{"id":537,"date":"2015-09-19T14:10:11","date_gmt":"2015-09-19T12:10:11","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=537"},"modified":"2015-09-19T14:10:17","modified_gmt":"2015-09-19T12:10:17","slug":"ein-besonderer-junge","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=537","title":{"rendered":"Ein besonderer Junge"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/41770368z.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-538\" src=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/41770368z-188x300.jpg\" alt=\"41770368z\" width=\"188\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/41770368z-188x300.jpg 188w, https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/41770368z.jpg 298w\" sizes=\"auto, (max-width: 188px) 100vw, 188px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Philippe Grimbert, Ein besonderer Junge, DTV 2015, ISBN 978-3-423-14425-4<\/p>\n<p>Wenn ein Psychoanalytiker mit dem Schwerpunkt Jugendpsychiatrie beginnt Romane zu schreiben, dann muss man damit rechnen, dass er in seinen B\u00fcchern entsprechende Stoffe einbaut. Schon in seinem auch als Film ungeheuer erfolgreichen Buch &#8222;Ein Geheimnis&#8220;, in dem er seiner j\u00fcdischen Kindheit nachsp\u00fcrte, hat Grimbert mit \u00dcbertragungsph\u00e4nomenen gespielt.<\/p>\n<p>In \u201eEin besonderer Junge\u201c\u00a0 erz\u00e4hlt er die Geschichte eines jungen Mannes, der nach mehreren Versuchen nicht mit seinen Studien an der Universit\u00e4t klarkommt. Da sieht er eines Tages einen Aushang:<br \/>\n&#8222;Suche motivierten jungen Mann f\u00fcr die Betreuung eines besonderen Jugendlichen w\u00e4hrend eines Aufenthalts mit seiner Mutter in Horville (Calvados)&#8220;<\/p>\n<p>Wie elektrisiert notiert sich Louis die Angaben. Zwei W\u00f6rter haben es ihm angetan, ber\u00fchren etwas in ihm, was im Verlauf der Handlung n\u00e4her ausgef\u00fchrt wird. In Horville war das Sommerhaus, in dem Louis mit seiner Familie \u00fcber viele Jahre die Sommerferien verbrachte. Horville war der Ort einer jahrelangen tiefen Freundschaft zu Antoine, einem Jungen, dem sich Louis seelenverwandt f\u00fchlte. Und er stolpert \u00fcber das Wort &#8222;besonderen&#8220;.<\/p>\n<p>Indem er diesen Zettel liest, beginnt seine Erinnerung an seine Kindheit hervorzusprudeln, in der ihn sein Vater immer als einen &#8222;besonderen Jungen&#8220; bezeichnete. Louis trifft sich mit dem Vater des zu betreuenden Jugendlichen und f\u00e4hrt dann nach Horville, wo Iannis mit seiner Mutter eine Zeit verbringt, in der sie ihren neuen Roman fertig stellen will.<\/p>\n<p>Viele Helfer haben sich in den letzten Wochen und Monaten schon an der Betreuung des sechzehnj\u00e4hrigen Iannis verhoben und oft schon nach wenigen Tagen ihre Arbeit beendet. Louis wird auch bald klar, warum der stumme Junge nicht nur seiner Mutter eine solche Last ist. Doch er h\u00e4lt durch, baut langsam eine emotionale Beziehung zu dem Jungen auf, der in seinem Verhalten die kleinste Emotion, die in seiner Umgebung sp\u00fcrt, widerspiegelt.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst widersteht Louis auch den erotischen Avancen der Mutter, bis er sich sp\u00e4ter von ihr verf\u00fchren l\u00e4sst. Diese sexuellen Erfahrungen und die entsprechenden Kindheitserinnerungen an vorpubert\u00e4re Sexualit\u00e4t sind nur ein Strang eines Buch, das in kurzen Abschnitten erz\u00e4hlt und in kursiver Schrift den Protagonisten immer wieder in seine Kindheit und seine tiefe Freundschaft zu Antoine f\u00fchrt. Ja, ich wage zu behaupten, dass es diese &#8222;durchgearbeiteten&#8220; Erinnerungen sind, die Louis erm\u00f6glichen, eine immer stabilere Beziehung zu Iannis aufzubauen, von dem sich herausstellt, dass er hinter dem R\u00fccken seiner eher kalten Eltern schreiben und lesen gelernt hat. Und es ist die zugelassene Trauer um den Verlust seiner Kindheit und die Trennung von Antoine, die es ihm erm\u00f6glicht, am Ende auch Iannis gehen zu lassen, doch nicht bevor er etwas absolut Verr\u00fccktes tut und sich damit wohl f\u00fcr sein ganzes weiteres Leben befreit.<\/p>\n<p>Eine wunderbare, mit dichter Sprache erz\u00e4hlte Geschichte vom Erwachsenwerden und vom Anderssein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; &nbsp; Philippe Grimbert, Ein besonderer Junge, DTV 2015, ISBN 978-3-423-14425-4 Wenn ein Psychoanalytiker mit dem Schwerpunkt Jugendpsychiatrie beginnt Romane zu schreiben, dann muss man damit rechnen, dass er in seinen B\u00fcchern entsprechende Stoffe einbaut. 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