{"id":6026,"date":"2018-05-17T08:29:33","date_gmt":"2018-05-17T06:29:33","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=6026"},"modified":"2018-05-17T08:29:33","modified_gmt":"2018-05-17T06:29:33","slug":"gluecklich-ohne-gott","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=6026","title":{"rendered":"Gl\u00fccklich ohne Gott"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/50336892z.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-6027\" src=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/50336892z-214x300.jpg\" alt=\"\" width=\"214\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/50336892z-214x300.jpg 214w, https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/50336892z.jpg 339w\" sizes=\"auto, (max-width: 214px) 100vw, 214px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Robert E. Manus, Gl\u00fccklich ohne Gott, Tectum Verlag 2018, ISBN 978-3-8288-4066-9<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Zugeh\u00f6rigkeit der Bev\u00f6lkerung zu einer der beiden gro\u00dfen christlichen Kirchen\u00a0 befindet sich im Sinkflug. Gro\u00dfe Austrittswellen, zun\u00e4chst oft aus finanziellen Gr\u00fcnden bei niedriger Affinit\u00e4t zur Kirche, sp\u00e4ter dann immer wieder auch von \u00fcberzeugten Christen aufgrund uns\u00e4glicher Missst\u00e4nde in den Kirchen finanzieller und moralischer Art, haben die Mitgliederzahlen erheblich sinken lassen und beiden Gro\u00dfkirchen zu bedeutenden Einsparungen und strukturellen Ver\u00e4nderungen gezwungen. Als Beispiele seien hier nur der Skandal um den Limburger Bischofssitz und die zahllosen F\u00e4lle von sexuellem Missbrauch in den vergangenen Jahrzehnten durch katholischen Priester und Ordensleute, die vor wenigen Jahren bekannt wurden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Oft wird aus den zur\u00fcckgegangenen Mitgliederzahlen der Kirchen geschlossen, dass auch weniger Menschen an Gott glauben und sich als Christen bezeichnen. Das ist nicht der Fall. Viele Menschen verlassen die Kirche, aber kehren nicht ihrem Glauben den R\u00fccken.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dennoch ist festzuhalten: obwohl allenthalben von einer R\u00fcckkehr der Religion gesprochen wird, hat der Philosoph Habermas vor einjgen Jahren in einer Rede gesagt:<\/p>\n<p>\u201eDie praktische Vernunft verfehlt ihre Bestimmung, wenn sie nicht mehr die Kraft hat, ein Bewusstsein von dem, was fehlt, von dem, was zum Himmel schreit, zu wecken und wachzur\u00fctteln.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Theologen haben damals etwas vorschnell geglaubt, Habermas habe damit die Religion salviert, und seine Texte schnell aufgegriffen. Wenn ich es recht sehe, waren die protestantischen Theologen hierbei zur\u00fcckhaltender. Sie haben sich an der sich bis auf den heutigen Tag hinziehenden Debatte \u00fcber die \u201eWiederkehr der Religion\u201c viel weniger beteiligt als ihre katholischen Kollegen, hier insbesondere die Jesuiten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Autor des vorliegenden, beim religions-und kirchenkritischen Verlag Tectum erschienenen Buches, Robert E. Manus ist von Haus kein Theologe. Aber\u00a0 er hat sich sein ganzes bisheriges Leben lang mit religi\u00f6sen und philosophischen Fragen besch\u00e4ftigt und eine klassische katholische Erziehung durchlaufen. Bald schon begann er sich mit seinem katholischen Erbe auseinanderzusetzen und sich langsam davon zu l\u00f6sen. Jahrzehntelang hat er sich damit gequ\u00e4lt, seinen immer mehr ins Wanken geratenen\u00a0 christlichen Glauben festzuhalten, was ihm aber immer weniger gelang. Als er dann das umstrittene und meiner Meinung nach mit vielen M\u00e4ngeln behaftete Buch \u201eDer Gotteswahn\u201c von dem radikalen und fanatischen Religionsfeind Richard Dawkins las, \u201ewusste ich, es ist falsch, nur tolerant zu sein.