{"id":5696,"date":"2018-04-18T09:46:11","date_gmt":"2018-04-18T07:46:11","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=5696"},"modified":"2018-04-18T09:46:11","modified_gmt":"2018-04-18T07:46:11","slug":"singt-ihr-lebenden-und-toten-singt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=5696","title":{"rendered":"Singt, ihr Lebenden und Toten, singt"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/49578596z.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-5697\" src=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/49578596z-192x300.jpg\" alt=\"\" width=\"192\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/49578596z-192x300.jpg 192w, https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/49578596z.jpg 304w\" sizes=\"auto, (max-width: 192px) 100vw, 192px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Jesmyn Ward, Singt, ihr Lebenden und Toten, singt, Kunstmann Verlag 2018, ISBN 978-3-95614-224-6<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Jahr 2015 hat der Kunstmann Verlag in M\u00fcnchen die in Amerika mittlerweile sehr bekannte und preisgekr\u00f6nte Schriftstellerin Jasmyn Ward mit ihrem schon 2011 in den USA erschienenen Erstling \u201eVor dem Sturm\u201c bekannt gemacht, der in den letzten zehn Tagen spielt, bevor der Wirbelsturm Katrina mit verheerender Wucht auf die K\u00fcste trifft und 2011 mit dem National Book Award ausgezeichnet wurde. Sie \u00fcberzeugte mich damals mit ihrer an Metaphern reichen und oft lyrischen Sprache und mit Figuren, die dem\u00a0 Ungl\u00fcck, das ihnen widerf\u00e4hrt, Zuversicht und Hoffnung entgegensetzen. Immer wieder findet sie f\u00fcr ihre Figuren etwas Sch\u00f6nes, Bestaunenswertes, Wertvolles, was sie die Welt und ihr Leben trotz allem lieben l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Auch f\u00fcr das hier vorliegende Buch \u201eSingt, ihr Lebenden und ihr Toten, singt\u201c hat Jesmyn Ward 2017 den National Book Award erhalten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Buch schildert mit vielen R\u00fcckblenden einen zweit\u00e4gigen Roadtrip, den der 15-j\u00e4hrige Jojo und seine j\u00fcngere Schwester Michaela, die alle nur Kayla nennen, zusammen mit ihrer drogenabh\u00e4ngigen Mutter Leonie und deren Freundin von ihrer Heimatstadt an der Golfk\u00fcste des Mississippi nach Parchment unternehmen, um dort den wei\u00dfen Vater von Leonies Kindern aus dem Gef\u00e4ngnis abzuholen.<\/p>\n<p>Leonie hat sich in der Vergangenheit kaum ihre Kinder gek\u00fcmmert. Jojo und Kayla wachsen bei ihren Gro\u00dfeltern Mam und Pop auf. Mam ist unheilbar an Krebs erkrankt und stille und verl\u00e4ssliche Pop versucht, den Haushalt aufrecht zu erhalten und Jojo beizubringen, wie man erwachsen wird. Pop war vor Jahrzehnte selbst Insasse jenes ber\u00fcchtigten Gef\u00e4ngnisses in Parchment, nachdem er wegen Aufs\u00e4ssigkeit als Schwarzer zu mehrj\u00e4hriger Zwangsarbeit verurteilt worden war.<\/p>\n<p>Kapitel f\u00fcr Kapitel wechseln sich Jojo und seine Mutter ab, eingeflochten von Erinnerungen der Gro\u00dfeltern, unterbrochen von der Stimme eines Jungen, den Pop einst in Parchman unter seine Fittiche nahm: &#8222;Die Geschichte ist ein mottenzerfressenes Hemd, zu Fetzen geschreddert&#8220;, l\u00e4sst sie diesen Jungen sagen: &#8222;Die Form stimmt, aber die Einzelheiten sind ausradiert&#8220;, nur flicken k\u00f6nne man die L\u00f6cher.<\/p>\n<p>Vater wei\u00df, Mutter schwarz, ein Gro\u00dfvater, der als junger Mann angekettet in einer Gefangenengruppe schuften musste, eine Gro\u00dfmutter, die an die Heilige Teresa genauso glaubt wie an die Yoruba-G\u00f6ttin Oya, die &#8222;Herrin der Winde, des Blitzes und der St\u00fcrme&#8220;, ein toter Onkel, als Sch\u00fcler erschossen von einem aus der wei\u00dfen Familie v\u00e4terlicherseits: Dass all dies zugleich g\u00fcltig sein kann, dass die Vorfahren, die Ungeborenen und die Lebenden einen Raum teilen, geh\u00f6rt zum Glauben der Yoruba in Nigeria. Darum der Titel: &#8222;Sing, Unburied, sing&#8220;.<\/p>\n<p>Jesmyn Ward erz\u00e4hlt so ber\u00fchrend wie unsentimental von einer schwarzen Familie in einer von Armut und tief verwurzeltem Rassismus gepr\u00e4gten Gesellschaft. Was bedeuten famili\u00e4re Bindungen, wo sind ihre Grenzen? Wie bewahrt man W\u00fcrde, Liebe und Achtung, wenn man sie nicht erf\u00e4hrt?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein gro\u00dfer Roman, in dessen Mittelpunkt eine ber\u00fchrende in ihrer Intensit\u00e4t selten so \u00fcberzeugend beschriebene Geschwisterliebe steht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und wieder bezaubert Jesmyn Ward ihre Leser mit einer an Metaphern reichen und oft lyrischen Sprache und mit Figuren, die dem\u00a0 Ungl\u00fcck, das ihnen widerf\u00e4hrt, Zuversicht und Hoffnung entgegensetzen. Wie in ihrem ersten Buch findet sie f\u00fcr ihre Figuren etwas Sch\u00f6nes, Bestaunenswertes, Wertvolles, was sie die Welt und ihr Leben trotz allem lieben l\u00e4sst.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eine gro\u00dfe schwarze Schriftstellerin, die durchaus in Fu\u00dfstapfen einer Toni Morrison treten kann in der Zukunft.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; &nbsp; Jesmyn Ward, Singt, ihr Lebenden und Toten, singt, Kunstmann Verlag 2018, ISBN 978-3-95614-224-6 &nbsp; Im Jahr 2015 hat der Kunstmann Verlag in M\u00fcnchen die in Amerika mittlerweile sehr bekannte und preisgekr\u00f6nte Schriftstellerin Jasmyn Ward mit ihrem schon 2011 in den USA erschienenen Erstling \u201eVor dem Sturm\u201c bekannt gemacht, der in den letzten zehn &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=5696\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Singt, ihr Lebenden und Toten, singt<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":6,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-5696","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5696","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/6"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=5696"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5696\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5698,"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5696\/revisions\/5698"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=5696"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=5696"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=5696"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}