{"id":5669,"date":"2018-04-10T15:17:41","date_gmt":"2018-04-10T13:17:41","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=5669"},"modified":"2018-04-10T15:17:41","modified_gmt":"2018-04-10T13:17:41","slug":"olga-hoerbuch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=5669","title":{"rendered":"Olga (H\u00f6rbuch)"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/49489077z.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-5670\" src=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/49489077z-300x300.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/49489077z-300x300.jpg 300w, https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/49489077z-150x150.jpg 150w, https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/49489077z.jpg 473w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bernhard Schlink, Olga (H\u00f6rbuch), Diogenes 2018, ISBN 978-3-257-80391-4<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bernhard Schlink ist einer der vielseitigsten Schriftsteller im deutschsprachigen Raum. Mit seinem \u201eVorleser\u201c auch international ber\u00fchmt geworden, hat er seither zahlreiche Romane ver\u00f6ffentlicht, die in all ihrer Unterschiedlichkeit eines verband: die Liebe f\u00fcr Geschichten und Menschenschicksale im Rahmen deutscher Geschichte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u00dcber einen langen Zeitraum deutscher Geschichte spannt sich auch sein neuer Roman, in dem Bernhard Schlink die fiktive Lebensgeschichte\u00a0 von Olga Rink erz\u00e4hlt und ihrer lebenslangen schwierigen Liebe zu Herbert Schr\u00f6der, einem sozial h\u00f6her gestellten Mann, mit dem sie nie zusammenleben konnte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Schon als Kinder Endes des 19. Jahrhunderts waren sie zusammen und begr\u00fcndeten mit ihrer gegenseitigen Freundschaft eine Beziehung, aus der sp\u00e4ter ein Sohn namens Eik hervorgehen sollte, den Herbert aber nie kennenlernte. Zu oft und zu lange ist er immer wieder als Abenteurer unterwegs in der Welt, zun\u00e4chst in Afrika, wo er eine dunkle Rolle beim V\u00f6lkermord an den Hereros spielt, dann in Asien, sp\u00e4ter dann vorzugsweise in der Arktis, wo seine Faszination f\u00fcr die legend\u00e4re Nordostpassage ihn lange nicht los l\u00e4sst, bis er bei einer Expedition verloren geht und ihn mehrere nach ihm suchende Expeditionen nicht finden k\u00f6nnen. Olga macht gegen erhebliche Widerst\u00e4nde eine Ausbildung und arbeitet in verschiedenen D\u00f6rfern als Lehrerin.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Olga schreibt ihm postlagernde Briefe nach Tr\u00f6ms\u00f6 in Norwegen, wo er seine letzte Expedition nach Spitzbergen begann.\u00a0 Ihr Sohn Eik steigt schon vor dem 2. Weltkrieg zu einem hohen Nazischergen auf, was Olga gro\u00dfen Kummer macht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>All das wird erz\u00e4hlt von Ferdinand, einem pensionierten Beamten, in dessen Familie Olga nach dem Krieg als N\u00e4herin arbeitet. Seine Beziehung zu der alten Frau ist eng, sie liebt ihn wie einen eigenen Sohn. Der Erz\u00e4hler vermittelt dem Leser in einem ausf\u00fchrlichen zweiten Teil des Buches seinen pers\u00f6nlichen Eindruck der gealterten Olga, die ihm seit seiner Kindheit gern Geschichten \u00fcber Herberts Abenteuer erz\u00e4hlt und zu der er auch als Erwachsener Kontakt h\u00e4lt. Schon hier wundert man sich \u00fcber seine Kenntnis zahlreicher Details aus der Lebensgeschichte Olgas, \u00fcber deren Beschaffung er dann erz\u00e4hlt. Nach langen Recherchen gelingt es dem selbst schon gealterten Ferdinand in einem Antiquariat in Tr\u00f6ms\u00f6 einen Packen von postgelagerten Briefen zu erwerben, die wie durch ein Wunder all die Jahrzehnte \u00fcberdauert haben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Diese Briefe, die in einem dritten Teil des Buches abgedruckt sind, geben nun Olga selbst das Wort und der Leser erf\u00e4hrt von manchem neuen Aspekt ihrer langen Lebensgeschichte, die er vorher schon von Ferdinand, dem Erz\u00e4hler, erfahren hat. Wenn Ferdinand am Ende res\u00fcmiert, dann spricht da durchaus Bernhard Schlink selbst von seiner Begeisterung \u00fcber seine literarische Figur, f\u00fcr die es in seiner eigenen Lebensgeschichte vielleicht das eine oder andere Vorbild gegeben haben mag:<\/p>\n<p>\u201eIch war stolz auf sie. Welches Gl\u00fcck, wenn das Leben, das ein Mensch lebt, und die Verr\u00fccktheit, die er begeht, zusammenstimmen wie Melodie und Kontrapunkt! Und wenn beides nicht nur zusammenstimmt, sondern der Mensch es selbst zusammenf\u00fcgt. Die Melodie von Olgas Leben war ihre Liebe zu Herbert und ihr Widerstand gegen ihn, als Erf\u00fcllung und Entt\u00e4uschung. Nach dem Widerstand gegen Herberts Verr\u00fccktheit die verr\u00fcckte Geste, am Ende des stillen Lebens der laute Schlag &#8211; sie hatte den Kontrapunkt zur Melodie ihres Lebens gesetzt.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Olga ist ein lesenswerter und sprachlich anspruchsvoller Roman \u00fcber das Leben einer Frau zwischen Wirklichkeit, Sehnsucht und Aufbegehren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die hier als H\u00f6rbuch auf\u00a0 5 CDs vorliegende ungek\u00fcrzte Lesung von Burghart Klau\u00dfner besticht durch ihre Dichte und f\u00fchlt sich ganz hervorragend in die unterschiedlichen Personen ein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; Bernhard Schlink, Olga (H\u00f6rbuch), Diogenes 2018, ISBN 978-3-257-80391-4 &nbsp; Bernhard Schlink ist einer der vielseitigsten Schriftsteller im deutschsprachigen Raum. 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