{"id":5675,"date":"2018-04-10T15:21:31","date_gmt":"2018-04-10T13:21:31","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=5675"},"modified":"2018-04-10T15:21:31","modified_gmt":"2018-04-10T13:21:31","slug":"unter-der-drachenwand-hoerbuch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=5675","title":{"rendered":"Unter der Drachenwand (H\u00f6rbuch)"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/49489054z.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-5676\" src=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/49489054z-300x300.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/49489054z-300x300.jpg 300w, https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/49489054z-150x150.jpg 150w, https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/49489054z.jpg 475w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Arno Geiger, Unter der Drachenwand (H\u00f6rbuch), H\u00f6rbuch Hamburg 2018, ISBN 978-3-95713-120-1<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In seinem neuen Roman erz\u00e4hlt der \u00f6sterreichische Schriftsteller Arno Geiger von Menschen, die im Jahr 1944 in einem kleinen Ort namens Mondsee bei Salzburg zu F\u00fc\u00dfen der Drachenwand versuchen, in einer Atempause des Zweiten Weltkrieges zu sich selbst zu kommen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Hauptperson ist der ich-erz\u00e4hlende kriegsversehrte Soldat Veit Kolbe. An der Ostfront schwer verletzt worden, reist er auf Anraten eines Hauptmannes im Lazarett nach Mondsee aufs Land, wo ein Onkel von ihm, der dort als Postenkommandant Dienst tut, ihm eine Unterkunft verschafft. Kolbes Vermieterin ist eine b\u00f6sartige Frau, die ihm w\u00e4hrend seines gesamten Aufenthaltes das Leben schwer macht. Richtig gef\u00e4hrlich werden kann ihm allerdings der Mann der Vermieterin, ein fanatischer Nazi, der bei seinen Heimaturlauben alle mit Durchhalteparolen qu\u00e4lt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Veit Kolbe, so w\u00fcrde man es heute nennen, leidet unter einer posttraumatischen Belastungsst\u00f6rung, hat immer wieder Panikattacken und kann ohne das Medikament Pervitin nicht sein. Er hat auf dem Weg der Wehrmacht nach Osten alles gesehen, \u201ewas niemand sehen will\u201c. Massenerschie\u00dfungen von Juden, die wahllose Zerst\u00f6rung von D\u00f6rfern und die Liquidierung unz\u00e4hliger Zivilisten haben sich in sein Ged\u00e4chtnis eingebrannt und er wird die inneren Bilder einfach nicht los.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>So wie sein literarischer Sch\u00f6pfer selbst es einmal von sich sagte, versucht auch Veit Kolbe mit Schreiben diese Leerstellen des Grauens zu f\u00fcllen und zu bannen. Er hofft, dass sein Genesungsurlaub so lange dauern wird, bis der Krieg hoffentlich bald zu Ende ist, und tut auch einiges selbst dazu, um ihn\u00a0 immer wieder zu verl\u00e4ngern. Dennoch schwebt die drohende R\u00fcckkehr an die dann wohl sicher f\u00fcr ihn t\u00f6dliche Front wie ein Damoklesschwert \u00fcber ihm und bedroht die zarten Pfl\u00e4nzchen von Liebe, die mit der in der Wohnung neben ihm zusammen mit ihrem Baby wohnende Margot aus Darmstadt keimen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Langsam l\u00e4sst Arno Geiger ihre Beziehung sich entwickeln. \u00c4hnlich behutsam f\u00fchrt er sukzessive weitere Personen in seinen dichten Roman ein. Da sind die M\u00e4dchen im Lager Schwarzindien, die dort aus verschiedenen St\u00e4dten des Reichs gebracht wurden. Insbesondere das Schicksal des M\u00e4dchens Nanni Schaller bewegt ihn und seinen Erz\u00e4hler, denn als es spurlos verschwindet, sind nicht nur die Bewohner Mondsees ersch\u00fcttert, sondern auch der Cousin des M\u00e4dchens, dessen\u00a0 zahllose unbeantwortete Briefe von der Front an seine Freundin Geiger dokumentiert.