{"id":6237,"date":"2018-08-23T10:20:08","date_gmt":"2018-08-23T08:20:08","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=6237"},"modified":"2018-08-23T10:20:08","modified_gmt":"2018-08-23T08:20:08","slug":"der-zopf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=6237","title":{"rendered":"Der Zopf"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/49540111n.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-6238\" src=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/49540111n-184x300.jpg\" alt=\"\" width=\"184\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/49540111n-184x300.jpg 184w, https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/49540111n.jpg 242w\" sizes=\"auto, (max-width: 184px) 100vw, 184px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Laetitia Colombani, Der Zopf, S. Fischer 2018, ISBN 978-3-10-397351-8<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In diesem wunderbaren Bestseller aus Frankreich geht es um drei Frauen, wie sie nicht unterschiedlicher sein k\u00f6nnten. Drei Frauen aus drei Kontinenten, jede mit ihrem eigenen Schicksal und doch auf eine magische Weise miteinander verbunden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Da ist Smita aus Uttar Pradesh in Indien. Sie und ihre Tochter geh\u00f6ren zu den Dalit, den Unber\u00fchrbaren, die Gandhi einmal \u201eKinder Gottes\u201c nannte. Ihre Aufgabe ist es, t\u00e4glich die Latrinen der Bewohner des Ortes reinigen, die h\u00f6her gestellt sind als sie. Mit blo\u00dfen H\u00e4nden holt sie die Exkremente ihrer Nachbarn heraus und entsorgt sie auf den Feldern. Ihr Mann arbeitet als Rattenf\u00e4nger auf jenen Feldern. Die Tiere, die ihm in die Falle gehen, darf er nach Hause mitnehmen. Smita br\u00e4t sie dann abends, oft die einzige Nahrung f\u00fcr die Familie. W\u00e4hrend Smitas Mann treu im Glauben auf seine Wiedergeburt in einem hoffentlich besseren Leben wartet und sich still in sein Schicksal f\u00fcgt, beschlie\u00dft Smita, die will, dass ihre Tochter Lalita Lesen und Schreiben lernt, ihr Leben in die Hand zunehmen. Mitten in der Nacht geht sie mit den wenigen Ersparnissen zusammen mit ihrer Tochter fort. Sie verl\u00e4sst Dorf und Ehemann, um f\u00fcr sich und die Tochter ein neues Leben zu beginnen.<\/p>\n<p>Ihre Reise wird sie irgendwann in einen Tempel f\u00fchren, wo sie f\u00fcr ihre spirituelle Reinigung ihrem Gott Vishnu ihren Zopf opfert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Diese Haare sind zusammen mit anderen die Rettung f\u00fcr die altehrw\u00fcrdige Per\u00fcckenfirma der 19-j\u00e4hrigen Giulia aus Palermo, die nach einem Unfall des Vaters, der ihn in ein immerw\u00e4hrendes Koma fallen l\u00e4sst, verzweifelt versucht, die durch erhebliche Schulden und sinkende Nachfrage ihrer edlen Produkte kurz vor dem Bankrott stehende Firma und die Arbeitspl\u00e4tze der Mitarbeiterinnen zu erhalten.<\/p>\n<p>Die Haare aus Indien, von besonders guter Qualit\u00e4t, sind der Rohstoff, f\u00fcr Per\u00fccken besonders hohen Standards, von denen eine schlie\u00dflich in Kanada landen wird.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dort, auf der anderen Seite des Atlantiks lebt die erfolgreiche Anw\u00e4ltin Sarah in Montreal. Sie hat sich \u00fcber viele Jahre trotz zahlreicher Anfeindungen als Frau in ihrem Beruf durchgesetzt. Immer hat sie es geschafft, die Sorge f\u00fcr ihre drei Kinder und ihren Beruf miteinander zu vereinbaren. Der Preis daf\u00fcr war hoch. Sie hat schon zwei Scheidungen hinter sich und als sie nun als Partnerin ihrer Kanzlei aufgenommen werden soll, denkt sie, mit noch mehr Anstrengung sei auch das zu schaffen.<\/p>\n<p>Da erf\u00e4hrt sie von einer Krebserkrankung, die sie erst einmal verdr\u00e4ngt, die sie dann niederhaut und sie schlie\u00dflich zwingt dar\u00fcber nachzudenken, was ihr im Leben wirklich etwas bedeutet, was ihr wichtig ist. Ganz schafft sie den Turnaround nicht, aber eine Per\u00fccke aus Guilias Werkstatt in Palermo wird ihr helfen, neuen Lebensmut zu sch\u00f6pfen und ihr normales Leben wieder aufzunehmen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Laetitia Colombani erz\u00e4hlt die Schicksale dieser drei Frauen, die auf unterschiedliche Weise dieselbe Sehnsucht nach Freiheit verbindet abwechselnd. Ohne dass sich die Frauen kennen, bewegen sich ihre Geschichte sozusagen aufeinander zu. Jede auf ihre Weise k\u00e4mpft gegen die Widerst\u00e4nde des Lebens.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Autorin hat aus diesen drei Geschichten eine Art Zopf geflochten, der symbolisch den ersten Zopf Smitas ersetzt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es ist ein ber\u00fchrender Roman ohne aufgesetzte Sozialkritik. Laetitia Colombani schildert ihre drei Frauenfiguren mit Bedacht, ohne hintergr\u00fcndige Kritik und achtet so das, was sie verbindet trotz aller un\u00fcberbr\u00fcckbaren Unterschiede: die Sehnsucht nach Freiheit und die Erfahrung, dass es sich lohnt, neu anzufangen und f\u00fcr sie zu k\u00e4mpfen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; Laetitia Colombani, Der Zopf, S. Fischer 2018, ISBN 978-3-10-397351-8 &nbsp; In diesem wunderbaren Bestseller aus Frankreich geht es um drei Frauen, wie sie nicht unterschiedlicher sein k\u00f6nnten. 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