{"id":6042,"date":"2018-05-17T08:50:53","date_gmt":"2018-05-17T06:50:53","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=6042"},"modified":"2018-05-17T08:50:53","modified_gmt":"2018-05-17T06:50:53","slug":"die-universitaet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=6042","title":{"rendered":"Die Universit\u00e4t"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/49452597z.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-6043\" src=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/49452597z-180x300.jpg\" alt=\"\" width=\"180\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/49452597z-180x300.jpg 180w, https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/49452597z.jpg 285w\" sizes=\"auto, (max-width: 180px) 100vw, 180px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Andreas Maier, Die Universit\u00e4t, Suhrkamp 2018, ISBN 978-3-518-42785-9<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mit dem vorliegenden sechsten Band seines autobiographischen Romanprojekts \u201eOrtsumgehung\u201c hat der in Friedberg in der Wetteraus geborene und aufgewachsene Schriftsteller Andreas Maier nicht nur schon \u00fcber die H\u00e4lfte des auf angeblich elf B\u00e4nde angelegten Werkes vollendet, sondern in dem Roman \u201eDie Universit\u00e4t\u201c verfestigt sich auch eine schon in \u201eder Kreis\u201c angelegte Wende in seiner Entwicklung, die Geburt eines K\u00fcnstlers und einer Idee von der Welt und seiner Aufgabe in ihr.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Inspiriert von Thomas Bernhard, \u00fcber den er auch promovierte, entwickelte Andreas Maier schon in den B\u00e4nden \u201eDas Zimmer\u201c, \u201eDas Haus\u201c, \u201eDie Stra\u00dfe\u201c, \u201eDer Ort\u201c \u00a0und \u201eDer Kreis\u201c seit 2010 von Buch zu Buch das autobiographische Erz\u00e4hlen als Kunstform und erweiterte sukzessive sein Beobachtungsspektrum. Quasi wie in konzentrischen Kreisen erz\u00e4hlt er immer wieder von seiner Kindheit und Jugend und setzt mit jedem Buch immer wieder neu an, bezieht sich auf Bekanntes, f\u00fcgt Neues hinzu und begleitet als erwachsener Intellektueller mit gro\u00dfem Einf\u00fchlungsverm\u00f6gen sich selbst als Kind und Jugendlicher auf dem Weg in die Welt und ins k\u00fcnstlerische, \u00e4sthetische und politische Bewusstsein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In der Zwischenzeit ist Andreas Maier an der Universit\u00e4t in Frankfurt. Wir schreiben die Jahre 1988-1989. Noch immer tr\u00e4gt er seine Liebe zur Buchh\u00e4ndlertochter aus Friedberg in sich, auf deren Spuren er sich in seiner Heimat bei kurzen Besuchen zu Hause bewegt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Doch haupts\u00e4chlich erz\u00e4hlt er in knappen Kapiteln und Miniaturen von seinem Leben als Student, von seinen Beobachtungen in Seminaren des ber\u00fchmten Karl-Otto Apel \u00fcber Wahrheitstheorie und dessen unendlichen Exkursen. Ende der 80 er Jahre gab es noch keine festgelegten Bachelorstudieng\u00e4nge, sondern das Studium war relativ frei, bewegte sich zwischen Besuchen der Unikneipe Dr. Flotte und verzweifelten Versuchen, eine Orientierung f\u00fcr das eigene Leben zu finden. Andreas Maier treibt die Orientierungslosigkeit bald schon zu einem Arzt. Die Schilderung von dessen Anamnese ist ebenso k\u00f6stlich zu lesen wie Maiers Beobachtung und Reflexionen \u00fcber Kommilitonen in Apels stickigem Seminar.<\/p>\n<p>Als er auf der Suche nach einem Zimmer in einer ziemlich heruntergekommenen Dachbude glaubt in einem auf dem Boden liegenden Erotikmagazin eine ehemalige Freundin zu sehen, geraten im Gegenwart und Vergangenheit ziemlich durcheinander.