{"id":5699,"date":"2018-04-18T09:46:45","date_gmt":"2018-04-18T07:46:45","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=5699"},"modified":"2018-04-18T09:46:45","modified_gmt":"2018-04-18T07:46:45","slug":"leinsee","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=5699","title":{"rendered":"Leinsee"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/49907334z.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-5700\" src=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/49907334z-189x300.jpg\" alt=\"\" width=\"189\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/49907334z-189x300.jpg 189w, https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/49907334z.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 189px) 100vw, 189px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Anne Reinecke, Leinsee, Diogenes 2018, ISBN 978-3-257-07014-9<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der hier anzuzeigende Deb\u00fctroman der 1978 geborenen und mit ihrer Familien in Berlin lebenden\u00a0 Schriftstellerin Anne Reinecke ist ein wirkliches literarisches Ereignis, das schon vor einem Erscheinen mit einem Stipendium der Autorenwerkstatt Prosa des Literarischen Colloquiums Berlin ausgezeichnet wurde.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wegen seines k\u00fcnstlerischen Reichtums, seiner poetischen Sprache und seiner menschlichen Tiefe werden sicher noch weitere Auszeichnungen dazu kommen, vielleicht eine Nominierung f\u00fcr den Deutschen Buchpreis 2018.<\/p>\n<p>Die Hauptperson des bewegenden Romans ist Karl, der zu Beginn der Handlung 26 Jahre alt ist. Er ist der Sohn von August und Anna Stiegenhauer, die seit langem als die die deutsche Kunstszene dominierenden K\u00fcnstler nicht nur in ihrem Heimatland gefeiert werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In dieser total symbiotischen Beziehung war von Anfang an kein Platz f\u00fcr ein Kind. Karl ist vor etwa zwei Jahrzehnten mit der Begr\u00fcndung, ihm die bestm\u00f6gliche Erziehung zukommen zu lassen, in ein Internat gekommen und dort aufgewachsen. Dort hat er auch einen neuen Nachnamen angenommen.\u00a0 Unter diesem Namen ist er seit einigen Jahren als K\u00fcnstler in Berlin erfolgreich und total angesagt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Als Karl, der seit seinem Abitur vor sieben Jahren nicht mehr zu Hause bei seinen Eltern war, die Nachricht vom Tod seines Vaters erh\u00e4lt, wird sich sein Leben, wie sich herausstellen wird, ab diesem Augenblick total ver\u00e4ndern. Der Vater hatte sich selbst get\u00f6tet, weil er die Vorstellung, ohne seine im Sterben liegende Frau leben zu m\u00fcssen nicht ertragen konnte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Er f\u00e4hrt nach Leinsee, jenen Ort, an dem seine Eltern wohnen. Er muss dort die Beerdigung des Vaters organisieren und sich um die sterbende Mutter k\u00fcmmern. Die jedoch erholt sich nach einer Operation auf geien auch f\u00fcr die \u00c4rzte \u00fcberraschend Weise von ihrer Krankheit und Karl kommt ihr so nahe, wie er es sein ganzes Leben nicht erlebt hat. Allerdings verwechselt seine Mutter ihn konsequent mit ihrem Mann.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>W\u00e4hrend seine Freundin Mara in Berlin ihn immer heftiger dr\u00e4ngt, nach der Beerdigung des Vaters, schnell nach Berlin zur\u00fcckzukehren, auch weil wichtige Kunsttermine auf ihn warten. Denn Karl hat sich zwar mit einem eigenen, sich von dem der Eltern scharf abhebenden Stil nicht nur in Berlin einen Namen gemacht und die H\u00e4ndler rei\u00dfen ihm seine Werke geradezu aus den H\u00e4nden.\u00a0 Doch er wei\u00df, dass er von dem Lebensstil von Vater und Mutter gepr\u00e4gt ist, der nicht nur in deren Arbeiten eingeflossen ist, sondern auch Fundament f\u00fcr seine eigene Karriere als K\u00fcnstler bildet, indem er sich deutlich von ihm abhebt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nun in Leinseesieht er sich in einer f\u00fcr ihn ungewohnten Lage, die seine gewohnte Ordnung durcheinanderwirbelt. Da ist zum einen der pers\u00f6nliche Assistent seiner Eltern, der genau zu wissen scheint, was mit dem Werk der Stiegenhauers zu geschehen hat, den Karl aber abblitzen l\u00e4sst.