{"id":5579,"date":"2018-02-26T17:59:22","date_gmt":"2018-02-26T15:59:22","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=5579"},"modified":"2018-02-26T17:59:22","modified_gmt":"2018-02-26T15:59:22","slug":"es-war-einmal-eine-familie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=5579","title":{"rendered":"Es war einmal eine Familie"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/47731554z.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-5580\" src=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/47731554z-188x300.jpg\" alt=\"\" width=\"188\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/47731554z-188x300.jpg 188w, https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/47731554z.jpg 298w\" sizes=\"auto, (max-width: 188px) 100vw, 188px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Lizzie Doron, Es war einmal eine Familie, DTV 2017, ISBN 978-3-423-14602-9<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wie schon in Lizzie Dorons dritten ins Deutsche \u00fcbersetzten Roman &#8222;Der Anfang von etwas Sch\u00f6nem&#8220; handelt auch dieser vorliegende, in Israel schon 2002, also vor ihren bisherigen B\u00fcchern ver\u00f6ffentlichte Roman verfremdet von ihrer Kindheit im Tel Aviver Viertel Yad Elijahu, einem kleinen, aber geschlossen wirkenden Viertel, in das damals fast nur \u00dcberlebende der Konzentrationslager zogen.<br \/>\nSchon in ihrer autobiographischen Novelle &#8222;Warum bist du nicht vor dem Krieg gekommen?&#8220; hat die 1953 geborene Lizzie Doron von Yad Elijahu erz\u00e4hlt, von ihrer prinzipienfesten Mutter, die \u00fcber ihre Vergangenheit in den Lagern der Nazis wie so viele andere beharrlich schwieg. Doron hat erz\u00e4hlt von den Auftr\u00e4gen und Botschaften der Mutter, die wollte, dass die Tochter ihr Leben ganz auf die Zukunft ausrichtet. Dass ihre Tochter sich wom\u00f6glich f\u00fcr ein Leben im Kibbuz entscheiden k\u00f6nnte, war ihr ein schrecklicher Gedanke. Und doch kam es genauso.<\/p>\n<p>Dorons Figuren sitzen in ihren B\u00fcchern allesamt wie in einer Falle. So wie sie sie schildert, versucht sie nachzuweisen, dass es keinen &#8222;richtigen&#8220; Umgang mit dem Gedenken an die Shoa und ihre Opfer geben kann.<br \/>\nDie zweite Generation, aufgewachsen im auch aggressiv vorgetragenen Schweigen ihrer Eltern, hat f\u00fcr ihr ganzes Leben wirksame Besch\u00e4digungen erlitten, weil sie ihr Leben nur verstehen k\u00f6nnen als Trost f\u00fcr die Eltern.<\/p>\n<p>Lizzie Doron versucht mit ihren B\u00fcchern das Schweigen zu brechen. Es gibt niemand sonst, der in der Lage ist, die widerstrebenden Gef\u00fchle der Nachkommen der \u00dcberlebenden tiefer und schmerzhafter auszuloten. Man sp\u00fcrt der sensiblen und gelungenen \u00dcbersetzung Mirjam Presslers ab, welche unsagbare Anstrengung das Schreiben dieser B\u00fccher f\u00fcr Lizzie Doron bedeutet.<\/p>\n<p>Das vorliegende Buch muss sie wohl ganz besonders viel Kraft gekostet haben. Es ist der durch mit vielen Erinnerungen durchtr\u00e4nkte Bericht einer Schiwa, der einw\u00f6chigen Trauerzeit der Juden. Elisabeth, das Alter Ego von Lizzie Doron kommt Anfang der neunziger Jahre nach Yad Elijahu zur\u00fcck. Helena, ihre Mutter, die wir aus den bisher ver\u00f6ffentlichten B\u00fccher im J\u00fcdischen Verlag gut kennen, ist gestorben. Sie hat mit vielen alten \u00dcberlebenden der Shoah bis zu ihrem Tod in diesem Viertel gelebt, aus dem die Jungen fr\u00fcher oder sp\u00e4ter alle weggezogen sind, weil sie die Alptr\u00e4ume ihrer Eltern hinter sich lassen, endlich ein normales Leben f\u00fchren wollten.<\/p>\n<p>Doch viele dieser Kinder, mit denen Elisabeth damals aufgewachsen ist, haben im Jom-Kippur-Krieg ihr Leben verloren. Elisabeth will ihrer Mutter die letzte Ehre erweisen, und bleibt sieben Tage in ihrem Elternhaus. Die beiden uns ebenfalls schon aus den anderen B\u00fcchern bekannten Schiwa-Expertinnen Sonia und Genia unterst\u00fctzen sie dabei.<\/p>\n<p>Viele Nachbarn und Bekannte kommen ins Haus und bringen nicht nur Trost mit f\u00fcr Elisabeth, sondern auch ihre Geschichten und Erinnerungen. Indem sie, zun\u00e4chst etwas widerwillig, dann aber mehr und mehr sich fallen lassend in die tr\u00f6stende H\u00fclle einer Schiwa, all diesen Menschen zuh\u00f6rt und ihren bewegenden Geschichten lauscht, kehrt die lange f\u00fcr Elisabeth versunkene und verdr\u00e4ngte Welt ihrer Kindheit wieder zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Nach dem Ende der einw\u00f6chigen Trauerzeit hat Elisabeth eine f\u00fcr ihr weiteres Leben sehr wichtige Erkenntnis: sie, die nie eine andere Verwandte hatte als ihre Mutter, ist doch nicht ohne eine Familie aufgewachsen. Dieses Viertel, das in den f\u00fcnfziger und sechziger Jahren f\u00fcr unz\u00e4hlige \u00dcberlebende eine neue Wohnstatt wurde, in dem sie mehr oder weniger erfolgreich versuchten, sich ein neues Leben aufzubauen, dieses Viertel war einmal ihre Familie. Das wird ihr Kraft geben f\u00fcr ihr weiteres Leben ( und auch f\u00fcr Dorons B\u00fccher).<\/p>\n<p>Sonia sp\u00fcrt etwas davon, wenn sie mit j\u00fcdischem Witz am Ende des Buches sagt: &#8222;Die Schiwa war wirklich sehr gelungen, nur schade, dass Helena nicht dabei war.&#8220;<\/p>\n<p>In ihrem Vorwort schreibt Lizzie Doron:<br \/>\n&#8222;Und dieses Land, das mit seinen Toten schon seit vielen Jahren dahinstirbt, ist noch einmal auferstanden. Nur sieben Tagen war es noch einmal da, das unbekannte Land. Das Land, das mir Heimat und Familie war. Und das ist seine Geschichte.&#8220;<\/p>\n<p>Eine bewegende Geschichte aus der zweiten Generation der \u00dcberlebenden, die zeigt, dass es immer noch nicht vorbei ist &#8230;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; Lizzie Doron, Es war einmal eine Familie, DTV 2017, ISBN 978-3-423-14602-9 &nbsp; Wie schon in Lizzie Dorons dritten ins Deutsche \u00fcbersetzten Roman &#8222;Der Anfang von etwas Sch\u00f6nem&#8220; handelt auch dieser vorliegende, in Israel schon 2002, also vor ihren bisherigen B\u00fcchern ver\u00f6ffentlichte Roman verfremdet von ihrer Kindheit im Tel Aviver Viertel Yad &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=5579\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Es war einmal eine Familie<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":6,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-5579","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5579","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/6"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=5579"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5579\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5581,"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5579\/revisions\/5581"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=5579"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=5579"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=5579"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}