":"Ein Mensch brennt"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/47731547z.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-5233\" src=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/47731547z-191x300.jpg\" alt=\"\" width=\"191\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/47731547z-191x300.jpg 191w, https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/47731547z.jpg 302w\" sizes=\"auto, (max-width: 191px) 100vw, 191px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nicol Ljubic, Ein Mensch brennt, DTV 2017, ISBN 978-3-423-28130-0<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Autor des vorliegenden Romans, Nicol Ljubic, schaffte es nach mehreren Auszeichnungen f\u00fcr seine Reportagen im Jahr 2011 mit seinem Roman \u201eMeeresstille\u201c auf die Longlist f\u00fcr den Deutschen Buchpreis. Danach h\u00f6rte man lange wenig von ihm. Das lag daran, dass er insgesamt 5 lange Jahre an dem nun erschienenen Roman \u201eEin Mensch brennt\u201c gearbeitet hat, ein\u00a0 Roman, der zwischen 1975 und 1977 spielt, auf dem Hintergrund der Zeit, die man sp\u00e4ter als den Deutschen Herbst bezeichnete und der anhand einer Familiengeschichte das Leben des Umweltaktivisten Hartmut Gr\u00fcndler schildert. Der Rezensent kann sich selbst noch sehr gut nicht nur an jene bleiernen Jahre erinnern, sondern auch an Hartmut Gr\u00fcndler selbst, dessen Aktionen in der noch jungen Umwelt- und B\u00fcrgerinitiativbewegung nicht immer unumstritten waren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Erz\u00e4hlt wird die Geschichte von dem mittlerweile 44 j\u00e4hrigen Hanno Kelsterberg. Mittlerweile schon seit langer Zeit in therapeutischer Behandlung, versucht er Jahrzehnte sp\u00e4ter, jener dramatischen Geschichte auf die Spur zu kommen, die sein Leben nicht nur ver\u00e4ndert hat, sondern beinahe vollkommen zerst\u00f6rt h\u00e4tte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Hanno Kelsterberg war 1975 gerade einmal zehn Jahre alt, als seine Eltern dem T\u00fcbinger Lehrer Hartmut Gr\u00fcndler ein Zimmer in ihrem Haus vermieteten. Schon bald sollte dieser Einzug das Leben der Familie ver\u00e4ndern.\u00a0 Denn besonders Hannos Mutter wird schnell vom Denken Gr\u00fcndlers beeinflusst. Sie stellt die Ern\u00e4hrung der Familie auf die von Gr\u00fcndler bevorzugte Waerland-Kost um und kommt zum ersten Mal in ihrem Leben mit Politik und der Umweltschutzbewegung in Verbindung.<\/p>\n<p>Und weil sie sich schon bald insgeheim in den fanatischen Umweltaktivisten verliebt, tut sie alles f\u00fcr ihn und entfremdet sich ihrer Familie. Dass sie auch noch \u00fcber 3 Jahrzehnte nach Gr\u00fcndlers Selbstverbrennung am Bu\u00df- und Bettag 1977 in Hamburg ihn verteidigt und verbissen sein Andenken hochh\u00e4lt, muss der \u00fcber sein Leben schreibende Hanno ersch\u00fcttert feststellen, als er im Rahmen seiner Recherche seine sterbende Mutter besucht, und in Sachen Gr\u00fcndler nach wie vor keinen Zugang zu ihr findet.<\/p>\n<p>Es ist die Katastrophe von Fukushima, die 2011 den Autor Ljubic und damit seinen Ich-Erz\u00e4hler Hanno Kelsterberg auf die Idee kommen l\u00e4sst, auf dem Hintergrund des Deutschen Herbstes mit seinen dramatischen im Buch alle beschriebenen Vorkommnissen (RAF, Mogadishu, Schleyer-Entf\u00fchrung usw.) sich auf die Spurensuche nach Hartmut Gr\u00fcndler zu begeben, eingebettet in eine \u00fcberzeugend erz\u00e4hlte Familiengeschichte. Er schildert das, was im kleinen Hanno in den Jahren 1975 -1977 vorgeht genauso \u00fcberzeugend, wie die Suche des erwachsenen Hanno nach seiner Geschichte und der Bedeutung der Person Gr\u00fcndlers.<\/p>\n<p>Hanno versucht durch den R\u00fcckblick letztlich das ganze Buch hindurch\u00a0 zu verstehen, wie die schillernde Figur des Umweltaktivisten Hartmut Gr\u00fcndler mitverantwortlich war f\u00fcr das ihn und seine Kindheit zerst\u00f6rende Ende der Ehe seiner Eltern war.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Obwohl Ljubics Roman haupts\u00e4chlich in Vergangenheit spielt, hat er doch angesichts der nach wie vor bestehenden Bedrohungen der Umwelt durch Atomkraft und andere Gef\u00e4hrdungen und der intensiven Debatten, wie man sich dem entgegenstellen kann und welche Mittel dabei legitim sind eine aktuelle Bedeutung. Wieviel sind Menschen zu opfern bereit, um einer Idee zu folgen? Z\u00e4hlt das Wohl Einzelner, wenn\u00a0 das ganze Gemeinwohl auf dem Spiel steht?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Alte und immer sehr aktuelle Fragen, die Ljubic zwischen\u00a0 den Zeilen aufwirft und die seinen Roman nicht nur zu einem lehrreichen Zeitzeugnis machen, sondern auch zu einem gelungenen literarischen Beitrag \u00fcber die Bedeutung und die Grenzen politischen Engagements.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein auch sprachlich ansprechender Roman, den ich gerne empfehle. Er hat mich zur\u00fcckgef\u00fchrt in mein eigenes Denken und Handeln in jenen Jahren, als ich als Student auch in der damals noch jungen B\u00fcrgerinitiativbewegung aktiv war.<br \/>\n&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; Nicol Ljubic, Ein Mensch brennt, DTV 2017, ISBN 978-3-423-28130-0 &nbsp; Der Autor des vorliegenden Romans, Nicol Ljubic, schaffte es nach mehreren Auszeichnungen f\u00fcr seine Reportagen im Jahr 2011 mit seinem Roman \u201eMeeresstille\u201c auf die Longlist f\u00fcr den Deutschen Buchpreis. Danach h\u00f6rte man lange wenig von ihm. 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