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und da ist etwa achtj\u00e4hriges M\u00e4dchen, das eines Tages im Garten des Hauses am Leinsee, das der Vater ihm vermacht und das er, so wird sich herausstellen,\u00a0 in den folgenden Jahren zur\u00fcckgezogen als Atelier und bescheidenen Wohnraum nutzten wird, auf einem Baum sitzt. Zu diesem M\u00e4dchen entwickelt Karl bald schon eine besondere Beziehung. Tanja, so hei\u00dft sie, wohnt offenbar in der Nachbarschaft und kommt, wahrscheinlich ohne Wissen ihrer Eltern, immer wieder in den Garten Karls. Mit ihrer kindlichen Unbek\u00fcmmertheit und ihrem fr\u00f6hlichen Wesen lockt sie Karl zur\u00fcck in ein Leben voller ungeahntere Leichtigkeit, das er v\u00f6llig umkrempelt und, obwohl nach wie vor mit seinem Werken sehr erfolgreich, sich von dem Druck des Kunstmarktes l\u00f6st. Tanja bringt Karls Kreativit\u00e4t zu v\u00f6llig neuen H\u00f6hepunkten, genauso wie er ihren zum Leuchten verhilft. In der Freundschaft mit Tanja, die sich \u00fcber zehn Jahre \u00fcber das ganze Buch hinzieht, begegnet ihm seine eigene Kindheit und Jugend und er macht Frieden mit seiner Vergangenheit.<\/p>\n<p>Ihre Pr\u00e4senz, Ihr Wesen und was sie in ihm ausl\u00f6st, ist auch der Hauptgrund f\u00fcr seine Entscheidung, in Leinsee zu bleiben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Anne Reinecke hat jedes Kapitel ihres spannenden und ber\u00fchrenden Buches mit einer Farbe \u00fcberschrieben, die durch ein Adjektiv n\u00e4he qualifiziert wird. Die so entstehende Farbpalette kann man als Metapher sehen f\u00fcr Karls vielf\u00e4ltigen und sich auch im Laufe der Handlung ver\u00e4ndernden Gef\u00fchlen sehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eLeinsee\u201c ist ein Roman \u00fcber einen Menschen, der sich aus einer gro\u00dfen Traurigkeit befreit, und dem es gelingt, mit seiner Vergangenheit sich auszus\u00f6hnen und sogar zwischen ihr und seiner Gegenwart ein Band zu spannen. Ein Roman, der erz\u00e4hlt von einer ungew\u00f6hnlichen Eltern-Kind \u2013Beziehung und von einer zarten, sich langsam entwickelnden Liebe.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich bin begeistert von diesem Deb\u00fct, das der Lektor von Diogenes mit viel literarischem Gesp\u00fcr aus der Vielzahl der eingesandten Manuskripte\u00a0 zielsicher ausgew\u00e4hlt hat. Gl\u00fcckwunsch an den Verlag und Hochachtung vor der Autorin, die uns hoffentlich bald schon mit einem Nachfolgeroman beschenkt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; &nbsp; Anne Reinecke, Leinsee, Diogenes 2018, ISBN 978-3-257-07014-9 &nbsp; Der hier anzuzeigende Deb\u00fctroman der 1978 geborenen und mit ihrer Familien in Berlin lebenden\u00a0 Schriftstellerin Anne Reinecke ist ein wirkliches literarisches Ereignis, das schon vor einem Erscheinen mit einem Stipendium der Autorenwerkstatt Prosa des Literarischen Colloquiums Berlin ausgezeichnet wurde. &nbsp; Wegen seines k\u00fcnstlerischen Reichtums, seiner &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=5699\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Leinsee<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":6,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-5699","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5699","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/6"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=5699"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5699\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5701,"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5699\/revisions\/5701"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=5699"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=5699"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=5699"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}