{"id":6174,"date":"2018-08-08T14:30:32","date_gmt":"2018-08-08T12:30:32","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=6174"},"modified":"2018-08-08T14:30:32","modified_gmt":"2018-08-08T12:30:32","slug":"glaubenssaetze-ein-kritischer-katechismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=6174","title":{"rendered":"Glaubenss\u00e4tze. Ein  kritischer Katechismus"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/52392083z.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-6175\" src=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/52392083z-188x300.jpg\" alt=\"\" width=\"188\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/52392083z-188x300.jpg 188w, https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/52392083z.jpg 298w\" sizes=\"auto, (max-width: 188px) 100vw, 188px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Gerd Thei\u00dfen, Glaubenss\u00e4tze. Ein\u00a0 kritischer Katechismus, G\u00fctersloher Verlagshaus 2018, ISBN 978-3-579-08550-0<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Als Neutestamentler hat Gerd Thei\u00dfen als Vertreter eine sozialgeschichtliche Auslegung des Neuen Testamentes unter anderem eine neue Theorie des Urchristentums entwickelt. In den letzten Jahren vor und nach seiner Emeritierung ist er auch mit Ver\u00f6ffentlichungen\u00a0 seiner Predigten in Erscheinung getreten. Unvergessen und nach wie vor empfehlenswert ist sein Jesusbuch \u201eIm Schatten des Galil\u00e4ers\u201c, in dem er in erz\u00e4hlender Romanform seine Forschungsergebnisse zum fr\u00fchen Christentum und zur fr\u00fchen Jesusbewegung f\u00fcr jeden verst\u00e4ndlich und spannend umsetzte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nun legt er in der Tradition des Heidelberger Katechismus, dessen Verfasser Zacharias Ursinus er das Buch widmet, einen kritischen Katechismus vor, der in einer glaubensarmen Zeit, in der v\u00f6llig zu Recht so etwas beklagt wird wie einen Traditionsabbruch, einer Zeit, in der auch regelm\u00e4\u00dfige Kirchg\u00e4nger nicht mehr selbstbewusst und mit Wissen \u00fcber ihren Glauben sprechen k\u00f6nnen auf eine verst\u00e4ndliche Weise dazu beitragen k\u00f6nnte,\u00a0 den christlichen Glauben mit den gegenw\u00e4rtigen Fragen der Menschen wieder in einen fruchtbaren Kontakt zu bringen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es sind meditative Texte, die sich in Sinnzeilen gegliedert lesen sich wie Gedichte. Sie sind teilweise von Bildern bestimmt, von Reflexion, manchmal auch von Information oder auch Kritik. Ihre Poesie mag erinnern an die Poesie der Bibel, deren Sprache Tiefendimensionen religi\u00f6ser Erfahrung erschlie\u00dfen kann und deren Sprachkraft einfach gewaltig ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Vorwort notiert er seinen Hintergrund:<\/p>\n<p>\u201eIn m\u00f6glichst knappen Aussagen habe ich f\u00fcr mich niedergeschrieben, was mir am christlichen Glauben wichtig ist, \u00dcbereinstimmung mit mir hat Vorrang vor der \u00dcbereinstimmung mit Dogmen und Kirchen. Doch ein Protestant steht mit solch einer \u00dcberzeugung nicht am Rande seiner Kirche, sondern mitten in ihr. Der Protestantismus ist eine Religion der Freiheit und Vernunft. Diese Glaubenslehre ist daher trotz ihres pers\u00f6nlichen\u00a0 Charakters konsensorientiert: Sie kn\u00fcpft an die Tradition an und gibt ihr nicht vorschnellen Abschied. Auch Trinit\u00e4t, Zwei-Naturen-Lehre und S\u00fchnetod Jesu werden als sinnvolle Bilder gedeutet. Konsens kann man ferner nur formulieren, wenn man nicht nur die eigene Glaubensgemeinschaft im Blick hat, sondern auch andere Konfessionen und Religionen, vor allem aber die vielen Menschen, die fern von jeder Religion\u00a0 leben. Dieses Buch wirbt um Verstehen und Respekt f\u00fcr den Glauben auch dort, wo er keine Zustimmung erf\u00e4hrt.