{"id":533,"date":"2015-09-18T15:00:37","date_gmt":"2015-09-18T13:00:37","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=533"},"modified":"2015-09-18T15:00:37","modified_gmt":"2015-09-18T13:00:37","slug":"charlotte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=533","title":{"rendered":"Charlotte"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/42321939z.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-534\" src=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/42321939z-188x300.jpg\" alt=\"42321939z\" width=\"188\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/42321939z-188x300.jpg 188w, https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/42321939z.jpg 298w\" sizes=\"auto, (max-width: 188px) 100vw, 188px\" \/><\/a><\/p>\n<p>David Foenkinos, Charlotte, DVA 2015, ISBN 978-3-421-04708-3<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Charlotte Salomon, eine j\u00fcdische K\u00fcnstlerin, die 1943 in Auschwitz vergast worden ist, ist lange von der Kunstwelt und Kunstkritik kaum beachtet worden. Dabei h\u00e4tte sie neben Paula Modersohn-Becker, Marc Chagall und anderen in einem Atemzug genannt werden und zu einer der bedeutendsten K\u00fcnstlerinnen de 20. Jahrhunderts gez\u00e4hlt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Als der Schriftsteller David Foenkinos zum ersten Mal von ihr erf\u00e4hrt und ihre Bilder sieht, treibt die Lebensgeschichte dieser jungen Frau ihn um, sie raubt ihm nachts den Schlaf, wie er berichtet, und sie geistert durch viele seiner letzten und erfolgreichen Romane. \u201eDie Vorstellung, was aus ihr h\u00e4tte werden k\u00f6nnen, w\u00e4re sie nicht ihrer j\u00fcdischen Herkunft wegen von den Nazis ermordet worden, ist zum Verzweifeln.\u201c<\/p>\n<p>Jahrelange Recherchen f\u00fchren schlussendlich zu einem Roman, mit dem Foenkinos erfolgreich versucht, diesem Leben und dieser Lebensgeschichte gerecht zu werden. Es ist ein Roman geworden, der aus relativ kurzen S\u00e4tzen besteht, nach denen er jedes Mal eine neue Zeile beginnt. So entsteht ein sehr dichtes und unter die Haut gehendes Leseerlebnis, das Charlotte Salomon dem Leser ganz nahe kommen l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Charlotte Salomon wird 1917 als Tochter j\u00fcdischer Eltern in Berlin geboren und w\u00e4chst als einziges Kind einer b\u00fcrgerlichen Familie auf, deren Geschichte vom Dunkel zahlreicher Suizide \u00fcberschattet ist, die auch Charlotte eine tiefe Traurigkeit eingepr\u00e4gt haben. Als sie neun Jahre alt nimmt sich die Mutter das Leben und Charlotte wird fortan von wechselnden Kinderm\u00e4dchen betreut, von denen einzig das Fr\u00e4ulein Hase ihr Herz erreicht. Nach der Heirat des Vaters, eines angesehene Chirurgen mit der gefeierten Operns\u00e4ngerin Paula Lindberg gehen eine Zeitlang ber\u00fchmte K\u00fcnstler und Wissenschaftler bei den Salomons ein und aus. Doch die Machtergreifung der Nazis beendet das alles schlagartig. Der Vater verliert die Lehrbefugnis, die Stiefmutter ihre Engagements. Kurz vor dem Abitur muss Charlotte die Schule verlassen. Genau in dieser Zeit entdeckt sie ihre Begeisterung f\u00fcr die Malerei und findet in ihr einen Weg, der d\u00fcsteren Wirklichkeit zu entfliehen. Foenkinos beschreibt das so:<\/p>\n<p>&#8222;K\u00fcnstler erreichen in ihrem Leben einen bestimmten Punkt.<br \/>\nEinen Punkt, an dem sich eine innere Stimme zu Wort meldet.<br \/>\nEtwas in ihnen breitet sich unaufhaltsam aus, wie Blutstropfen im Wasser.&#8220;<\/p>\n<p>Als eine der letzten J\u00fcdinnen wird sie 1935 an der Berliner Kunstakademie zugelassen, doch 1939 muss sie zu den Gro\u00dfeltern nach Villefranche in S\u00fcdfrankreich fliehen. Dort malt sie wie im Rausch einen Zyklus mit \u00fcber tausend Gouachen expressionistischen Stils, in denen sie ihr ganzes Leben erz\u00e4hlt. \u201eLeben? Oder Theater?\u201c betitelt sie dieses \u201eSingspiel\u201c, das sie 1942 mit den Worten \u201eDas ist mein ganzes Leben\u201c einem Vertrauten \u00fcbergibt.<\/p>\n<p>Das Versteck in Frankreich, wo sie gemeinsam mit ihrem Ehemann Alfred Nagel lebt, wird bald zum Verh\u00e4ngnis. Als die SS die schwangere Charlotte Salomon am 21. September 1943 abholt, ist sie 26 Jahre alt.<\/p>\n<p>Ihre Bilder sind heute im \u201eJoods Historisch Museum\u201c in Amsteramm ausgestellt. Dort hat sie Davoid Foenkino vor vielen Jahren gesehen und hat sie sp\u00e4ter zur Grundlage seines Romans gemacht, der ihm lange stilistisch Kopfzerbrechen bereitete:<\/p>\n<p>&#8222;Ich sp\u00fcrte st\u00e4ndig das Verlangen, eine neue Zeile zu beginnen.<br \/>\nUm durchatmen zu k\u00f6nnen.<br \/>\nIrgendwann begriff ich, dass ich das Buch genau so schreiben muss&#8220;.<\/p>\n<p>Jede Zeile ein Satz. Es ist ihm damit ein \u00fcberaus lebendiges Portr\u00e4t gelungen. In seinem literarischen Andenken meldet sich Foenkinos immer wieder selbst zu Wort und gibt Rechenschaft \u00fcber seine Arbeit als Autor. Er \u00fcberwindet Konzeptionen und g\u00e4ngige Normen f\u00fcr eine Biografie und schafft so ein eigenes Kunstwerk, das dem der Charlotte Salomon gerecht wird.<\/p>\n<p>Seine poetisch-reduzierte Sprache, seine hohe Emotionalit\u00e4t, seine Mischung von Tatsachen und Fiktion verschafft dem Leser ein einzigartiges Erlebnis. Die hohen Auflagen in Frankreich und die Auszeichnungen, die das Buch erhalten hat kommen nicht von ungef\u00e4hr.<\/p>\n<p>Ein ganz au\u00dfergew\u00f6hnliches Buch.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; David Foenkinos, Charlotte, DVA 2015, ISBN 978-3-421-04708-3 &nbsp; Charlotte Salomon, eine j\u00fcdische K\u00fcnstlerin, die 1943 in Auschwitz vergast worden ist, ist lange von der Kunstwelt und Kunstkritik kaum beachtet worden. 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