{"id":571,"date":"2015-10-02T11:44:05","date_gmt":"2015-10-02T09:44:05","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=571"},"modified":"2015-10-02T11:44:05","modified_gmt":"2015-10-02T09:44:05","slug":"das-blutbuchenfest","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=571","title":{"rendered":"Das Blutbuchenfest"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/42638327z.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-572\" src=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/42638327z-188x300.jpg\" alt=\"42638327z\" width=\"188\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/42638327z-188x300.jpg 188w, https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/42638327z.jpg 298w\" sizes=\"auto, (max-width: 188px) 100vw, 188px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Martin Mosebach, Das Blutbuchenfest, DTV 2015, ISBN 978-3-423-14441-4<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>F\u00e4llt in Literaturkreisen der Name des B\u00fcchnerpreistr\u00e4gers Martin Mosebach, da scheiden sich gleich die Geister. Und das nicht etwa wegen unterschiedlicher Vorstellungen von der Qualit\u00e4t seiner Romane und Essays, sondern haupts\u00e4chlich wegen dem, wof\u00fcr Martin Mosebach steht. Als \u00fcberzeugter konservativer Katholik, der den lateinischen Ritus verteidigt, ist er f\u00fcr eine mehrheitlich religionskritische Kultur- und Literaturkritik ein \u00c4rgernis.<\/p>\n<p>Doch er, immer korrekt gekleidet mit Fliege und Einstecktuch, l\u00e4sst sich davon nicht beirren. Er verf\u00fcgt seit Jahren \u00fcber ein beeindruckendes polemisches Temperament und wird auch mit seinem neuen Buch die Geister scheiden. Und das nicht nur, weil er Sofa mit ph schreibt und die deutsche Sprache in ihrer wunderbaren Vielfalt beherrscht wie kaum ein anderer. Sondern einfach deshalb, weil es ein Buch ist von Martin Mosebach.<\/p>\n<p>Den Rezensenten hat der neue Roman mit dem Titel \u201eDas Blutbuchenfest\u201c gefesselt von der ersten Seite an. Es ist ein Buch voll hintergr\u00fcndigem Witz und es zeugt in der Schilderung seiner unterschiedlichen Protagonisten von einer tiefen und reflektierten Menschenkenntnis seines Autors.<\/p>\n<p>Der Roman spielt in Frankfurt. Es ist die Zeit Anfang der neunziger Jahre. Kaum war die Berliner Mauer gefallen und die Welt begann von einem neuen friedlichen Zeitalter zu tr\u00e4umen, da beginnen im zerfallenden Jugoslawien Auseinandersetzungen zwischen den verschiedenen Ethnien und religi\u00f6sen Gruppen, die man in Europa so nie mehr f\u00fcr m\u00f6glich gehalten h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Es ist die weibliche Protagonistin des Buches, Ivana, die, seit vielen Jahren schon illegal Frankfurt lebend, f\u00fcr viele andere Figuren aus dem illustren Kabinett Martin Mosebachs putzt, die die Verbindung herstellt zwischen dem einen Handlungsort Frankfurt und den teilweise ins L\u00e4cherlich-Absurde gezogenen Spleens seiner dort sich tummelnden Figuren und der demgegen\u00fcber fast archaisch anmutenden Heimat Ivanas in den bosnischen Bergen.<\/p>\n<p>Die meisten Figuren, auch der namenlose Ich-Erz\u00e4hler, ein gescheiterter Kunsthistoriker, der bisher nicht viel aus seinem Leben gemacht hat, treffen sich mehrfach in der Woche in einem angesagten Restaurant, bei Merzinger. Dort fr\u00f6hnen sie an verschiedenen Tischen ihren aufgeblasenen und hohlen Ideen. Unter anderem der sich intellektuell gebende Wereschnikow. Er hat schon einmal mit Henry Kissinger gesprochen und er kennt Boutros Ghali. Mit deren Unterst\u00fctzung will er mit einem internationalen Kongress \u00fcber Menschenw\u00fcrde insbesondere das Werk von Mestrovic, dem Michaelangelo Bosniens in einer Ausstellung zeigen.<\/p>\n<p>Hier zeigt Mosebach seine politische Polemik gegen\u00fcber einer damals im Westen herrschenden Stimmung, die sich gegen\u00fcber dem atavistischen Geschehen des Bosnienkriegs v\u00f6llig hilflos zeigte. Insbesondere die Kapitel, in denen Ivana, eine entfernte Verwandte des Bildhauers, und der Erz\u00e4hler nach Bosnien reisen, zeigen in einer auch sprachlich beeindruckenden Weise, wie entfernt die beiden Welten voneinander sind.<\/p>\n<p>Und dass, w\u00e4hrend dort der Krieg ausbricht, hier ein Fest gefeiert wird, bei dem es nur um Fressen und Saufen geht, spricht f\u00fcr sich.<\/p>\n<p>Jede seiner vielen anderen Figuren, die hier nicht erw\u00e4hnt werden, hat Mosebach meisterhaft gezeichnet. In einer Sprache und mit einer Grammatik, die mich jedenfalls auf jeder Seite neu gefangen genommen und begeistert hat. Mosebachs anspruchsvoller Stil macht sein Buch nicht zum Pageturner, dennoch kann man es kaum aus der Hand legen vor lauter stiller Begeisterung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; &nbsp; &nbsp; Martin Mosebach, Das Blutbuchenfest, DTV 2015, ISBN 978-3-423-14441-4 &nbsp; F\u00e4llt in Literaturkreisen der Name des B\u00fcchnerpreistr\u00e4gers Martin Mosebach, da scheiden sich gleich die Geister. Und das nicht etwa wegen unterschiedlicher Vorstellungen von der Qualit\u00e4t seiner Romane und Essays, sondern haupts\u00e4chlich wegen dem, wof\u00fcr Martin Mosebach steht. 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