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Etwas mehr Klarheit verschafft ihm ein Studentenjob bei einer Art Pflegeb\u00f6rse, wo er als Neuling zuerst zu einer besonders schwierigen Patientin geschickt wird. EWs stellt sich heraus, dass er die Ehefrau des schon 1969 verstorbenen Philosophen Theodor Adorno, Gretel Adorno versorgen muss. Er l\u00e4sst sich von ihr zerkratzen und beschimpfen, aber eigentlich versteht er sich mit ihr besser als mit seiner ganzen Umwelt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zusammen mit seinen Kollegen, mit denen er im Schichtdienst Gretel Adorno versorgt, erf\u00fcllt er ihr eine schon Jahre gehegten Wunsch: sie m\u00f6chte noch einmal an ihrem Platz im legend\u00e4re Cafe Laumer in der Bockenheimer Stra\u00dfe sitzen, wo sie in den Sechzigern mit ihrem Mann oft anzutreffen war.<\/p>\n<p>Die Universit\u00e4t ist ein Roman \u00fcber die M\u00f6glichkeit, \u00fcberhaupt von so etwas wie \u201eIch\u201c oder \u201ePerson\u201c zu sprechen. Vergleiche hierzu Maiers Frankfurter Poetikvorlesungen, die 2006 bei Suhrkamp erschienen sind.\u00a0 Es ist jener Zustand Anfang zwanzig, in dem wir zwar noch im Rollenspiel der Jugend verhaftet sind, zugleich aber l\u00e4ngst begriffen haben, dass es irgendwo anders hingehen muss.<\/p>\n<p>Andreas Maier ist mit diesem sechsten Roman seiner Reihe eine leise Geschichte \u00fcber jemanden gelungen, der seinen Platz in der Welt finden will, ohne sich selbst zu verlieren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In einer Anmerkung auf Seite 86 schreibt Maier: \u201eNach wie vor bin ich dann f\u00fcr ein paar Augenblicke neben mich gesetzt, wie wenn meine jetzige Bad Nauheimer Gegenwart im Jahre 2009 und das Zimmer meines Onkels, in dem ich das hier schrieb, durchscheinend werden und dahinter ein anderes fr\u00fcheres Bild herandr\u00e4ngt.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Schon in \u201eDer Kreis\u201c hatte mich eine Bemerkung vermuten\u00a0 lassen, dass die B\u00e4nde von \u201eOrtsumgehung\u201c l\u00e4ngst fertig sind. \u201eDie Universit\u00e4t\u201c jedenfalls wurde 2009 geschrieben und erst 9 Jahre sp\u00e4ter ver\u00f6ffentlicht. Was auch immer der Grund daf\u00fcr ist \u2013 offensichtlich hat der mittlerweile in Hamburg lebende Andreas Maier schon seit L\u00e4ngerem Zeit f\u00fcr ein ganz neues Projekt. Auf das bin ich sehr gespannt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Andreas Maiers Zyklus ist ein beeindruckendes Erinnerungsprojekt und bis jetzt ein wertvolles literarisches Zeugnis dessen, was Kindheit und Erwachsenwerden bedeuten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Andreas Maier, Die Universit\u00e4t, Suhrkamp 2018, ISBN 978-3-518-42785-9 &nbsp; Mit dem vorliegenden sechsten Band seines autobiographischen Romanprojekts \u201eOrtsumgehung\u201c hat der in Friedberg in der Wetteraus geborene und aufgewachsene Schriftsteller Andreas Maier nicht nur schon \u00fcber die H\u00e4lfte des auf angeblich elf B\u00e4nde angelegten Werkes vollendet, sondern in dem Roman \u201eDie Universit\u00e4t\u201c verfestigt sich auch &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=6042\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Die Universit\u00e4t<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":6,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-6042","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6042","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/6"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=6042"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6042\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6044,"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6042\/revisions\/6044"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=6042"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=6042"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=6042"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}