{"id":6234,"date":"2018-08-23T10:19:34","date_gmt":"2018-08-23T08:19:34","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=6234"},"modified":"2018-08-23T10:19:34","modified_gmt":"2018-08-23T08:19:34","slug":"kudos","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=6234","title":{"rendered":"Kudos"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/49454425n.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-6235\" src=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/49454425n-180x300.jpg\" alt=\"\" width=\"180\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/49454425n-180x300.jpg 180w, https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/49454425n.jpg 240w\" sizes=\"auto, (max-width: 180px) 100vw, 180px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Rachel Cusk, Kudos, Suhrkamp 2018, ISBN 978-3-518-42807-8<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nach \u201eOutline\u201c und \u201eIn Transit\u201c erscheint nun der abschlie\u00dfende Teil einer Romantrilogie der englischen Schriftstellerin Rachel Cusk. Auch in diesem erz\u00e4hlt die Schriftstellern Faye von Begegnungen und Menschen, die sie beeindruckt haben.<\/p>\n<p>Rachel Cusk hat mit ihrer Protagonistin vieles gemeinsam:\u00a0 sie lebt in England, ist einmal geschieden und nun wieder verheiratet\u00a0 und hat zwei Kinder. Mehr ist von der ich-erz\u00e4hlenden Faye auch in diesem Roman nicht zu erfahren. Denn das Buch besteht aus vielen Geschichten, Lebensberichten und Stellungnahmen zum Literaturbetrieb, die Faye meist zuh\u00f6renderweise auf einer Reise aufnimmt und dann dokumentiert. Diese Reise f\u00fchrt sie zun\u00e4chst zu einem Literaturfestival in eine deutsche Stadt, im Weiteren dann zu einem Schriftstellerkongress in eine weitere Stadt, deren Beschreibung in vielem an Lissabon erinnert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Doch die zum Teil skurrilen Umst\u00e4nde insbesondere in Lissabon sind nicht wichtig. Wichtig sind die Menschen, die Faye auf ihrem Weg trifft, und denen sie zuh\u00f6rt. Diese Menschen, oft aber nicht immer direkt oder indirekt mit dem Literaturbetrieb verbunden, wiederum scheinen zu sp\u00fcren, dass sie ihr alles erz\u00e4hlen k\u00f6nnen, weil sie ihnen so wie eine Therapeutin zuh\u00f6rt und nur sehr selten eigene Bemerkungen macht. Diese Methode Fayes (Rachel Cusks) hatte schon die beiden ersten Romane getragen und ihren Charme ausgemacht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Schon im Flugzeug aufs europ\u00e4ische Festland beginnt dieser Reigen von Geschichten mit einem Mann, der ihr erz\u00e4hlt, dass er in der Nacht zuvor seinen Hund begraben hat. In K\u00f6ln trifft sie dann auf einen CEO eines altehrw\u00fcrdigen Verlages, der ihn mit dem Verlegen von Sudokuheften aus dem drohenden Konkurs gef\u00fchrt hat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Rachel Cusk gelingt es auf den knapp 200 Seiten des Romans eine Vielzahl von Menschen mit ihren Geschichten unterzubringen, die sie mit Distanz beschreibt und dann erz\u00e4hlen l\u00e4sst. Wie eine gute Therapeutin denkt sie, dass das Erz\u00e4hlen in Monologen zu einer Art Selbsterkenntnis f\u00fchrt. Zumindest beim Leser, der sich in so manchen Themen, um die es geht, wiedererkennen mag.<\/p>\n<p>All diese so unterschiedlichen Menschen und ihre Geschichten sind wie durch einen unsichtbaren Faden miteinander verbunden durch die Themen, um die es im Hintergrund und zwischen den Zeilen dauernd geht: um pers\u00f6nliche Freiheit und wie man sie sich durch selbstgew\u00e4hlte Gef\u00e4ngnisse nimmt, um Gerechtigkeit und Recht und immer wieder die Urfrage, wie das denn eigentlich gehen soll, insbesondere f\u00fcr Frauen, mit dem Zusammenleben von Mann und Frau oder als Familie mit Kindern.<\/p>\n<p>Und wie ist es um das Verh\u00e4ltnis zwischen den M\u00fcttern und\u00a0 ihren S\u00f6hnen bestellt? Kann man\/frau in einer solchen Bindung \u00fcberhaupt zu sich selbst kommen? Und: kann man in ihr als Schriftstellerin produktiv sein?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>An einer Stelle (es sind nicht viele), an der die Schriftstellerin Faye als Alter Ego von Rachel Cusk selbst zu Wort sich meldet, vergleicht sie das Erz\u00e4hlen mit der alten Form der Beichte, mit der sich Menschen\u00a0 erleichtern wollen. Sie wollen erz\u00e4hlen, so ihre Theorie, die der Leser bei der n\u00e4chsten Begegnung mit anderen Menschen sofort \u00fcberpr\u00fcfen kann, um \u201ejede Schuld zu vermeiden; mit anderen Worten, wir nutzen (das Erz\u00e4hlen) strategisch, um uns von Verantwortung zu entlasten.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Interessante und unterhaltsame, manchmal schr\u00e4ge Erz\u00e4hlungen von Menschen hat Rachel Cusk in ihrem Roman versammelt. Der Leser soll sich in ihren gespiegelt sehen, damit er anders als die meisten anderen begreift, wie wichtig es ist, wo auch immer, aber besonders in unseren Beziehungen, wirkliche Verantwortung zu \u00fcbernehmen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; &nbsp; &nbsp; Rachel Cusk, Kudos, Suhrkamp 2018, ISBN 978-3-518-42807-8 &nbsp; Nach \u201eOutline\u201c und \u201eIn Transit\u201c erscheint nun der abschlie\u00dfende Teil einer Romantrilogie der englischen Schriftstellerin Rachel Cusk. Auch in diesem erz\u00e4hlt die Schriftstellern Faye von Begegnungen und Menschen, die sie beeindruckt haben. 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