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Buch ist in drei Abschnitte unterteilt<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ul>\n<li>Meditationen \u00fcber Gott<\/li>\n<li>Meditationen \u00fcber Jesus<\/li>\n<li>Meditationen \u00fcber den Geist<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Insgesamt 235 hat er sich gestellt und versucht sie zu beantworten. Um den Lesern dieser Rezension und m\u00f6glichen Interessenten an diesem wirklich au\u00dfergew\u00f6hnlichen Buch f\u00fcr Christen und Nichtchristen einen Eindruck zu vermitteln, zitiere ich nachstehend die Frage 43 und ihre Antwort:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eWie kommen wir mit Gott in Kontakt?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gott ber\u00fchrt unser Herz,<\/p>\n<p>wenn wir dar\u00fcber staunen,<\/p>\n<p>dass \u00fcberhaupt etwas ist und nicht nichts.<\/p>\n<p>Dann sind wir unmittelbar verbunden mit der Macht,<\/p>\n<p>die alles aus Nichts schafft<\/p>\n<p>und in Nichts versinken l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Auch f\u00fcr uns gilt:<\/p>\n<p>Vor unserer Geburt<\/p>\n<p>waren wir nicht,<\/p>\n<p>und nach unserem Tod<\/p>\n<p>werden wir nicht mehr sein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zwischen Geburt und Grab<\/p>\n<p>ist die Gegenwart<\/p>\n<p>wie die Momentaufnahme in einem Film,<\/p>\n<p>der in beide Richtungen ins Nichts versinkt.<\/p>\n<p>Die Vergangenheit ist nicht mehr,<\/p>\n<p>die Zukunft noch nicht,<\/p>\n<p>die Gegenwart ein \u00dcbergang<\/p>\n<p>aus einem Nichts<\/p>\n<p>in ein anderes Nichts.<\/p>\n<p>Die Macht,<\/p>\n<p>die aus\u00a0 Nichts das Sein schafft,<\/p>\n<p>umgibt uns jeden Augenblick.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wir erleben sie als Wunder,<\/p>\n<p>wenn uns das Leben neu geschenkt wird<\/p>\n<p>nach einer guten Diagnose<\/p>\n<p>gegen schlimme Bef\u00fcrchtungen.<\/p>\n<p>Wir erleben sie,<\/p>\n<p>wenn uns ein Mensch sagt:<\/p>\n<p>Es ist wunderbar,<\/p>\n<p>dass es Dich gibt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In diesem Geheimnis von Sein und Nichts<\/p>\n<p>begegnet uns Gott.<\/p>\n<p>Durch ihn sind wir mit allen Dingen verbunden<\/p>\n<p>Durch ihn haben wir Freiheit,<\/p>\n<p>die uns \u00fcber alle Dinge hinaushebt.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dieser kritische Katechismus ist eine sprachlich, theologisch und philosophisch gelungene, stellenweise poetische Weise, heute vom christlichen Glauben zu sprechen. In einer Zeit, in der selbst Kirchg\u00e4ngern das grundlegende Wissen \u00fcber ihre eigenen Glaubenstraditionen fehlt, ist es eine einladende Form der Selbstvergewisserung nach innen und nach au\u00dfen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><sup>\u00a0<\/sup><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; &nbsp; Gerd Thei\u00dfen, Glaubenss\u00e4tze. Ein\u00a0 kritischer Katechismus, G\u00fctersloher Verlagshaus 2018, ISBN 978-3-579-08550-0 &nbsp; Als Neutestamentler hat Gerd Thei\u00dfen als Vertreter eine sozialgeschichtliche Auslegung des Neuen Testamentes unter anderem eine neue Theorie des Urchristentums entwickelt. In den letzten Jahren vor und nach seiner Emeritierung ist er auch mit Ver\u00f6ffentlichungen\u00a0 seiner Predigten in Erscheinung getreten. Unvergessen &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=6174\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Glaubenss\u00e4tze. 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