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In seinem umfangreichen und mit zahllosen Anmerkungen versehenen\u00a0 Buch spricht Manus all diejenigen Menschen an, die sich so wie er kritisch mit ihrem christlichen oder muslimischen Glauben auseinandersetzen und sich vielleicht von ihm l\u00f6sen m\u00f6chten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nach einer ausf\u00fchrlichen religionswissenschaftlichen Auseinandersetzung kommt er zu dem Schluss, dass Bibel und Koran keine Dokumente sind, die Liebe und Toleranz predigen,\u00a0 sondern eher B\u00fccher der Abgrenzung des Hasses und der Gewalt.<\/p>\n<p>Er glaubt, dass ein erf\u00fclltes und gl\u00fcckliches Leben besser gelingt ohne den Bezug auf Gott und bezieht sich am Ende seines Buches auf Gottfried Keller, der in einem Brief an Wilhelm Baumgartner schrieb:<\/p>\n<p>\u201eWie trivial erscheint mir gegenw\u00e4rtig die Meinung, dass mit dem Aufgeben der sogenannten religi\u00f6sen Ideen alle Poesie und erh\u00f6hte Stimmung aus der Welt verschw\u00e4nde! Im Gegenteil! Die Welt ist mit unendlich sch\u00f6ner und tiefer geworden, das Leben ist wertvoller und intensiver, der Tod ernster, bedenklicher und fordert mich nun erst mit aller Macht auf, meine Aufgabe zu erf\u00fcllen und mein Bewusstsein zu reinigen und zu befriedigen, da ich keine Aussicht habe, das Vers\u00e4umte in irgendeinem Winkel der Welt nachzuholen.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich beschr\u00e4nke mich auf die Dokumente und Traditionen des christlichenGlaubens, wenn ich bemerken muss, dass Manus die revolution\u00e4re Botschaft des Neuen Testamentes vermengt mit den Aussagen der Bibel, die man im historischen Kontext lesen muss und von denen man sich trennen muss. Ich werfe ihm auch vor, dass er das<\/p>\n<p>bahnbrechende Werk \u201eToleranz und Gewalt\u201c\u00a0 aus dem Jahr 2007\u00a0 des M\u00fcnsteraner Religionshistorikers und Priesters Arnold Angenendt (ist jetzt auch als Taschenbuch lieferbar) nicht beachtet und gew\u00fcrdigt hat. Dem geht es \u00a0haupts\u00e4chlich um die Tatsache, dass die drei Schwert-Worte im Neuen Testament immer wieder in ihrer wahren Bedeutung beachtet werden m\u00fcssen, um ihrem neuerlichen Missbrauch entgegenzuwirken:<br \/>\nEinmal das beim ersten Hinh\u00f6ren erschreckende Wort: &#8218;Ich bin nicht gekommen, um Frieden zu bringen, sondern das Schwert&#8216; (Mt.10,34). Gemeint ist das geistige Schwert der Abtrennung von der blutsverwandten Eigenwelt, also ein metaphorischer Gebrauch zur Bezeichnung schmerzhaft &#8211; notwendiger Lebensentscheidungen. Dem zweiten Schwert-Wort zufolge ist das Wort Gottes &#8217;sch\u00e4rfer als jedes zweischneidige Schwert&#8230;; es richtet \u00fcber die Regungen und Gedanken des Herzens.&#8216; Das physische Schwert jedoch wird abgelehnt. Als Jesu J\u00fcnger ihn bei seiner Verhaftung mit einen realen Schwert verteidigen wollen, gebietet er: &#8218;Steck dein Schwert in die Scheide; denn alle, die zum Schwert greifen, werden durch das Schwert umkommen.'(Mt. 26,52)<\/p>\n<p>Das sind die theologischen Grundlagen des Christentums. \u00a0Manfred L\u00fctz hat in seinem neuen mit Arnold Angenendt zusammen verfassten Buch \u201eDer Skandal der Skandale\u201c diese Erkenntnisse \u00a0f\u00fcr einen breiten Kreis von Lesern zug\u00e4nglich gemacht. Ich kann es nur empfehlen f\u00fcr alle die Menschen, die die platte Kritik meiden und es lieber mit der wirklichen Aufkl\u00e4rung halten, eben auch im Diskurs um das strittige Thema Religion.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; Robert E. 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