\u00a0 Er wechselt auch immer wieder nach Darmstadt, der Heimat von Margot und l\u00e4sst deren Mutter, die ihr \u00dcberleben in einer von Bomben g\u00e4nzlich zerst\u00f6rten Stadt zu organisieren sucht, zu Wort kommen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und da ist der \u201eBrasilianer\u201c, ein aus Brasilien zur\u00fcckgekehrter Auswanderer und Bruder der garstigen und fanatischen Vermieterin. Veit Kolbe und Margit freunden sich mit dem regimekritischen Reformbiologen an, und f\u00fchren, als er wegen einer abf\u00e4lligen Bemerkung \u00fcber das Regime\u00a0 f\u00fcr sechs Monate in Haft kommt, sein Gew\u00e4chshaus weiter.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Doch der wichtigste Erz\u00e4hler neben Veit Kolbe ist wohl der j\u00fcdische Zahntechniker Oskar Meyer. Er ist mit seiner Familie nach langem Z\u00f6gern von Wien aus nach Budapest geflohen, wo er als Zwangsarbeiter zuf\u00e4llig auf Veit Kolbe trifft. Sonst allerdings gibt es keine Verbindung zwischen Oskar Meyer und dem Geschehen am Mondsee.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Selten habe ich die inneren N\u00f6te einer j\u00fcdischen Familie, die versucht sich vor der t\u00f6dlichen Gefahr der Nazis zu retten, so eindringlich und unter die Haut gehend beschrieben gelesen, wie in den Schilderungen von Arno Geiger.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nachdenklich und eindr\u00fccklich erz\u00e4hlt Arno Geiger in einer sensiblen Sprache vom Krieg und von Menschen, die die Hoffnung nicht aufgeben, dass es auch nach dem Ende des Krieges eine Zukunft f\u00fcr sie geben kann. Wenn er in einer Nachbemerkung zu seinem Roman das Leben bzw. Sterben dieser fiktiven Figuren nach dem Krieg dokumentiert, verleiht er ihnen eine Form der Realit\u00e4t, die weit \u00fcber die Fiktion hinausgeht und weit mehr ausdr\u00fccken m\u00f6chte als ein herk\u00f6mmliches vers\u00f6hnliches Ende. Es ist Hoffnung auf Zukunft trotz allem gerade zu Ende gegangenen Schreckens.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der hier vorliegenden ungek\u00fcrzten Lesung der vier Schauspieler Torben Kessler, Torsten Flassig, Cornelia Niemann und Michael Quast gelingt es ganz hervorragend, nicht nur in die Welt des Veit Kolbe einzutauchen, sondern auch den Kampf der weitere Protagonisten um ihr \u00dcberleben und f\u00fcr eine \u201ekleine Zukunft\u201c auf eine ber\u00fchrende, authentische und tiefgr\u00fcndige Weise einzufangen und zum Ausdruck zu bringen. Das H\u00f6rbuch ist sehr zu empfehlen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; Arno Geiger, Unter der Drachenwand (H\u00f6rbuch), H\u00f6rbuch Hamburg 2018, ISBN 978-3-95713-120-1 &nbsp; In seinem neuen Roman erz\u00e4hlt der \u00f6sterreichische Schriftsteller Arno Geiger von Menschen, die im Jahr 1944 in einem kleinen Ort namens Mondsee bei Salzburg zu F\u00fc\u00dfen der Drachenwand versuchen, in einer Atempause des Zweiten Weltkrieges zu sich selbst zu &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=5675\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Unter der Drachenwand (H\u00f6rbuch)<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":6,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-5675","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5675","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/6"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=5675"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5675\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5677,"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5675\/revisions\/5677"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=5675"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=5675"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=5675"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}