{"id":6221,"date":"2018-08-21T16:30:40","date_gmt":"2018-08-21T14:30:40","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=6221"},"modified":"2018-08-21T16:30:40","modified_gmt":"2018-08-21T14:30:40","slug":"der-duft-des-waldes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=6221","title":{"rendered":"Der Duft des Waldes"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/52461049n.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-6222\" src=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/52461049n-196x300.jpg\" alt=\"\" width=\"196\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/52461049n-196x300.jpg 196w, https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/52461049n.jpg 242w\" sizes=\"auto, (max-width: 196px) 100vw, 196px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Helene Gestern, Der Duft des Waldes, S. Fischer 2018, ISBN 978-3-10-397343-3<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Um es gleich vorweg zu sagen: \u201eDer Duft des Waldes\u201c ist mein absolutes Lieblingsbuch dieses Sommers. Trotz monumentaler 700 Seiten und einer sehr vielstr\u00e4ngigen Geschichte, die sich \u00fcber ein ganzes Jahrhundert erstreckt und bei der viele verschiedene historische und aktuelle Themen behandelt werden, hat mich dieser Roman aus Frankreich nicht losgelassen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Protagonistin dieses Romans hei\u00dft Elisabeth Bathori. Sie arbeitet als Historikerin in einem Archiv f\u00fcr Fotogeschichtsschreibung und hat sich auf alte Postkarten spezialisiert. Zwei Jahre ist es jetzt her, dass die Liebe ihres Lebens an einem Hirntumor starb. Dieser Tod hat sie in eine lange Phase depressiver Trauer gest\u00fcrzt, aus der sie ihr Chef versucht herauszuholen, indem er sie mit der hochbetagten Alix de Calendar bekannt macht, die eine unsch\u00e4tzbar wertvolle Sammlung alter Briefe, Postkarten und Fotos besitzt, die ihr Onkel Alban seinem besten Freund, dem ber\u00fchmten Dichter Anatole Massis von der schrecklichen Front des Ersten Weltkrieges geschrieben hat.<\/p>\n<p>Sofort ist Elisabeth fasziniert von diesen Dokumenten, die sie auch ganz pers\u00f6nlich in der Tiefe ihrer trauernden Seele ansprechen, denn es geht in ihnen um Liebe, Vertrauen, Verlust, Sehnsucht und Erinnerung. Sie beginnt sofort sich in die Briefe von Alban de Willecot einzulesen, die Helene Gestern in chronologischer Folge zwischen den einzelnen Kapiteln des Buches abdruckt, als Alix de Calendar stirbt und Elisabeth zu einem Notar gerufen wird. Alix hat ihr ein Haus im S\u00fcden Frankreichs vererbt, das nun in der n\u00e4chsten Zeit zu einem Ort wird, wo ihre Seele zur Ruhe kommt.<\/p>\n<p>Die aufw\u00e4ndige Recherche, die sie \u00fcber die Briefe Albans beginnt, verleiht ihrem Leben nicht nur den Hauch eines neuen Sinnes, sondern f\u00fchrt sie auch nach Portugal zu einer Frau namens Violeta, die sie um Hilfe bei der Suche nach einer j\u00fcdischen Vorfahrin bittet. Dort lernt Elisabeth den Anwalt Samuel kennen, den stillen Bruder von Violeta, in den sie sich gleich verliebt. Ihre durch schwere biographische Erfahrungen gepr\u00e4gte komplizierte Liebesgeschichte ist ein Strang des Romans, der immer wieder durch neue Entdeckungen und \u00dcberraschungen aufwartet.<\/p>\n<p>So kommt Elisabeth in den Besitz eines Tagebuchs von Diane, einer damals 17-j\u00e4hrigen, die mit Alban an der Front korrespondierte und auch mit Anatole Massis eine Beziehung gehabt zu haben scheint. Elisabeth gelingt es, das codierte Tagebuch zu entschl\u00fcsseln und entwickelt eine Theorie \u00fcber die Beziehung der drei.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Doch so wie der Leser durch immer neue Wendungen \u00fcberrascht und st\u00e4ndig von Helene Gestern auf neue Wege gef\u00fchrt wird, ohne dass sie selbst ihren Faden verliert, muss auch Elisabeth immer wieder neu ansetzen in ihrer Forschungsarbeit.<\/p>\n<p>Diese langwierige Spurensuche hilft Elisabeth aus einer Sackgasse in ihrer eigenen Biographie, sie findet dabei die Kraft, den Verlust ihres Liebsten zu verarbeiten und eine neue Perspektive f\u00fcr ihr Leben zu entwickeln. Diese Perspektive entwickelt sich aber erst langsam, immer wieder gest\u00f6rt durch R\u00fcckschl\u00e4ge in ihrer neuen Beziehung zu Samuel und drohenden Selbstverlust durch das rastlose Arbeiten an immer mehr historischen Dokumenten, die auf oft seltsame Weise auftauchen, obwohl sie als verloren galten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eine Menge durchaus wichtiger Charaktere k\u00f6nnen hier nicht alle erw\u00e4hnt werden, es sind zu viele. Doch jeder hat f\u00fcr die Handlung des Romans eine wichtige Funktion, die in vielen F\u00e4llen erst am Ende des Buches offenbar wird.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eDer Duft des Waldes\u201c ist ein gro\u00dfes ein ganzes Jahrhundert \u00fcberspannendes Werk, voller Tiefe und sich durch eine breite Themenvielfalt auszeichnend, vom Elend des Ersten Weltkrieges, \u00fcber die Judenverfolgung w\u00e4hrend der deutschen Besatzung bis hin zur Fl\u00fcchtlingskrise der Gegenwart. Doch es wird nie zu viel. Helene Gestern hat die F\u00e4den ihres Stoffes immer im Griff und f\u00fchrt den Leser sicher durch einen spannenden und unterhaltsamen Roman, dem man hierzulande viele LeserInnen w\u00fcnscht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; &nbsp; Helene Gestern, Der Duft des Waldes, S. Fischer 2018, ISBN 978-3-10-397343-3 &nbsp; Um es gleich vorweg zu sagen: \u201eDer Duft des Waldes\u201c ist mein absolutes Lieblingsbuch dieses Sommers. 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